Vom Militärbau zum Kreativ-Campus
Kasernenumbau von herrschmidt architekten in Erfurt
Erst seit der Wiedervereinigung ist der Erfurter Petersberg mit weitem Blick über die Thüringer Landeshauptstadt wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Beginnend mit dem Dreißigjährigen Krieg war er durchgehend militärisch genutzt, funktional abgeschottet und auf Kontrolle, Abschirmung und hohe bauliche Dauerhaftigkeit ausgerichtet. Im Zuge der Bundesgartenschau 2021 wurde die heruntergekommene Festungsanlage mit der Defensionskaserne und der bereits teilsanierten, romanischen Peterskirche für Ausstellungen geöffnet und das Areal zum Anlaufpunkt für Besucher*innen gemacht.
Mit dem nun fertiggestellten Umbau der Defensionskaserne nach Plänen des Erfurter Büros herrschmidt architekten können Kreative und Kulturschaffende jetzt auch vor Ort arbeiten. Im Auftrag des privaten Bauherren Frank Sonnabend haben die Architekt*innen den zwischen 1828 und 1831 errichteten, langgestreckten Baukörper zum Kreativ-Campus ausgebaut. Auf rund 10.000 Quadratmetern ist Raum für Unternehmen, Start-ups, Kreative, Kulturschaffende und Gastronomie entstanden.
Dafür überführten sie den hermetischen, wenig flexiblen Militärbau in ein durchlässiges Gefüge. Aufgrund der starren Raumstruktur und der Denkmalschutzvorgaben waren die Eingriffsmöglichkeiten jedoch begrenzt. Unter anderem öffneten die Architekt*innen teilweise die Zwischendecke im Festungsbauteil von 1833, fügten neue skulpturale Treppen und Balkone hinzu und bauten Aufzüge für die barrierefreie Erschließung ein. Die so geschaffenen Lufträume stellen visuelle und funktionale Bezüge her und machen die Tiefe des Gebäudes erstmals lesbar. Reversible Einbauten sollen die Anpassungsfähigkeit für veränderte Nutzerinnenansprüche garantieren.
Die massiven Mauern, großen Raumhöhen und komplexen Grundrisse bleiben erhalten. Historische Oberflächen sind ebenso ablesbar wie die neuen Elemente. Die Fassade wurden gereinigt und Schadstellen im Sandstein durch Steinmetzarbeiten ergänzt. Historische Zeugnisse wie Einschussstellen oder Graffitis sind aber weiterhin erkennbar. Darüber hinaus wurden denkmalgerechte Holzfenster eingebaut und die originalen Tore aufgearbeitet. Eine energetische Ertüchtigung erfolgte entsprechend des Effizienzhaus-Denkmal-Standards. Natürlich belüftet, kann die hohe Speichermasse des massiven Mauerwerksbaus als passive Ressource fungieren. Im erneuerten Dach wurden die Gauben instandgesetzt und teilweise vergrößert. (fm)
- Bauherrschaft:
- Frank Sonnabend
- Architektur:
- herrschmidt architekten
- Tragwerksplanung:
- Ingenieurbüro für Baustatik, Ludger Hottenrott
- Landschaftsarchitektur:
- Aischa Vogel
- TGA/Energieplanung:
- IBS Planungsbüro für Haustechnik GmbH, Christoph Steube
- Lichtplanung:
- LDA Licht OHG
- Einbauten:
- Konzept-Los Möbelwerkstätten
- Fläche:
- 9.936 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 19.500.000 €
Daneben wächst übrigens auch die gute alte Kaserne wieder...