Tabula Rasa in der Kita
Kindergarten in Südtirol
In der 2.000 Seelen-Gemeinde Rodeneck in Südtirol haben die Brüder Alexander und Armin Pedevilla ein Schulgebäude aus dem späten 19. Jahrhundert in einen Kindergarten umgebaut. Das Material- und Farbkonzept ihres 2005 gegründeten Büros Pedevilla Architects (Bruneck) ist einfach und reduziert „wie ein leeres Blatt Papier“.
Ähnlich der unbeschriebenen Wachstafeln, denen das Sprichwort ursprünglich entliehen ist, ist die Putzfassade geglättet, weiße Betonplatten bilden das Satteldach, Fußböden, Fenster, Türen und Möbel aus Eiche sind gebürstet und weiß imprägniert. Die Entwerfer sehen das Konzept nicht rein gestalterisch, sondern auch metaphorisch. Die Haus lade dazu ein, durch die Kinder „gestaltet und bespielt zu werden“ – wie ein unbeschriebenes Blatt eben.
Tiefe Fensterlaibungen verraten die Massivität des Gebäudes. Die Eigenschaft, die von dem Bestandsbau mit seinem dicken Mauerwerk herrührt, wussten die Architekten sogleich funktional zu nutzen: die Laibungen der größeren Öffnungen – der mit zwei Fensterformaten durchzogenen Fassade – dienen den Kindern im Innenraum als Sitzbänke. Die Filzauflagen der Fensternischen bilden Farbakzente in rot, gelb, blau und grün, die von den Waschräumen wieder aufgegriffen werden.
So klar und einfach wie der Baukörper nach außen hin wirkt, ist er auch im Inneren organisiert: Der Raum zwischen der zentralen Treppe und der umlaufenden Lochfassade ist offen und lässt sich flexibel gestalten. „Dieses klare System der Grundrissgliederung ermöglicht den Kindern eine schnelle, einfache Orientierung und viel Platz, die einzelnen Raumsituationen selbst zu erkunden.“
Fotos: Gustav Willeit
Mehr Kindergärten in der Baunetzwoche#331 „Ich bin eine Kita!“
Sie haben vollkommen recht, ich verstehe Ihre Argumentation wirklich nicht so richtig.
Gegen "eine pure, reduzierte Architektur " haben Sie nichts einzuwenden, aber hier wurde es Ihnen "zu arg weit getrieben." Der Baukörper ist Ihnen zu banal, die Kontraste nicht ausreichend. Gleichzeitig möchten Sie lediglich "dezente" Kontraste am Boden.
Sie bemängeln geradezu, dass dies aus der Sicht der Architekten entworfen wurde. Architekten! Die, egal ob Sie Ihrer Gesinnung erst einmal passen, eine nicht zu geringe Ausbildung absolviert haben. Menschen, die sich damit beschäftigen, Umwelt zu gestalten, zu verändern und zu beeinflussen.
Und die in diesem Falle eine reduzierte Form gewählt haben, mit einigen starken Akzenten, welche im Kontrast zu weniger expressiven Räumen stehen. Und?
Verstehen Sie mich nicht falsch, Ihre grundsätzliche gestalterische Meinung ist wichtig und ein Teil der Betrrachtungsweise. Aber Ihr Bestreben aus "Sicht der Kinder" auf das Problem zu schauen, löst es nicht. Weil Sie kein Kind mehr sind und Ihre Erfahrungen als Erwachsener auch diese Betrachtung nicht mehr wirklich zu lassen.
Und gerade vor diesem Hintergrund finde ich es eben richtig, solch Architektur auch als eine aufzufassen, die Platz lässt für mehr, die nicht versucht vorzugeben, was sie nicht sein kann. Die den Benutzern, in diesem Fall mehrheitlich Kindern den Raum lässt, sich eigene Bilder und Erfahrungen anzueignen oder sich diese zu entwickeln.
Seit etlichen Jahren gibt es KEINEN anspruchsvollen Kindergartenneubau mehr, deren Architekten der Auffassung waren: kinder = buntes Haus! Seit Jahren nicht mehr.
Die Kinder die diesen Kindergarten besuchen dürfen sind zu beneiden, haben sie doch die seltene Gelegenheit eine Lebenswelt jenseits der ästhetischen Verwahrlosung primärfarbiger MC Donalds Spielburgen erfahren zu dürfen.
Kaum ist mal wieder ein Kindergarten im Baunetzblog zu finden, sind sie wieder da... die "Ich-würde-mein-Kind-da-nicht-sehen-wollen" - Eltern. Filtern Sie sich gern mal die Kindergärten der letzten 5 Jahre heraus und lesen Sie die Kommentare.
Dieses Bauwerk hat so eine gute Basis und lässt dabei noch so viele Gestaltungsmöglichkeiten offen, gerade weil es in Form und Farbe eher etwas reduziert ist...
Anders gefragt, Herr "Pestalozzi" und Frau Welheimer: Welcher formaler Ausdruck oder welche Farbe wäre denn Ihrem Kind gerecht geworden? Und sind sie sicher , dass das Kind - besser - die Eltern Ihres Nachbarkindes die gleichen Ansprüche haben? Und was passiert denn schon, wenn ein Fleck auf eine weissen Wand kommt? Zumindest lässt weiss mehr Raum für Kindermalereien als pink, grün, lila, gelb...
Ihr gewählter Terminus der "klinischen Abstraktion" sollte doch nicht etwa von wenig Vorstellungskraft ablenken?