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22.01.2026
Fünf-Sterne-Brutalismus
Hotelsanierung in Prag von TaK Architects
Das erste internationale Fünfsternehotel der ehemaligen Tschechoslowakei – ein imposanter brutalistischer Komplex in der Prager Altstadt – empfängt seit vergangenem Jahr wieder Gäste. TaK Architects haben das Gesamtkunstwerk, wie es das lokal ansässige Büro, diverse Medien und manche Publikation bezeichnen, über fünf Jahre saniert. Ursprünglich entworfen hatte den von 1968–74 errichteten Bau ein Team um Karel Filsak, bekannt etwa für seine Botschaftsbauten für den damaligen Ostblock-Staat.
In gewisser Weise war auch das Intercontinental Praha, so der damalige Name des Luxushotels, eine Botschaft. Initiiert hatte es die US-amerikanische Fluggesellschaft Pan Am in der Zeit des Prager Frühlings 1968 – ein wenig American Way of Life im sozialistischen Osten. Und auch wenn die Reformbemühungen um Liberalisierung 1974 längst wieder eingedämmt waren und ein staatliches Unternehmen zum Hotelbetreiber gemacht wurde, kamen die internationalen Gäste reihenweise: Margaret Thatcher, Kofi Annan, Meryl Streep, Phil Collins, Michail Gorbatschow, um nur einige zu nennen.
Irgendwann ebenfalls hier zu Gast waren Pavel Baudiš, Eduard Kučera und Oldřich Šlemr. Heute allesamt Milliardäre sind sie dem Intercontinental persönlich verbunden, einer feierte hier etwa sein Examen, ein anderer seine Hochzeit. Das brachte sie dazu, in den zwischenzeitlich vernachlässigten und nicht denkmalgeschützten Neungeschosser zu investieren, laut SZ circa eine halbe Milliarde Euro. Aus dem 2019 ausgelobten Wettbewerb gingen TaK als Sieger hervor. Parallel formten die drei Investoren eine Partnerschaft mit der Luxuskette Fairmont Hotels & Resorts, die dem heutigen Fairmont Golden Prague seinen Namen verlieh.
Bürogründer Marek Tichý und sein Team sollten nicht nur den Brutalismus aufpolieren, sondern dem Hotel wieder zu seinem Status als erstklassiges Etablissement verhelfen – natürlich nach zeitgenössischen Maßstäben. Baulich bedeutete das beispielsweise, einen neuen Außenpool sowie einen zusätzlichen Restaurantflügel und Konferenzbereiche anzufügen. Außerdem sollte sich der Komplex stärker zum Stadtraum öffnen, weshalb TaK die Freibereiche in Richtung der Dvořák-Uferstraße neu ordneten.
Ein gewölbter Glaspavillon, in dem sich das alte Schwimmbad befand, musste dafür weichen. Ebenso ein paar Bäume von durchaus bemerkenswerter Größe, die aus dem unterhalb des Straßenniveaus gelegenen Hotelgarten aufragten. Beides hatte allerdings mit sich gebracht, dass das Gebäude selbst ein wenig verstellt und unzugänglich wirkte. Heute führt eine breite Freitreppe einen begrünten Hang hinunter, ein mit Kunst ausgeschmückter Tunnel direkt zur Moldau. An der Straßenkreuzung steht ein neuer Ausstellungspavillon für zeitgenössische Kunst. Der quaderförmige Baukörper ist so transparent, dass nicht nur die präsentierten Werke bereits von außen zu sehen sind. Vielmehr sorgt man sich, das Glas könne allein im Angesicht der Masse seiner beiden Nachbarn bersten. Denn auch das Hotel President gleich nebenan ist ein brutalistischer Bau von Filsak.
Etwas befremdlich ist es schon, wenn man heute am Fairmont Golden Prague vorbeischlendert und auf die in Bademäntel gekleideten Gäste im Garten hinunterblickt. Womöglich liegt das auch an der allzu Spa-artigen Außenraumgestaltung oder der gefälligen Holzfassade des neuen Restaurants. Umso erfreulicher, dass die Architekt*innen bei der vom Generalunternehmer Metrostav umgesetzten Sanierung brutalistisch-hart geblieben sind.
So erneuerten sie beinahe alle der charakteristischen Keramikstreifen, die Bildhauer Zbyněk Sekal für die Fassade entwickelte. Zum angekündigten Gesamtkunstwerk wird das Gebäude aber vor allem durch sein Inneres, das Filsak zu Bauzeiten durch zahllose Künstler*innen ausgestalten ließ. Viele der Werke wurden nun restauriert. Ein Highlight ist sicher die von Filsaks Partner Jan Šrámek entworfene Kassettendecke im Konferenzsaal, die René Roubíčeks mit eindrucksvollen Kronleuchtern ausstattete. TaK taten es Filsak gleich und holten mehr als 20 zeitgenössische Kunststudios ins Boot. Speziell das Erdgeschoss wollen die Architekt*innen als kuratierten Kunstraum sowohl für Gäste als auch die Öffentlichkeit verstanden wissen.
Zu einem zeitgenössischen Hotel mit 297 Zimmern und Suiten sowie 23 Serviced Residences auf knapp 38.200 Quadratmetern Bruttogrundfläche gehört auch: Nachhaltigkeit zu vermitteln. In diesem Sinne gibt es ein geothermisches Heiz- und Kühlsystem, das Energie aus dem Fluss bezieht. Abwärme aus Küchen, Wäscherei oder Spa werden wiederverwendet, ebenso Grau- und Regenwasser. (mh)
Fotos: BoysPlayNice
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