Pavillon am Siegesdenkmal
Jürgen Mayer H. baut Haltestelle in Freiburg
Spricht der Freiburger vom „Siegesdenkmal“, meint er weniger die unter Denkmalschutz stehende Statue, welche an den Sieg der Deutschen im Deutsch-Französischen Krieg 1871 erinnern soll, sondern eher einen geschäftigen Verkehrsknotenpunkt von Straßenbahnen und Bussen am Rande der Altstadt.
Die eigentliche Statue – die Viktoria mit Siegeskranz – scheint heute etwas unliebsam geworden, der Stolz über den Sieg gegen den „Erzfeind Frankreich“ hat heute natürlich keinen stadtgesellschaftlichen Konsens mehr, und es ist daher nicht verwunderlich, dass die Statue in der Vergangenheit bereits einmal versetzt wurde. Irgendwo muss sich halt ein Platz finden.
Es könnte nun erneut geschehen, dass die Viktoria weichen muss, und fortan etwas diskreter außerhalb wichtiger Blickachsen stehen wird, denn hier soll am besten etwas ganz Neues, Zeitgemäßes entstehen. Jürgen Mayer H. und Partner, Architekten konnten kürzlich als Gewinner eines Wettbewerbes für die neue Straßenbahnhaltestelle mit Café hervorgehen.
Sein Vorschlag einer leichten, transparenten Dachkonstruktion kontrastiert mit dem leidigen Koloss. In bekannt geometrisch-verspielter Manier legt er ein Kreisraster über den dreieckigen Platz und platziert ein Holzdach, dessen Form sich daraus ableitet. Das Dach sitzt auf einer Stahlkonstruktion, im Bereich des Cafés tragen Wände aus Stahlbeton die Lasten. Die neue Haltestelle soll voraussichtlich 2018 fertiggestellt werden. (df)
Der gesellschaftliche Bezug, der im Artikel dargestellt wird, äußert sich aus meiner Sicht auch in der Verunglimpfung des Denkmals. Dass es im dritten Reich hätte eingeschmolzen werden sollen, verdeutlicht ja umso mehr, dass mit diesem Denkmal würdevoll umgegangen werden muss. Das Würdevolle vermisse ich in der Lobpreisung auf ein Stück Architektur, das vermutlich eine Halbwertszeit von nur wenigen Jahren hat.
Und die harmlosen 50er Gebäude können Sie ja wohl auch nicht meinen.
Daß man auf einen militärischen Sieg gegen Frankreich stolz sein könnte wirkt doch etwas aus der Zeit gefallen. Der Erhalt des Denkmals als zeitgeschichtliches und kunsthistorisches Dokument hat damit ja zum Glück auch nichts zu tun.
Seiner Zerstörung ist es übrigens schon mehrfach entgangen. U.a. weigerte sich die Stadt dem Vorschlag des NSDAP Gauleiters zu folgen, und die Statue einzuschmelzen, um das Metall Adolf Hitler zum Geburtstag zu schenken. 1961 musste es dann einer Ringstraße weichen. Nun soll der Standort erneut den veränderten Erfordernissen im Stadtraum angepasst werden. Was ist daran so schlimm?
Und was hat das mit Diffamierung deutscher Geschichte zu tun? Hat unsere Epoche denn kein Anrecht darauf sich baulich auszudrücken?