Neue Ortsmitte von Bembe Dellinger
Jurahäuser bei Ingolstadt
Neuinterpretation einer historischen Hausform: Das Büro Bembé Dellinger Architekten (Greifenberg am Ammersee) hat für die knapp 5.000 Einwohner zählende Gemeinde Wettstetten bei Ingolstadt hat eine neue Ortsmitte gebaut. Der Entwurf für das Ensemble aus Rathaus, Gemeindesaal und Tagespflege-Gebäude orientiert sich an regionalen Jurahäusern.
Im Landkreis Eichstätt im nördlichen Oberbayern dominierten bis Mitte des 20. Jahrhunderts die traditionell mit dünnen, aber schweren Kalksteinplatten gedeckten Jurahäuser mit ihren Kalkmörtel-geschlemmten Hausfassaden. Das klassische Altmühltaler Jurahaus (nicht zu verwechseln mit den „Jurahäusern“ des französisch-schweizerischen Grenzgebiets) verfügt über ein flachgeneigtes Dach mit nur geringem bis gar keinem Dachüberstand.
Sowohl die Kubatur der drei neuen Baukörper der Ortsmitte als auch ihre Materialität – geschlämmtes Ziegelmauerwerk an der Fassade – haben ihren Ursprung in dem seit dem 14. Jahrhundert vor Ort vorherrschenden Baustil. Die Architekten erreichen so die angestrebte „ländliche Wirkung der Gebäudegruppe und ihre lokale Verwurzelung“.
Für sie bedeutete die Bauaufgabe die Gestaltung eines Zwischenraumes, der die stadträumlichen Strukturen weiterschreiben sollte. Die Platzierung der drei Volumen orientiert sich an vorhandenen Fluchten und fügt sich daher wie selbstverständlich in den größtenteils aus freistehenden Baukörpern bestehenden, gewachsenen Ortsgrundriss ein. Um einen gemeinsamen Platz gruppiert, ermöglicht die räumliche Beziehung zwischen Rathaus, Tagespflegeeinrichtung und Gemeindesaal auch einen Ort der Begegnung für die Besucher der drei Einrichtungen.
Fotos: Stefan Müller-Naumann
ich denke deshalb, weil wir uns zu tode verwöhnt haben, zu tode perfektioniert und zu tode individualisiert. gaststätten machen lärm für die anwohner. supermärkte ziehen den bösen autoverkehr in die ortskerne, gaststätten wollen sich öffentliche bauherren wegen pächter- und anwohnerärger nicht mehr antun. uswusf. unser credo lautet funktionale separation, segregation, politische korrektheit allen minderheiten gegenüber, minimierung jedweder belastung aller, dafür maximaler selbstverwirklichung, persönlicher freiheit und natürlich maximalmöglicher abgabe von verantwortung an andere. das klingt natürlich hart, das würde niemand so formulieren und schon gar nicht unterschreiben, aber genau so erlebe ich es in jedem neuen bauvorhaben. wir wollen alle anderen maximal in ruhe lassen und dabei unseren eigenen vorteil maximieren. diese gesellschaftlichen grundtendenzen verstärken sich immer weiter und führen letztlich zur auflösung der gesellschaft. wahrscheinlich muss es erst soweit kommen, bis wir merken, was wir an der großfamilie, der dorfgemeinschaft, gegenseitiger informeller hilfsbereitschaft usw. hatten. und dann entstehen auch wieder bauliche ausformulierungen einer lebendigen gesellschaft. übrigens: die häuser in wettstetten gefallen mir in ihrer architektur ausnehmend gut. die architekten haben ihre aufgabe mit bravour gelöst. lebendigere ortsmitten kann kein architekt generieren, das kann eben nur die gesellschaft.
Wo machen denn neue läden auf in ortsmitten oder kneipen oder kegelbahnen? Das ist trotz frommen wunsches weltfremd