Fichtenzapfen in der Stilli
Hotel in Davos mit parametrischer Fassade
Das neugriechische Wort „oikios“ bezeichnet den „guten Freund des Hauses“. Oikios ist auch der Name des Architekturbüros von Oliver Hofmeister in München. Er entwarf die ovale Form und die fließende Metallfassade des Hotels InterContinental in Davos.
Das Flurstück am Ortsrand heißt „In der Stilli“ und verweist auf den abgeschiedenen Charakter des Bauplatzes. Das Gebäude soll hier „Schutz und Rückzug“ bieten. Eine weitere Inspirationsquelle für die markante Architekturform war „ein Fichtenzapfen mit seinen glatten Samenschuppen aus dem angrenzenden Wald“ – wir haben hier also einen klassischen Fall von architecture parlante, oder, wie Venturi sagen würde, eine Ente.
Möglich wurde diese – zuvor von Experten als „nicht baubar“ eingeschätzte Fassade durch die Beteiligung von Fachleuten: Dazu gehörten designtoproduction (Stuttgart) für die digitale Modellierung der Hüllflächen und die Parametrisierung der Fassadengeometrie, das Statikbüro Wilhelm + Partner (Stuttgart) sowie die Fassadenbaufirma Seele (Pilsen). Auf letztgenannte geht der Vorschlag zurück, die Fassadenelemente nicht in Aluminium, sondern in Stahl auszuführen.
Dieses Team entwickelte eine quadratisch aufgebaute Konstruktion aus lasergebrannten Primär- und Sekundärrippen. Dieser Trägerrost bildet die geforderten räumlichen Krümmungen aus. Er wurde allseitig mit nur drei Millimeter starken Dünnblechen aus Stahl elastisch bespannt, die mit ihrer champagnerfarbenen metallischen Beschichtung die sichtbare Oberfläche der Fassade bilden.
Die Herausforderung in der Herstellung und Montage der Elemente bestand in der logistischen Beherrschung von 791 Brüstungselementen, die aus über 62.000 Einzelteilen bestanden – eine Größenordnung, die sich nur durch ein automatisiertes Konstruieren und Anfertigen bewältigen ließ. Jedes Fassadenelement erhielt ein individuell gefertigtes Transportgestell, mit dem es per Lkw vom Produktionsstandort im tschechischen Pilsen nach Davos gelangte.
Die Fassade wurde im Oktober 2013 abgenommen. Dem Architekten ist zu seinem fertigen Gebäude diese lyrische Bemerkung eingefallen: „Im Wandel der Jahreszeiten fasziniert die lebendige Struktur am Fuße des Berges.“ (-tze)
Fotos: Seele
Aber so eine große Baumasse als "Blob" zu realisieren und es noch als "von einem Fichtenzapfen inspiriert" zu verkaufen ist schon mutig.
Was kommt dann als Erweiterung? - ein Eichhörnchen?
kann ja jedem mal passieren. und die kleinen Dinger lösen die ernsthaftigkeit, mit der die Fassade daher kommt, mit einem augenzwinkern auch ein bischen auf.
auf jeden fall zu groß das Ding. das arme Seehorn, ist ja kaum mehr zu sehen.
p.s.:den ausblick aus der veranda (mit oder ohne absturzsicherung) möchte man doch nicht einmal uli h in den nächsten monaten zumuten!
Nicht gut gefällt mir das "Verschweigen" in den Bildern (3 und 8), das die Tücken des parametrischen Entwerfens kaschiert: Hier werden (wohl bewusst) die dreickigen Absturzsicherungen, die bspw. in Foto 6 sehr gut zu erkennen sind, nicht abgebildet. Ich kann verstehen, warum...
kilian