Weiß im Grünen
Kindergarten in Aichtal von Christof Simon
Ein klar gegliederter, weißer Baukörper – der neue Kindergarten in Aichtal bei Stuttgart lässt sich durch seine monochrome Farbgebung ganz auf die Reize der umgebenden Landschaft ein. Mit einem Quartiersplatz im Westen und freier Aussicht dank lockerer Bebauung ist das Grundstück geradezu optimal gelegen. 2012 hatte das Stuttgarter Büro von Christof Simon den Wettbewerb gewonnen. Der entstandene Neubau zeigt eine ähnlich reduzierte Formensprache wie die erst kürzlich von Simon Freie Architekten realisierte Erweiterung der Stuttgarter Universität.
Hinter dem mineralischen Kratzputz verbergen sich 20 Zentimeter Wärmedämmverbundsystem vor einer Ortbetonkonstruktion. Darin befinden sich Räume für drei Kindergartengruppen im Obergeschoss und zwei Krippengruppen im Erdgeschoss. Rückzugsräume und verglaste Gemeinschaftsflächen wechseln sich ab, eingebaute Möbel und Fensterbänke können beklettert werden und aufgeklebte Sinnsprüche an den Scheiben sollen Beulen an den Köpfen vorbeugen.
Eine umlaufende Veranda spendet Schatten und bietet einen sanften Übergang zwischen Innen und Außen, der zur Erkundung einlädt. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, wie stark sich die Architekten hier von einem baulichen Element aus dem Süden der USA inspirieren ließ: die Porch ist geschützter Außenraum und sozialer Treffpunkt, aber auch ein Ort um schmutzige Arbeitskleidung abzulegen, bevor man das Haus betritt. Der grüne Freibereich unter weißen Schirmen lädt zum Spielen ein – bei jeder Witterung. Man kann sich vorstellen, dass die weißen Oberflächen und raumhohen Glasscheiben nicht lange weiß bleiben. Eine „Schmutzschleuse“ soll daher das Gröbste verhindern.
Gleichzeitig betonen die Architekten die bewusste Farbwahl: Kinder und Erzieherinnen sollen so die Möglichkeit zur „individuellen Inbesitznahme“ erhalten. Die Idee ist schön, denn während ihrer Zeit in der Einrichtung lernen die Kleinkinder, Fantasie und Realität zu unterscheiden. Der weiße Raum bietet dafür einen guten Hintergrund. Die eingebauten Bilderschienen in den Wänden sind allerdings keine Einrichtung, die von Kleinkindern eigenständig bedient werden könnte. Insofern darf man auf die Ergebnisse dieses Aneignungsprozesses gespannt sein. (dd)
Fotos: Brigida Gonzalez
Materialwahl und Farben sind hinsichtlich der zu erwartenden Belastungen völlig daneben... nach drei Monaten Nutzung wird es nur noch schäbig aussehen.
Ich finde es ehrlich gesagt peinlich, dass es immer noch Kollegen gibt, die zum Bild des eitlen, optikfixierten Architekten einen dicken Beitrag leisten. Das macht es für Leute mit ausgewogener Einstellung zu Funktion und Gestaltung um so schwieriger, glaubwürdig dazustehen.
Und: Welcher unbedarfte Bauherr hat denn das mitgemacht???
Wo ich manchmal auf Bauherrenseite etwas Gestaltungsfreude vermisse, hats hier wohl etwas zu viel davon gegeben, oder auch nur etwas zu viel Vertrauen in die Vernunft des Architekten.
Was die Frage nach kindgerechtem Bauen angeht:
Klar, Kinder haben wenig Gestaltungsanspruch. Aber: Wenn man schon viel Kohle in die Hand nimmt, warum dann nicht etwas Passendes damit bauen? Ich finde es auch schlimm, wenn jede 2. Kita in Standard-gelb grün rot blau rausgehauen wird. Aber es gibt ja auch noch was dazwischen.
Aber als Büro/Praxis fände ich es auch sehr schön.
was wissen sie denn was kinder brauchen.
kannte als kind nur weiße wände mit erstklassigen bildern.
will sagen, die assoziationen mit business-center, krankenhaus oder zahnklinik haben die kinder vermutlich (noch) gar nicht. diese stören uns erwachsene sicher oft mehr als die (offenen und unbedarften) kinder.