Bundesstiftung Baukultur wird 20
Im Gespräch mit Reiner Nagel
Bundesstiftung Baukultur wird 20
Im Gespräch mit Reiner Nagel
In diesem Jahr wird die Bundesstiftung Baukultur 20 Jahre alt. Reiner Nagel blickt auf die vergangenen 13 Jahre seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender.
Interview: Friederike Meyer
Was hat sich stärker verändert – die Baukultur oder das Reden über Baukultur?
Reiner Nagel: Das Reden über die Baukultur ist flüssiger geworden, lässiger, gesellschaftsfähiger. Wir sind von dieser monothematischen Vermutung, dass wir nur für Ästhetik und Denkmalschutz verantwortlich sind, zu einem ganzheitlichen Ansatz gekommen. Inzwischen ist Baukultur ja sogar ein internationaler Begriff. Die Baukultur selbst ist auch ein Stück weit unprätentiöser und handwerklicher geworden. Aber es gibt noch viel Entwicklungspotenzial.
Eines deiner Ziele war es zu Beginn, die Bundesstiftung stärker interdisziplinär aufzustellen. Wie ist das gelungen?
Das Stiftungsgesetz sagt, wir sollen die Qualität des Planens und Bauens in Deutschland voranbringen, alle Akteure zusammenführen und als zentrale Kommunikationsplattform wirken. Eine Bundesstiftung mit anfangs fünf Planstellen kann aber nicht agieren wie große Architektur- oder Ingenieurverbände. Unser Mehrwert liegt darin, dass wir die einzelnen Fachbereiche miteinander vernetzen. Die Position in der Mitte aller am Bauen Beteiligten ist der Schlüssel, um Baukultur voranzubringen. Als ich 2013 zur Stiftung kam, waren Ingenieure und Bauherrschaft im Stiftungsnetzwerk zum Beispiel völlig unterrepräsentiert. Wir haben dann aus dem grau-schwarzen Auftritt der Stiftung einen farbigen gemacht und dokumentiert, wer alles am Planen und Bauen beteiligt ist: Fachingenieure, Immobilienwirtschaft, Wohnungswesen, Bauwirtschaft, Handwerk, alle wirken ja maßgeblich an Baukultur mit.
Was hat sich stärker verändert – die Baukultur oder das Reden über Baukultur?
Reiner Nagel: Das Reden über die Baukultur ist flüssiger geworden, lässiger, gesellschaftsfähiger. Wir sind von dieser monothematischen Vermutung, dass wir nur für Ästhetik und Denkmalschutz verantwortlich sind, zu einem ganzheitlichen Ansatz gekommen. Inzwischen ist Baukultur ja sogar ein internationaler Begriff. Die Baukultur selbst ist auch ein Stück weit unprätentiöser und handwerklicher geworden. Aber es gibt noch viel Entwicklungspotenzial.
Eines deiner Ziele war es zu Beginn, die Bundesstiftung stärker interdisziplinär aufzustellen. Wie ist das gelungen?
Das Stiftungsgesetz sagt, wir sollen die Qualität des Planens und Bauens in Deutschland voranbringen, alle Akteure zusammenführen und als zentrale Kommunikationsplattform wirken. Eine Bundesstiftung mit anfangs fünf Planstellen kann aber nicht agieren wie große Architektur- oder Ingenieurverbände. Unser Mehrwert liegt darin, dass wir die einzelnen Fachbereiche miteinander vernetzen. Die Position in der Mitte aller am Bauen Beteiligten ist der Schlüssel, um Baukultur voranzubringen. Als ich 2013 zur Stiftung kam, waren Ingenieure und Bauherrschaft im Stiftungsnetzwerk zum Beispiel völlig unterrepräsentiert. Wir haben dann aus dem grau-schwarzen Auftritt der Stiftung einen farbigen gemacht und dokumentiert, wer alles am Planen und Bauen beteiligt ist: Fachingenieure, Immobilienwirtschaft, Wohnungswesen, Bauwirtschaft, Handwerk, alle wirken ja maßgeblich an Baukultur mit.
Uns ist bewusst, dass wir nicht nur das Fachnetzwerk ansprechen, sondern auch die 83,5 Millionen Bundesbürger und -bürgerinnen, die in der gebauten Umwelt leben.
Wie erreicht die Stiftung die verschiedenen Akteure in diesem Netzwerk?
Wir sind sehr geländegängig, beispielsweise auf Immobilienmessen wie der Expo Real unterwegs. Bei der Mipim in Cannes repräsentieren wir Baukultur für die Bundesrepublik Deutschland am German Pavilion. Das Format der Polis Convention an der Schnittstelle zwischen Stadtentwicklung und Immobilienwirtschaft haben wir von Anfang an begleitet. Bei der BUGA und anderen landschaftsarchitektonischen Formaten sind wir Kooperationspartner. Dabei hilft eine positive, wertschätzende Haltung und, dass man nicht zu kompliziert redet.
Was ist mit den Menschen im Land, die nicht täglich mit Planen und Bauen zu tun haben, Baukultur ja aber entscheidend mittragen?
Uns ist bewusst, dass wir nicht nur das Fachnetzwerk ansprechen, sondern auch die 83,5 Millionen Bundesbürger und -bürgerinnen, die in der gebauten Umwelt leben. Sie kennen ihre Anliegen genau und wissen, was sie gut und weniger gut finden. Sie sind hochmotiviert und interessiert. Die größte Resonanz auf unsere Vorträge erhalten wir von der allgemeinen Bevölkerung vor Ort.
Die Bundesstiftung Baukultur hat aktuell sieben Planstellen. Wie arbeitet sie in so einem kleinen Team?
Zu den sieben Planstellen kommen noch ein paar Projektstellen hinzu, aber es ist trotzdem ein kleines Team. Leider konnten wir nicht mit unseren Aufgaben wachsen. Deshalb arbeiten wir viel. Wenn man klein ist, ist man unkompliziert. Wir können natürlich keine Projekte bearbeiten, die einen großen Vorlauf haben. Das Projekt „Gestaltqualität beim seriellen Bauen“ zusammen mit dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und der Bundesarchitektenkammer (BAK) konnten wir aus Ressourcengründen nicht fertigstellen, auch nicht die Begleitung der Phase Null bei Bauten des Bundes. Bürgerbeteiligungen haben wir nie in Angriff nehmen können, weil wir es einfach nicht schaffen. Aber wir beklagen uns nicht, sondern sehen in unserer überschaubaren Größe auch eine Möglichkeit, schnell zu sein und unabhängig zu bleiben. Und dann gibt es ja den Förderverein, der inzwischen über 1.850 Mitglieder hat. Ein Viertel sind Architekten, der Rest Ingenieure, Stadtplanerinnen, Privatleute, Unternehmen, Städte und Gemeinden, Verbände. Wirklich das gesamte Spektrum.
Wir sind sehr geländegängig, beispielsweise auf Immobilienmessen wie der Expo Real unterwegs. Bei der Mipim in Cannes repräsentieren wir Baukultur für die Bundesrepublik Deutschland am German Pavilion. Das Format der Polis Convention an der Schnittstelle zwischen Stadtentwicklung und Immobilienwirtschaft haben wir von Anfang an begleitet. Bei der BUGA und anderen landschaftsarchitektonischen Formaten sind wir Kooperationspartner. Dabei hilft eine positive, wertschätzende Haltung und, dass man nicht zu kompliziert redet.
Was ist mit den Menschen im Land, die nicht täglich mit Planen und Bauen zu tun haben, Baukultur ja aber entscheidend mittragen?
Uns ist bewusst, dass wir nicht nur das Fachnetzwerk ansprechen, sondern auch die 83,5 Millionen Bundesbürger und -bürgerinnen, die in der gebauten Umwelt leben. Sie kennen ihre Anliegen genau und wissen, was sie gut und weniger gut finden. Sie sind hochmotiviert und interessiert. Die größte Resonanz auf unsere Vorträge erhalten wir von der allgemeinen Bevölkerung vor Ort.
Die Bundesstiftung Baukultur hat aktuell sieben Planstellen. Wie arbeitet sie in so einem kleinen Team?
Zu den sieben Planstellen kommen noch ein paar Projektstellen hinzu, aber es ist trotzdem ein kleines Team. Leider konnten wir nicht mit unseren Aufgaben wachsen. Deshalb arbeiten wir viel. Wenn man klein ist, ist man unkompliziert. Wir können natürlich keine Projekte bearbeiten, die einen großen Vorlauf haben. Das Projekt „Gestaltqualität beim seriellen Bauen“ zusammen mit dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und der Bundesarchitektenkammer (BAK) konnten wir aus Ressourcengründen nicht fertigstellen, auch nicht die Begleitung der Phase Null bei Bauten des Bundes. Bürgerbeteiligungen haben wir nie in Angriff nehmen können, weil wir es einfach nicht schaffen. Aber wir beklagen uns nicht, sondern sehen in unserer überschaubaren Größe auch eine Möglichkeit, schnell zu sein und unabhängig zu bleiben. Und dann gibt es ja den Förderverein, der inzwischen über 1.850 Mitglieder hat. Ein Viertel sind Architekten, der Rest Ingenieure, Stadtplanerinnen, Privatleute, Unternehmen, Städte und Gemeinden, Verbände. Wirklich das gesamte Spektrum.
Baukultur ist kein Zusatz, den man sich leistet, wenn noch Geld übrig ist. Sie ist gesellschaftlich notwendig – und sie kann am Ende sogar günstiger sein.
Die inzwischen sieben Baukulturberichte, die die Stiftung alle zwei Jahre zu verschiedenen Themen des Planens und Bauens herausgibt, dienen als Handlungsempfehlung für die Politik. Welches Thema ist bisher am erfolgreichsten aufgenommen worden?
Die Baukulturberichte funktionieren als unser Instrument durch das gute Argument. Der erste Bericht „Gebaute Lebensräume – Fokus Stadt“ 2014/15 war wichtig, um das Instrument zu entwickeln. Wir haben Umfragen durchgeführt, Infografiken erarbeitet und gute Beispiele aufbereitet. Ab dem zweiten Bericht „Stadt und Land“ 2016/17 wurde es thematisch fokussierter. Wir konnten überzeugen, dass Polyzentralität in Deutschland wichtig ist. Und das zu einer Zeit, in der alle über Städte redeten. Zum Europäischen Jahr des Kulturerbes 2018/19 haben wir mit „Erbe – Bestand –Zukunft“ den Blick auf Baukultur gesellschaftsfähig gemacht. „Öffentliche Räume“ kam mitten in der Pandemie und zeigte, wie wichtig diese sind. Der Baukulturbericht „Neue Umbaukultur“ war vielleicht der erfolgreichste, weil er sozusagen mit der BDA-Initiative „Das Haus der Erde“ und der Gründung des Think Tanks Bauhaus der Erde in der Fachöffentlichkeit ein großes Echo gefunden hat. Unser aktueller Bericht zum Thema „Gestalten – Prozesse, Bauen, Zusammenhalt“ ist wahrscheinlich der bisher ambitionierteste.
Inwiefern?
Der Begriff Baukultur hat es nicht ganz leicht. Manche halten ihn für elitär, für überholt oder politisch belastet, andere vereinnahmen ihn eher traditionalistisch. Genau aus dieser Ecke wollen wir ihn herausholen. Mich ärgert der Vorwurf, Baukultur sei etwas für die Elite, exklusiv und mache alles nur teurer. Das hören wir leider immer noch, teilweise auch von der Politik. Doch so verstehen wir Baukultur nicht. Baukultur ist kein Zusatz, den man sich leistet, wenn noch Geld übrig ist. Sie ist gesellschaftlich notwendig – und sie kann am Ende sogar günstiger sein. Das sieht man, wenn man nicht nur auf die Baukosten schaut, sondern auf Lebenszykluskosten, Ökobilanz und langfristige Wirkung. Genau da versuchen wir anzusetzen: Weg von der reinen Debatte über die Kostengruppen 200 bis 700, hin zu der Frage, was ein Gebäude oder ein Ort über seine gesamte Lebensdauer kostet – und was er gesellschaftlich leistet. Deshalb haben wir im Baukulturbericht eine Grafik entwickelt. Sie drückt aus, welche Wirkmechanismen Baukultur entfalten kann und wie sich diese zu den einzelnen Kosten für ein Bauprojekt verhalten. Uns war wichtig zu zeigen, dass gute Baukultur nicht das Gegenteil von Kostenbewusstsein ist. Sie ist ein anderer, umfassenderer Blick auf Kosten.
Wenn man die Baugesetz-Novelle anschaut, entsteht der Eindruck, der Bauturbo führt uns wieder weg von der Umbaudebatte. Es wird einfacher, denkmalpflegerische Belange und Umweltschutz zu umgehen. Bewirken die Baukulturberichte überhaupt etwas in der Politik, oder werden sie lediglich freundlich aufgenommen?
Die Baukulturberichte werden interessiert aufgenommen und sie finden in Debatten und formal immer wieder Zustimmung. Nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im Bundestag, in den Ländern und Kommunen. Insofern sind die Baukulturberichte bei der praktischen Umsetzung von Planungs- und Bauordnungsrecht durchaus wirksam. Die BGB-Novelle will den Weg freimachen fürs erleichterte Bauen. Da sind wir dabei. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn Dinge schneller und deregulierter werden. Aber das darf nicht zulasten von Qualität geschehen. Unsere Baukulturberichte sind da ergänzende Papiere – wir brauchen jetzt erst recht einen schnellen, qualifizierten Vorlauf. Es braucht eine Werkstatt vorweg, eine Konsensbildung über planerische Ziele oder zum Beispiel die Beteiligung eines Gestaltungsbeirats. Das machen wir alles in der Phase Null. Wenn es dann ein akzeptables Ziel gibt, hat keiner was dagegen, dass es schneller umgesetzt wird.
Die Bundesstiftung Baukultur versteht sich als Kommunikationsstiftung. Welche weiteren Formate hat sie für die Baukulturvermittlung entwickelt?
Neben dem Baukulturbericht gehören dazu Veranstaltungen wie Baukulturwerkstätten und Baukulturdialoge, das Baukulturmobil, Vorträge, Schulmaterialien und Gesprächsformate wie der Bürgersteigsalon. Das Baukulturmobil entstand während der Corona-Zeit, als klassische Veranstaltungen nicht möglich waren und wir nach Wegen suchten, trotzdem vor Ort mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Aus einem gemieteten Lieferwagen wurde ein mobiles Kommunikationsformat für Pop-up-Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Die Sommerreise mit dem Baukulturmobil funktioniert seitdem wie ein Roadmovie: Sie führt an unterschiedliche Orte, reagiert auf konkrete Situationen und macht Themen sichtbar, die vor Ort erklärt und diskutiert werden müssen. Alle unsere Formate sind nie frontal, es geht um Gespräche, Werkstatttische und gemeinsame Auseinandersetzung. Die Wirkung der Stiftung wird inzwischen übrigens systematisch untersucht: Der Beirat fragt nach Input, Output, Outcome und Impact. Im Ergebnis zeigt die Arbeit der Stiftung nachweisbare Wirkung und steht in einem positiven Verhältnis von Aufwand und Nutzen.
Die Baukulturberichte funktionieren als unser Instrument durch das gute Argument. Der erste Bericht „Gebaute Lebensräume – Fokus Stadt“ 2014/15 war wichtig, um das Instrument zu entwickeln. Wir haben Umfragen durchgeführt, Infografiken erarbeitet und gute Beispiele aufbereitet. Ab dem zweiten Bericht „Stadt und Land“ 2016/17 wurde es thematisch fokussierter. Wir konnten überzeugen, dass Polyzentralität in Deutschland wichtig ist. Und das zu einer Zeit, in der alle über Städte redeten. Zum Europäischen Jahr des Kulturerbes 2018/19 haben wir mit „Erbe – Bestand –Zukunft“ den Blick auf Baukultur gesellschaftsfähig gemacht. „Öffentliche Räume“ kam mitten in der Pandemie und zeigte, wie wichtig diese sind. Der Baukulturbericht „Neue Umbaukultur“ war vielleicht der erfolgreichste, weil er sozusagen mit der BDA-Initiative „Das Haus der Erde“ und der Gründung des Think Tanks Bauhaus der Erde in der Fachöffentlichkeit ein großes Echo gefunden hat. Unser aktueller Bericht zum Thema „Gestalten – Prozesse, Bauen, Zusammenhalt“ ist wahrscheinlich der bisher ambitionierteste.
Inwiefern?
Der Begriff Baukultur hat es nicht ganz leicht. Manche halten ihn für elitär, für überholt oder politisch belastet, andere vereinnahmen ihn eher traditionalistisch. Genau aus dieser Ecke wollen wir ihn herausholen. Mich ärgert der Vorwurf, Baukultur sei etwas für die Elite, exklusiv und mache alles nur teurer. Das hören wir leider immer noch, teilweise auch von der Politik. Doch so verstehen wir Baukultur nicht. Baukultur ist kein Zusatz, den man sich leistet, wenn noch Geld übrig ist. Sie ist gesellschaftlich notwendig – und sie kann am Ende sogar günstiger sein. Das sieht man, wenn man nicht nur auf die Baukosten schaut, sondern auf Lebenszykluskosten, Ökobilanz und langfristige Wirkung. Genau da versuchen wir anzusetzen: Weg von der reinen Debatte über die Kostengruppen 200 bis 700, hin zu der Frage, was ein Gebäude oder ein Ort über seine gesamte Lebensdauer kostet – und was er gesellschaftlich leistet. Deshalb haben wir im Baukulturbericht eine Grafik entwickelt. Sie drückt aus, welche Wirkmechanismen Baukultur entfalten kann und wie sich diese zu den einzelnen Kosten für ein Bauprojekt verhalten. Uns war wichtig zu zeigen, dass gute Baukultur nicht das Gegenteil von Kostenbewusstsein ist. Sie ist ein anderer, umfassenderer Blick auf Kosten.
Wenn man die Baugesetz-Novelle anschaut, entsteht der Eindruck, der Bauturbo führt uns wieder weg von der Umbaudebatte. Es wird einfacher, denkmalpflegerische Belange und Umweltschutz zu umgehen. Bewirken die Baukulturberichte überhaupt etwas in der Politik, oder werden sie lediglich freundlich aufgenommen?
Die Baukulturberichte werden interessiert aufgenommen und sie finden in Debatten und formal immer wieder Zustimmung. Nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im Bundestag, in den Ländern und Kommunen. Insofern sind die Baukulturberichte bei der praktischen Umsetzung von Planungs- und Bauordnungsrecht durchaus wirksam. Die BGB-Novelle will den Weg freimachen fürs erleichterte Bauen. Da sind wir dabei. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn Dinge schneller und deregulierter werden. Aber das darf nicht zulasten von Qualität geschehen. Unsere Baukulturberichte sind da ergänzende Papiere – wir brauchen jetzt erst recht einen schnellen, qualifizierten Vorlauf. Es braucht eine Werkstatt vorweg, eine Konsensbildung über planerische Ziele oder zum Beispiel die Beteiligung eines Gestaltungsbeirats. Das machen wir alles in der Phase Null. Wenn es dann ein akzeptables Ziel gibt, hat keiner was dagegen, dass es schneller umgesetzt wird.
Die Bundesstiftung Baukultur versteht sich als Kommunikationsstiftung. Welche weiteren Formate hat sie für die Baukulturvermittlung entwickelt?
Neben dem Baukulturbericht gehören dazu Veranstaltungen wie Baukulturwerkstätten und Baukulturdialoge, das Baukulturmobil, Vorträge, Schulmaterialien und Gesprächsformate wie der Bürgersteigsalon. Das Baukulturmobil entstand während der Corona-Zeit, als klassische Veranstaltungen nicht möglich waren und wir nach Wegen suchten, trotzdem vor Ort mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Aus einem gemieteten Lieferwagen wurde ein mobiles Kommunikationsformat für Pop-up-Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Die Sommerreise mit dem Baukulturmobil funktioniert seitdem wie ein Roadmovie: Sie führt an unterschiedliche Orte, reagiert auf konkrete Situationen und macht Themen sichtbar, die vor Ort erklärt und diskutiert werden müssen. Alle unsere Formate sind nie frontal, es geht um Gespräche, Werkstatttische und gemeinsame Auseinandersetzung. Die Wirkung der Stiftung wird inzwischen übrigens systematisch untersucht: Der Beirat fragt nach Input, Output, Outcome und Impact. Im Ergebnis zeigt die Arbeit der Stiftung nachweisbare Wirkung und steht in einem positiven Verhältnis von Aufwand und Nutzen.
Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft wieder handlungsfähig und selbstwirksamer werden, mit Baukultur als Prinzip, und indem Bauen als physische Herausforderung Spaß macht.
Welche Debatte hat dich in den vergangenen Jahren am meisten überrascht?
Die anhaltende Debatte über neue Großsiedlungen in Deutschland. Angesichts der Wohnungsbedarfe in den Städten sagen manche, wir brauchen neue Großsiedlungen auf der grünen Wiese. Ich verstehe ja das Motiv dahinter, aber das ist kontraproduktiv zu den Flächenverbrauchs- und Klimazielen. Und es dauert auch mit Beschleunigung mindestens zehn Jahre. Wohnungsbau ist ein Tanker, der kommt schwer in Gang, und der bremst auch langsam. Noch vor 20 Jahren haben wir Wohnungen abgerissen, weil es zu viele gab. Wir müssen also aufpassen, dass wir an den richtigen Stellen bauen und, dass wir nicht zu viel bauen. Da sind kleinteiligere Formate und Strukturen einfach besser steuerbar.
Warum schauen die Baukulturberichte nicht über den deutschen Tellerrand hinaus?
Vergleich lohnt sich immer. Zum Beispiel beim Thema Infrastruktur fallen mir sofort skandinavische Beispiele ein, es gibt tolle Schulen in der Schweiz und so weiter. Aber wir wollen das qualitätsvolle Planen und Bauen unter den gegebenen Bedingungen in Deutschland thematisieren und wir arbeiten aus didaktischen Gründen ausschließlich mit guten Beispielen und hoffen, dass sie zünden. Umgekehrt neigt selbst die Fachwelt manchmal dazu, ausländische Beispiele auf Kongressen hochzujubeln. Man muss genau hinschauen. Kopenhagen hat einen Modal Split, der nicht anders ist als in Karlsruhe. Im Gegenteil, in Karlsruhe wird mehr Fahrrad gefahren als in Kopenhagen.
Was wünschst du dir für die nächsten zehn Jahre?
Ich wünsche mir, dass die Kompetenz zu Themen der Baukultur generell größer wird und dass das Handwerk wieder an Bedeutung gewinnt. Das menschliche Wesen funktioniert über das Großhirn und die Hand – das wurde vor 200.000 Jahren programmiert. Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft wieder handlungsfähig und selbstwirksamer werden, mit Baukultur als Prinzip, und wo Bauen als physische Herausforderung Spaß macht. Das ist realistisch, da bin ich ziemlich sicher.
Die anhaltende Debatte über neue Großsiedlungen in Deutschland. Angesichts der Wohnungsbedarfe in den Städten sagen manche, wir brauchen neue Großsiedlungen auf der grünen Wiese. Ich verstehe ja das Motiv dahinter, aber das ist kontraproduktiv zu den Flächenverbrauchs- und Klimazielen. Und es dauert auch mit Beschleunigung mindestens zehn Jahre. Wohnungsbau ist ein Tanker, der kommt schwer in Gang, und der bremst auch langsam. Noch vor 20 Jahren haben wir Wohnungen abgerissen, weil es zu viele gab. Wir müssen also aufpassen, dass wir an den richtigen Stellen bauen und, dass wir nicht zu viel bauen. Da sind kleinteiligere Formate und Strukturen einfach besser steuerbar.
Warum schauen die Baukulturberichte nicht über den deutschen Tellerrand hinaus?
Vergleich lohnt sich immer. Zum Beispiel beim Thema Infrastruktur fallen mir sofort skandinavische Beispiele ein, es gibt tolle Schulen in der Schweiz und so weiter. Aber wir wollen das qualitätsvolle Planen und Bauen unter den gegebenen Bedingungen in Deutschland thematisieren und wir arbeiten aus didaktischen Gründen ausschließlich mit guten Beispielen und hoffen, dass sie zünden. Umgekehrt neigt selbst die Fachwelt manchmal dazu, ausländische Beispiele auf Kongressen hochzujubeln. Man muss genau hinschauen. Kopenhagen hat einen Modal Split, der nicht anders ist als in Karlsruhe. Im Gegenteil, in Karlsruhe wird mehr Fahrrad gefahren als in Kopenhagen.
Was wünschst du dir für die nächsten zehn Jahre?
Ich wünsche mir, dass die Kompetenz zu Themen der Baukultur generell größer wird und dass das Handwerk wieder an Bedeutung gewinnt. Das menschliche Wesen funktioniert über das Großhirn und die Hand – das wurde vor 200.000 Jahren programmiert. Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft wieder handlungsfähig und selbstwirksamer werden, mit Baukultur als Prinzip, und wo Bauen als physische Herausforderung Spaß macht. Das ist realistisch, da bin ich ziemlich sicher.
Zum Thema
Am 10. und 11. Juni 2026 findet der Konvent der Baukultur 2026 in Potsdam statt. Dabei wird auch der aktuelle Baukultur-Bericht vorgestellt. BauNetz ist Medienpartner.
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