Zwei Generationen Holzbau
Kindergartenerweiterung in Lustenau von Bernardo Bader
Zwei Generationen Holzbau seien im österreichischen Lustenau aufeinandergetroffen, schreiben Bernardo Bader Architekten (Bregenz). Denn die von ihnen entworfene Erweiterung eines Kindergartens schließt an einen kompakten, zweigeschossigen Holzbau an, der 1992-1994 nach Entwürfen des Schweizer Büros Burkhalter Sumi gebaut worden war. Gut dreißig Jahren später musste das Raumprogramm erweitert und die Kindertagesstätte um drei Gruppenräume vergrößert werden. Bernardo Bader hatte dafür 2018 einen anonymen Wettbewerb gewinnen können. Seit Anfang 2021 toben die Kinder nun durchs gesamte Haus.
Der rote Block von Burkhalter Sumi steht mit seinen schmalen, hochformatigen Fenstern entlang der Straße nach Norden. Bernardo Bader Architeken haben ihren Erweiterungsbau als langen, eingeschossigen Pavillon östlich neben dem Bestand errichtet und direkt mit diesem verbunden. Sowohl in der räumlichen Struktur als auch bei der Ausformulierung des konstruktiven Holzbaus orientiert sich das Neue am Vorgefundenen. Der innenliegende Korridor des Bestands wird zunächst verlängert, nach Norden schließen die Büroräume an, gen Süden aber geht der Blick nach draußen auf einen kleinen Hof, der zwischen beiden Gebäudeteilen angelegt wurde. Dann verspringt der Korridor als breite, innere Spielstraße und wird entlang der nördlichen Außenwand entlang geführt. Nach Süden folgen die drei neuen Gruppenräume, am Ende liegt ein gemeinschaftlicher Bewegungsraum.
Während der Korridor im Neubau die Raumhöhe von Burkhalter Sumi aufgreift, sind die drei Gruppen- und der Bewegungsraum deutlich höher. Außerdem liegt neben jedem Gruppenraum noch ein „Außenzimmer“, das direkt von der jeweiligen Kindergruppe genutzt und mit einem horizontalen Sonnensegel im Dach zusätzlich verschattet werden kann. Wie der vorhandene ist auch der Neubau ein konstruktiver Holzbau, der von sichtbar belassenen Holzoberflächen geprägt wird. Offene Balkenlagen aus lokalen Hölzern und vorgefertigte Wandelemente ermöglichten eine besonders kurze Bauzeit und verleihen der Erweiterung einen robusten, atelierartigen Charakter. Das Flachdach ist vollständig begrünt.
So sind beide Teile des Kindergartens deutlich aufeinander bezogen, gleichzeitig ist jeder eine in sich selbständige Architektur. Die Erweiterung bietet insgesamt 620 Quadratmeter Nutzfläche, die Baukosten geben die Architekten mit 2,42 Millionen Euro an. (fh)
Fotos: Adolf Bereuter, Dornbirn
Zu diesem Projekt: Also im Terrassenbereich braucht man keinen Sockel, da hier ein offener Holzboden ersichtlich ist, die wasserführende Ebene ist darunter. Ich verstehe auch nicht, warum der Sockel höher sein muss? Hier wird unter normalen Witterungsbedingungen niemals so hoch Wasser anstauen. Ich will hier nicht gegen die kritischen Punkte argumentieren, aber ich schätze die Arbeit von B.B. sehr.. wenn mir auch dieses Projekt nicht sonderlich gut gefällt. Aber ihm fehlendes Wissen im Holzbau zu unterstellen, ist mit seiner Erfahrung schon etwas mutig.
Ansonsten muss ich den Punkten zustimmen, nach 10 Jahren sollte die Fassade noch intakt sein. Und auch das vergessen, des über Jahrhunderten angeeigneten Fachwissens ist in allen Bereichen der Baubranche heutzutage einfach nur traurig. Kenn ich nicht, mach ich nicht, machen wir immer so, darf ich nicht, entspricht keiner Norm, etc. etc.
im hier gezeigten projekt gibt es an den terrassen keinen sockel (dafür immerhin einen kleinen dachüberstand). der sockel am restlichen gebäude ist zwar vorhanden, aber nicht hoch genug für einen dauerhaften konstruktiven holzschutz. ok, immerhin guter wille. aus gestalterischen gründen ist das alles nachvollziehbar, sieht im neuzustand toll aus - aber darum geht es mir nicht.
dass man eine fassade nach 30 jahren oder mehr austauscht, ist ok, aber wenn sie schon nach zehn jahren fäulnislöcher aufweist wie bei o.g. kindergarten, ist das ernüchternd.
ergo: die menschheit hat sich über jahrtausende ein enormes wissen im bereich nachhaltiglkeit, bautechnik und konstruktiver holzschutz erarbeitet - dieses einfach über bord zu werfen und zu glauben, das wäre heutzutage nicht mehr relevant, ist dumm und überheblich. bautechnisch gute, nachhaltige architektur entsteht erst dann, wenn wir das alte wissen (material, fügung, konstr. holzschutz) mit dem neuen (bauphysik, dämmung, energieeinsparung) verknüpfen lernen.
Bei gutem konstruktivem Holzschutz kann die Fassade Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte überdauerrn. Anderenfalls muss der nachwachsende Rohstoff häufiger bzw. früher wieder abgebaut werden und diese Bäume fehlen dann in der CO2-Bilanz.