Schön, aber immer noch temporär
Holzbau für Geflüchtete in Mannheim
Warum für den Bau eines Gebäudes Großmaschinen und High-Tech einsetzen, wenn es genügend unbezahlte Arbeitskräfte gibt? Das klingt nach zynischem Rationalismus, doch hinter diesem ökonomischen Gedanken steckt ein ethischer Ansatz: Menschen aus dem zähen Zustand des Wartens und der Untätigkeit holen. Für die Landeserstaufnahmestelle auf der Konversionsfläche der Kaserne Spinelli in Mannheim haben Studierende und Lehrende des Fachbereichs Architektur an der TU-Kaiserslautern gemeinsam mit den künftigen Nutzern ein Aufenthaltsgebäude entworfen und gebaut.
Entstanden ist ein vier Meter hoher und zwanzig Meter langer Pavillon aus Holz, der zwei Höfe formuliert. Einen kleineren geschlossenen mit überdachten Sitznischen und einen offenen für Veranstaltungen. Ein zum Hof orientierter Gemeinschaftsraum kann zur Bühne werden, die beiden Lagerräume können zugleich Werkstatt und Kiosk sein. Der äußere Gang öffnet sich an einer Seite zur wichtigsten Wegeverbindung im Quartier.
25 Geflüchtete, 18 Studierende sowie ihre Professoren Stefan Krötsch (FB Tektonik im Holzbau), Jürgen Graf (FB Tragwerk und Material) und Andreas Kretzer (FB Digitale Werkzeuge) entwickelten eine Bauart, deren Errichtung fast ohne Maschinen auskommt. Die geschlossenen Wände bestehen aus Holz-Rahmenbauelementen und sind entweder mit Fichte-Dreischichtplatten beplankt oder mit einer hinterlüfteten Schalung aus witterungsbeständigem Douglasienholz bekleidet. Der Bau gründet auf wenigen Einzelfundamenten, die vergleichsweise leichten Wände sind tragend. Das sparte nicht nur entscheidend Kosten, sondern reduzierte auch die Menge an Beton. Gestalterisch markant sind die Wände aus fünf Lagen vertikal und diagonal angeordneter Latten. Das filigrane Geflecht soll an orientalische Ornamente erinnern und auf die Herkunft vieler Geflüchteter verweisen.
Es ist ein löbliches Projekt, das die Studierenden mit der Praxis konfrontierte, die Geflüchteten als Partner ernst nahm und das dank des Engagements einiger Dezernate in Mannheim in kurzer Zeit die üblichen bürokratische Hürden überwand.
Dennoch macht das Gemeinschaftshaus auf dem Spinelli-Areal einen Missstand deutlich: Die Unterbringung geflüchteter Menschen in Deutschland besteht noch immer vor allem auf kurzfristigen Lösungen – politisch, sozial und architektonisch. (sj)
Fotos: Yannick Wegner
Zu 4 und 5 möchte fragen, welche Ansätze denn nach ihrer Ansicht bessere Teilhabe Austausch und gemeinsames Schaffen auf Augenhöhe ermöglichen kann. Dass ein einzelnes Projekt nicht den Anspruch erhebt und die komplette Antwort geben kann, wie wir hier und anderswo gut zusammenleben anstatt aneinander vorbei, dürfte klar sein. Dennoch sieht es für mich bei diesem Projekt stark danach aus, dass speziell während des Bauprozesses in höchstem Mass gelungen ist, Menschen von hier und anderswo zu verbinden und zu beflügeln im gemeinsamen Schaffen.
Fakt ist aber, dass besonders in den Erstaufnahmestellen Mangel an Rückzugsräumen herrscht und, dass genau aus diesem Mangel häufig Probleme entstehen. Da kann ein solches Projekt durchaus Abhilfe schaffen. Und No-Go-Areas sind in letzten Jahren vor allem f ü r Flüchtlinge entstanden und nicht d u r c h Flüchtlinge. Das nur mal so am Rande.
seinen karren hinter ein pferd zu spannen, nur um ... bleibt ehrlich.
Super, dass es doch so einfach geht. Und ich dachte schon, "die multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert" (A. Merkel).