Gekommen, um zu bleiben
Integrative Wohnhäuser von andOFFICE Blatter Ertel Probst
Jenseits der Bilder von jubelnd begrüßten Geflüchteten an deutschen Bahnhöfen wurde 2015 schnell deutlich, dass die gelebte Helfer- und Willkommenskultur mit politischer Überforderung kollidierte: Weder strukturell noch räumlich lagen Konzepte vor, die die geflüchteten Menschen darin unterstützten, wirklich in Deutschland anzukommen. Aus dieser Zeit der Zelte, Containerdörfer und umgenutzten Krankenhäuser stammt die Idee der so genannten Hoffnungshäuser: Damals entwickelten andOFFICE Blatter Ertel Probst ein standortunabhängiges Baukastensystem für Notunterkünfte, die das Stuttgarter Büro seitdem weiterdachte und nun in Esslingen und Bad Liebenzell fertigstellen konnten.
Zwar auch modular errichtet, setzen die Wohnhäuser, die von Geflüchteten und Einheimischen bewohnt werden sollen, den durchrationalisierten, in Containerbauweise entstandenen Unterkünften doch einiges entgegen. Die weiche Formensprache steht im Kontrast zur herkömmlichen Containerbauweise und soll bei Bewohnern wie Nachbarn positive Assoziationen wecken – denn die Hoffnungshäuser entstehen nicht in der Peripherie, sondern mitten in Stadtzentren. Und nicht zuletzt signalisiert die durchdetaillierte Gestaltung der Holzfassaden rein baulich Beständigkeit; und damit die Option, tatsächlich zu „wohnen“ – jenseits fremdbestimmter Wartesituationen und den stressigen Umgebungen der sie repräsentierenden Räume.
Dank modularer Bauweise ist auch in der Nutzung hohe Flexibilität gegeben – einerseits, da zur Entstehungszeit schwer absehbar war, ob der Wohnraum für Familien oder einzeln Geflüchtete gebraucht werden würde. Die nach Achsen organisierten Grundrisse mit nur einer tragenden Wand ermöglichen es andererseits aber auch, unkompliziert auf zukünftige Anforderungen und eventuelle Nachnutzung auf dem freien Wohnungsmarkt zu reagieren.
Die Aussicht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde ist, was die Bauherrschaft, die private Hoffnungsträger Stiftung, Asylsuchenden durch integrative Projekte zu vermitteln sucht. In ihre Hoffnungshäuser ziehen Studenten-WG’s, Familien und Einrichtungen zum Betreuten Wohnen. Bislang konnten vier solcher Willkommensarchitekturen in jeweils sechs bis acht Monaten Bauzeit fertiggestellt werden, weitere fünf befinden sich derzeit im Bau – darunter in Sinsheim auch das erste mit vier Geschossen und individuellen Einzel- statt Gemeinschaftsbalkonen –, geplant sind weitere acht. (kms)
Fotos: David Franck, Kniff Projektagentur, andOFFICE
Give them Shelter: Über die Chancen, der Krise mit Architektur entgegenzutreten in der BaunetzWOCHE#432
die möblierung der räume würde deutlich flexibler, man könnte sogar sagen, in guten grundrissen gibt es keine türen/fenster in raumecken. jetzt gibt es hier so einen schönen entwurf, und dann das. ich wohne selbst in einem haus mit solchen türen, und mich nervt deren lage immer wieder.
macht aber nichts, einfach mit kurzen schrauben (um z.b. die elt-installation nicht zu verletzen) eine lage gk draufspaxen müsste gehen. dann hätte man die optik einer "echten" wohnung.
die grundrisse sind in ihrer einfachheit sehr effektiv, kaum zirkulationsflächen, die verloren gehen, dazu durch die gleichen zimmergrössen gut bespielbar, die grosszügige wohnküche als zentrum des Wohnens scheint attraktiv. dieses konzept ist auf einige Wohnsituationen gut anwendbar, auch für Studenten-WG oder Senioren-WG, SOS-Kinderdorf familie, was auch immer, gut so! im Innenraum, speziell im treppenhaus, sind die Materialien noch sehr rau und sicherlich konsequent in ihrer unbehandelten zurschaustellung. Vielleicht kann man aber mit etwas farbe das etwas freundlicher machen, ja nach bewohnerstruktur. Ansonsten gerade durch die grosszügigen Balkone gewinnt das Projekt ungemein. Bitte Kosten pro qm/BGF.....