Neues Stadtgeschichtsmuseum
Jan Wiese Architekten gewinnen Wettbewerb in Schwerin
Das Schweriner Residenzensemble mit mehr als 30 historischen Bauten wurde 2024 zum Unesco-Welterbe erklärt. Deshalb braucht die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns nun ein Informationszentrum für Besucher*innen des Ensembles. Gleichzeitig wird schon lange ein neuer Ort für die stadtgeschichtliche Sammlung gesucht. Aus diesem Grund entschied man, ein neues Gebäude zu realisieren, das beide Aufgaben unter einem Dach vereint.
Im März lobte die Stadt einen offenen hochbaulichen Realisierungswettbewerb aus. Im Juli entschied die neunköpfige Jury unter Vorsitz von Jörg Springer, dass der Entwurf von Jan Wiese Architekten (Berlin) den ersten Preis erhält. Betreut wurde das Verfahren von büro luchterhandt & partner (Hamburg).
Als Standort für den Neubau ist ein unweit des Schweriner Doms gelegenes, teilweise unbebautes Areal zwischen Puschkinstraße und Schlachtermarkt vorgesehen. Die unbebaute Hälfte wurde bisher als Parkplatz genutzt. Auf dem anderen, an die Puschkinstraße angrenzenden Teil befindet sich ein mit dem benachbarten Rathaus über eine Brücke verbundener, denkmalgeschützter Bestandsbau, der im Zuge des Projekts umgebaut und in das Museum integriert werden soll.
Eingegangen waren 121 Wettbewerbsbeiträge. Die Jury vergab neben dem mit 37.000 Euro dotierten 1. Preis, zwei 2. Preise mit 25.500 Euro, einen 4. Preis mit 14.000 Euro und einen 5. Preis mit 12.000 Euro. Außerdem wurden zwei mit jeweils 6.500 Euro dotierte Anerkennungen ausgesprochen. Die Platzierung gestaltet sich wie folgt:
- 1. Preis: Jan Wiese Architekten (Berlin)
- ein 2. Preis: pape+pape architekten (Kassel)
- ein 2. Preis: ARGE Büro Wortmann Gork Architekt:innen und NOTO Basista Becker Jansen (Berlin)
- 4. Preis: rw+ Architekten (Berlin)
- 5. Preis: Grubert Verhülsdonk Architekten (Berlin)
- eine Anerkennung: Formation A (Berlin)
- eine Anerkennung: Mulder Zonderland (Zürich)
Das Preisgericht sprach sich einstimmig dafür aus, Jan Wiese Architekten mit der weiteren Planung zu beauftragen. Der Beitrag überzeuge aufgrund seiner „klaren, aus dem Bestand abgeleiteten räumlichen Struktur“, heißt es im Juryprotokoll. Das Erscheinungsbild habe einen eigenständigen, kraftvollen Charakter und beziehe sich zugleich harmonisch auf den städtischen Kontext. Jan Wiese Architekten schlagen einen durch drei parallele Satteldächer gegliederten Baukörper vor, der vom Seitenflügel des Bestands um einige Meter abgerückt ist. In einem diese Lücke füllenden, niedrigen Verbindungsbau am Schlachtermarkt soll der künftige Eingang des Museums liegen. Er führt in das Foyer, das in einem überdachten Innenhof zwischen Alt- und Neubau liegt.
An der Schlachterstraße zeigt sich der Bau grazil, mit drei schmalen, leicht gegeneinander versetzten Giebeln. In Richtung des Bestands fächern sich diese drei Schiffe leicht auf. Die an den Schlachtermarkt anschließende Längsfassade ist zu großen Teilen geschlossen. Im Erdgeschoss öffnet sie sich mit großzügiger Verglasung für das hier angedachte Café, das eine Verbindung zum Platz herstellt. Im Obergeschoss setzt ein übergroßes Rundbogenfenster einen markanten Akzent. Die robust wirkende Gebäudehülle aus in Rottönen changierenden Backsteinen überzieht auch die Dächer. Laut NDR soll der Bau bis 2029 fertiggestellt werden. (da)
Die 14 Entwürfe der engeren Wahl sind bis 31. August 2025 im Saal des Kulturforums Schleswig-Holstein-Haus (Puschkinstraße 12, 19055 Schwerin) öffentlich ausgestellt. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr.
herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Entwurf!
Auf die Umsetzung freue ich mich schon.
Viel Glück
Ziegelsichtmauerwerk ist die absolute Ausnahme im der Schweriner Innenstadt. hat mich bei der Besichtigung auch überrascht. Eventuell lohnt sich auch vopr dem Kommentieren zu wissen wovon man schreibt :-)
Seit wann ist Schwerin eine Hansestadt?
Ich wohne in der Hauptstadt der Hanse. Es wäre mir neu, dass Schwerin jemals eine Hansestadt gewesen wäre.
Ein sehr guter Kommentar zum 1. Preis.
Wahrscheinlich wollte der Auslober eine aus dem baulichen Kontext hervortretende Zeichenhaftigkeit und Adressbildung für die öffentliche Nutzung. Diesbezügliche Kritik ließt man leider immer noch allzu oft in den Juryprotollen.
Raumprogramm hin oder her:
bei Platz 1 stört mich die viel zu hohe Raumkante zum bestehenden Platz hin. Gefälliger wäre es, diese Platzfassade um eine Etage zu kürzen (und das Bogenfenster zu verkleinern). Das dahinterliegende Giebeldach kann mit der vorgeschlagenen Firsthöhe bleiben, womit perspektivisch eine "Dachlandschaft" entstünde.