Rohling
Katalanisches Kino von Mateo in Barcelona
Der letzte Stierkampf in Barcelona am Sonntagabend sorgte für Betrübnis unter eingefleischten Verfechtern dieser blutigen Tradition. Vielleicht können sie sich nun einer anderen Leidenschaft widmen – dem Kinofilm. Der katalanische Architekt Josep Lluís Mateo hat im September mitten in Barcelona ein neues Kino fertig gestellt. Unfertig sieht es aus; für manch einen wird es an den Charme einer Baustelle erinnern. Die Betonung liegt hier auf Beton, unvollendetem, nacktem, rauen Beton.
Mit dem Vorschlag dieses Rohlings für das katalanische Kino hatte das Büro Mateo Arquitectura 2004 das offene Wettbewerbsverfahren gewonnen. Gebaut wurde der Kinokomplex für das Institut Català de les Indústries Culturals, kurz ICIC. Er steht mitten in der Altstadt des Szeneviertels El Raval am Platz Salvador Segúi. Unfertig wie er ist, stellt er für die Architekten eine zeitgenössische Interpretation der Ruinen des römischen Forums dar. Masse und Volumen bestimmen den Neubau, es ist ein verschnittener Kubus, eine gebaute Struktur ohne Verkleidung. Die Betonfassade bröckelt ebenso wie der Putz der alten Nachbargebäude.
Um den 7.500 Quadratmeter großen Neubau auch als städtebauliche Figur in das Viertel einzupassen, wurden die Kinosäle als Volumen unter der Erde versteckt – ein Abstieg in die Dunkelheit. Im Erdgeschoss öffnet sich das Filmtheater und zieht den Straßenraum hinein. Nach dem Film gelangen die Besucher über die schicken Rolltreppen also wieder ins Licht.
Zwei Innenhöfe strukturieren das Gebäude und belichten den Gebäudekomplex. In den oberen Etagen sind ein Filmmuseum, ein Archiv, die Bibliothek und Büroräume untergebracht. Ganz kostengünstig war der Rohling jedoch nicht: Die Baukosten werden mit 12 Millionen Euro angegeben.
Fotos: Adrià Goula
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