Präsidentenbibliothek made in Germany
Johannes-Rau-Zentrum in Wuppertal von hks architekten
Die Büchersammlung des ehemaligen Bundespräsidenten (1999-2004) und früheren Bürgermeisters der Stadt Wuppertal Johannes Rau (SPD) umfasste rund 14.000 Bände. Mit der Bibliothek des Johannes-Rau Zentrums stellten hks architekten (Aachen) im Herbst 2022 ein Gebäude fertig, das die private Sammlung des Politikers für die Öffentlichkeit zugänglich machen soll.
Als Landtagsabgeordneter im Stadtrat arbeitete Johannes Rau in den 1960er Jahren federführend an der Gründung der Bergischen Universität Wuppertal mit. Nach dessen Tod im Jahr 2006 verblieb ein Großteil der Büchersammlung in seinem damaligen Amtssitz in Berlin. Die Düsseldorfer Staatskanzlei und die Leitung der Universität wirkten kurze Zeit später auf die Rückkehr der Sammlung in seine Heimatstadt Wuppertal hin. 2015 folgte ein Einladungswettbewerb für eine Bibliothek am Campus Freudenberg, den hks architekten für sich entscheiden konnten. Die Bauherrschaft für den 260 Quadratmeter umfassenden Neubau übernahm der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB NRW).
In Freudenberg im nördlichen Teil der Stadt sind verschiedene ingenieurs- und geisteswissenschaftliche Einrichtungen ansässig. In Nachbarschaft der neuen Bibliothek liegen eine Fachbücherei und ein Gästehaus. Zwischen diese setzten die Architekt*innen einen eingeschossigen Baukörper, der mit den übrigen Gebäuden das Johannes-Rau-Zentrum bildet. Ein verglaster Gang verbindet die Häuser und begrenzt den neuen Vorplatz, auf dem eine Skulptur der Künstlerin Leunora Salihu steht.
Der stützenfreie Bibliotheksraum ist durch die additive Anordnung der Bücherregale auch für Symposien oder Lesungen nutzbar. Diese sind in drei Anbauten rund um den Bibliotheksraum platziert. Von außen wird die Büchersammlung in den senkrechten und in Teilen versetzten Holzlamellen der Anbauten sichtbar, die sich als Holzkonstruktion aus dem Massivbau schieben.
Text: Kjell Reiter
Fotos: Jörg Hempel
Im Grundriss wirkt das Verbindungsstück zum Bestand sehr schön. Leider musste dann irgendjemand satiniertes (oder wahrscheinlich foliertes) Glas durchsetzen. Schade. Der Durchblick vom Vorplatz hätte ein Gewinn sein können. Auch der Windfang wirkt auf mich ein wenig wie nachträglich eingebaut. Mir gefällt die Fassade mit ihren beiden Materialien. Nur hinterm Foyer ist die Holzfassade vielleicht nicht ganz stringent. Trotzdem finde ich die harsche Kritik hier überzogen.
Vielleicht aber lag die Priorität ja auf einem großen Multifunktionssaal. Es heißt ja "Johannes-Rau-Zentrum". Nicht "Johannes-Rau-Bibliothek". Die Bücher sind hier jedenfalls wirklich nur zur Schau gestellte Staffage. Vielleicht war genau das die Aufgabe. Vielleicht sollte die Belesenheit des Herrn Rau in Stein/Holz gemeißelt werden. Ob das dann gelungen ist? Lesen jedenfalls will man hier kaum. Mit Tischen oder ohne.
Am Ende des Tages ist alles Stil und "Form follows Function" sorgsam versteckte Mythologie, an die nur naive Architekten noch glauben.