Caen fundamental
Justizpalast von baumschlager eberle
Es ist eine bekannte und beliebte Metaphorik: Je einsehbarer die Architektur von öffentlichen Bauten – vor allem Justizbauten, wo die Gesellschaft durch das Zurschaustellen von Verfahren diszipliniert wird – desto offenkundiger, fairer werden die Prozesse antizipiert, die unser Miteinander regeln. Transparente Gerichtsbarkeit und transparente architektonische Elemente werden dabei in eine Gleichung gesetzt.
Dieser Rhetorik bedienen sich auch be baumschlager eberle bei ihrem kürzlich eröffneten Justizpalast in der nordfranzösischen Stadt Caen, der in enger Zusammenarbeit mit dem Atelier Pierre Champenois aus Montreuil entstand. Transparenz übersetzen die Architekten hier allerdings nicht reflexartig in die exzessive Verwendung von Glas. Die „fundamentale Notwendigkeit der Gerichtsbarkeit“ wird mit einer elementaren Architektursprache verbunden – ein einfacher Kubus mit orthogonalem und laut den Architekten „vernünftigem“ Grundriss.
Der Gedanke der Transparenz wird in klare Raumorganisation und puristische Ästhetik übertragen. Für visuelle Klarheit im Inneren sorgt ein Atrium, welches alle fünf Etagen des Gebäudes verbindet. Die Architekten konzipierten ein umlaufend verglastes erstes Obergeschoss, welches die vertikale Fassadenstruktur unterbricht, so dass jeder gesehen werden kann – hier sind die Eingänge zu den Gerichtssälen – und sodass jeder sehen kann – hier befinden sich zudem Aufenthaltszonen mit Panorama-Aussicht über die Stadt. (df)