Schwarzer Ritter, weißer Ritter
Kaufhausumbau in Berlin von Max Dudler und Aukett + Heese
Gut ging es diesem Kaufhaus an der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln schon lange nicht mehr. Das Gebäude hatte 1970 als Quelle-Kaufhaus eröffnet, entworfen von der Architektengemeinschaft Hendel-Haseloff-Hotzel. In den 1990ern folgte SinnLeffers und von 2001 bis 2009 war es schon nur noch der „Schnäppchenmarkt“ von Karstadt. Dann schloss das Haus endgültig seine Tore. Ein Abriss stand zur Debatte.
Schließlich erwarb es der Investor MREI und erstellte mit Realace (Berlin) ein Konzept für eine Mischnutzung aus Büro, Indoor-Foodmarket, Läden, einer Konzerthalle und einer Dachterrasse mit Restaurant unter Gewächshausdächern und Infinity-Pool. Für die Fassadengestaltung und äußere Erscheinung des sogenannten Kalle Neukölln engagierte man das Büro von Max Dudler (LPH 1–5), für die Objektplanung der Innenarchitektur (LPH 3–5) Aukett + Heese (beide Berlin).
Der Bestandsbau zog sich durch den gesamten Block und bestand aus drei Teilen. Auf einem durchlaufenden Untergeschoss stand zur Karl-Marx-Straße hin ein fünfgeschossiger Bau, dessen großen Verkaufsetagen von einem Lichthof durchbrochen wurden. Zur rückseitigen Donaustraße hatte man eine Hochgarage mit sechs niedrigen Geschossen und einer abschreckenden Fassade aus Betonschürzen errichtet. Zwischen den zwei Teilen befand sich eine große Spiralrampe aus Beton für die Autos.
Dudlers Umbaukonzept hat diese zwei sehr unterschiedlichen Gesichter des Komplexes bewahrt, allerdings auf eine ganz andere Art. Alle Fassadenteile wurde demontiert, der gesamte Komplex bis auf die Tragstruktur rückgebaut. Zur Einkaufsstraße hin hat das Haus eine helle Fassade aus Kunststein erhalten, das ehemalige Parkhaus rückseitig hingegen eine dunkelbronzene Metallfassade. Der Entwickler spricht gerne vom Dark Knight und vom White Knight, dem Dunklen und dem Weißen Ritter.
Die überflüssig gewordene Betonspirale hat man abgebrochen. Hier stehen sich nun die beiden Ritter direkt gegenüber. Im Erdgeschoss liegt unter einer aufwändigen, stützenfreien Glasdecke eine Art „Wintergarten“, der für Veranstaltungen und den Foodmarket genutzt werden soll. Dahinter wurde im alten Parkhaus eine Konzerthalle eingefügt. Das gesamte Erdgeschoss soll künftig von beiden Seiten aus öffentlich zugänglich sein, und mit seinen verschiedenen Nutzungen, darunter auch der im Vorderhaus bereits eingezogene Plattenladen Besucher*innen anziehen.
In den Obergeschossen sind im vorderen wie im hinteren Teil Büroflächen entstanden. Insgesamt verfügt das Projekt über 40.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche, von denen 26.000 für Büros genutzt werden, 4.000 vom Einzelhandel und 6.000 vom ebenerdigen Bereich für Foodmarket und Veranstaltungen.
Auf den Dächern des dunklen und des weißen Ritters soll ein Restaurant unter einer gewächshausartigen Dachstruktur einziehen. Publikum wollen die Verantwortlichen mit einer langen, schmalen Brücke anlocken, die hoch über der Glasdecke des Wintergartens die beiden Dachabschnitte verbindet – hinten wartet zudem noch ein kleiner Infinity-Pool am Dachrand. Zum Schwimmen eignet der sich zwar kaum, aber für ein Selfie mit Fernsehturm im Hintergrund wird die Wassertiefe schon reichen. (fh)
Fotos: Markus Löffelhardt, Stefan Müller, Sebastian Rost
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur (Fassade):
- Max Dudler
- Architektur (innen), Objektplanung (LPH 3–5):
- Aukett + Heese
- Tragwerksplanung:
- Rüdiger Jockwer
- Projektsteuerung:
- Rautenbach Gesellschaft von Architekten
- TGA:
- Janowski Ingenieure
- Bauphysik und Akustik:
- Müller-BBM Building Solutions
- Bauherrschaft:
- K101 GmbH & Co KG / Maruhn Real Estate Investment GmbH (MREI)
- Fläche:
- 40.000 m² Bruttogrundfläche
- Auszeichnungen:
- 3. Platz beim Polis Award 2023
Noch mehr Beispiele für Umbauten von leerstehenden Kaufhäusern gibt es in der BauNetz WOCHE#653 „Im Kaufhausumbaurausch“.
Aber ein/e Stadt (-bild) aus Weltwundern...???
Wie so oft, ist die Detailliebe im Innern selten in Fassaden wiederzufinden.
Man kann sicherlich sagen, dass die helle Kunststeinfassade eine Verbesserung zu der zerklüfteten Betonlandschaft davor ist.
Aber es heilt den Straßenraum und das Verhältnis zu den Nachbarn nicht. Proportion. Materialiität und Rhythmus sind wieder nur Markenzeichen von Dudler.
Das ist eine verpasste Chance.
Bei vielen Architekten fehlt das Verständnis für Stadt.
Vielleicht sollten sie einmal in den Blickwinkel wechseln und Stadt erwandern, bevor sie etwas bauen, und sich dann selbst einmal die Fotos von ihren Werken aus der Fernsicht ansehen.
Oder würde auch das nicht helfen?