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04.02.2020

Zurück in die Zukunft

Kaufhausumbau von Winhov in Amsterdam


Seit dem späten 19. Jahrhundert prägten Warenhäuser die europäischen Innenstädte, heute aber ist das Modell des allumfassenden Einkaufskosmos in prächtigen Architekturen überholt. So wechselte beispielsweise Karstadt mehrfach den Besitzer – derzeit gehört das Warenhaus der Signa Holding, die vor allem mit ambitionierten Hochhaus- und Exportprojekten um mediale Aufmerksamkeit ringt – während das niederländische Traditionshaus Vroon&Dreesmann 2016 komplett schließen musste. Eines ihrer ehemaligen Kaufhäuser in Amsterdam ist nun von Office Winhov (Amsterdam) zu einem Bürobau mit einzelnen Gewerbeeinheiten umgebaut worden.

Die Architektinnen legten dabei auch die vielen Zeitschichten des Gebäudes frei, denn das Kaufhaus am Kanal Rokin hat eine komplexe Baugeschichte. Der Hauptteil wurde 1912 von Francois Caron errichtet, der seinen historistischen Prunkbau nach dem Vorbild großer französischer Kaufhäuser wie die Galeries Lafayette an zwei kleine Kontorhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert anschloss. Vroon&Dreesmann ließen den Bau schon bald von Jan Kujt erweitern. In der Sachlichkeit der Amsterdamer Schule stülpte der dem Komplex 1930 eine Hülle aus hellem Backstein mit großflächiger Glasfront über. In der Folge wurde das Kaufhaus jedoch immer wieder um- und ausgebaut und auch diese Struktur vollkommen überformt.

Office Winhov führten den Komplex nun weitestgehend auf den Zustand von 1930 zurück. Insbesondere für Passanten sichtbar, setzten sie entlang des Rokin die alte, stahlgerahmte Schaufensterfassade nach Kujts Plänen wieder ein. Ebenso ertüchtigten sie die charakteristische Glasfront und das Backsteinmauerwerk aus dieser Zeit. Dieses fast schon archäologische Vorgehen kombinierten sie mit einem zeitgenössischen Zusatz, indem sie die restaurierten Kontorhäuser durch eine gläserne Zwischenkonstruktion mit dem Caron-Kujt-Komplex verbanden.  

Bis in den dritten Stock bestand das ursprüngliche Kaufhaus aus Einzelhandelsflächen, darüber saß die Verwaltung. Heute hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. Winhov legten dafür einen neuen Eingang an, der direkt in die vier oberen Stockwerke führt, die zu großzügigen Büros umgebaut wurden. Das von Caron geplante Atrium wurde erhalten und mit einem neuen Oberlicht ausgestattet. Es bildet nun den Mittelpunkt der Büroebenen. Das Erdgeschoss, das Untergeschoss und der erste Stock sind weiterhin für den Handel reserviert, aber in kleine Einheiten untergeteilt. Und so nimmt das Projekt eine ironische Wendung, wenn auf den ersten Etagen mit einzelnen Boutiquen und Restaurantes wieder eine Geschäftsform Platz findet, die das Warenhaus historisch einmal zu verdrängen drohte. (sj)

Fotos: Stefan Müller


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