Dreidimensionales Netzwerk
Hörsaalgebäude von Heide Architekten in Darmstadt
Was kann es für einen Architekten Schöneres geben, als ein neues Hörsaalgebäude für die Uni zu bauen, an der man selber studiert hat? Auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt wurde soeben das neue Hörsaal- und Medienzentrum von Ferdinand Heide eröffnet; der Frankfurter Architekt und Darmstädter TU-Alumnus war hier einst Student. Sein Entwurf war 2009 aus einem EU-weiten, zweiphasigen Wettbewerb als Sieger hervor gegangen.
Der Neubau markiert die neue Mitte des Campus Lichtwiese, einem größtenteils mit Uni-Gebäuden der 70er Jahre bestückten Areal im Südosten der Stadt. Der freistehende Baukörper übernimmt hier die Funktion eines zentralen Gelenkes auf einem neuen, zentralen Campus-Platz, der die bestehenden Institutsbauten miteinander verbindet.
Die Architekten: „Der Platz ist als eine Fläche konzipiert, die in Form eines offenen Foyers durch das neue Hörsaal- und Medienzentrum hindurchfließt. Der Neubau wird als städtische Konsolidierung der Lichtwiese verstanden, bei der die Aktivitäten des umgebenden Universitätsgeländes auf dem Platz und im Gebäude zu einem Erlebnisraum verdichtet werden.“
Das Gebäude soll wie ein dreidimensionales Netzwerk funktionieren, d as durch seine zwei Funktionen – es ist Bibliothek und Hörsaalzentrum in einem – unterstützt wird. Alle Studenten, die über den Luftraum – von den Architekten als „Canyon“ bezeichnet – in die Hörsäle und die Obergeschosse erreichen, verfügen über Blickkontakt in die Bibliothek und deren Arbeitsplätze. Durch ein System von einander unabhängigen Foyertreppen sind die Bibliothek und die Hör- und Seminarsäle räumlich eng miteinander verknüpft, können aber dennoch eigenständig und autark betrieben und erschlossen werden.
Unterstützt wird diese Wechselbeziehung durch die „Doppelnutzung“ vieler Räume: alle Seminar- und Lernräume können jeweils in kleinen Einheiten eigenständig der Bibliothek zugeordnet werden. Interne Freitreppen und hohe Lufträume vernetzen die Ebenen miteinander.
Fotos: Thomas Ott, Frank Heinen
darum lieb ich alles das was grau ist , weil mein Haus... Neben allen wahrscheinlich (und hoffentlich!) gut funktionierenden (Raum-)Organisationen, moderner Ausstattungetc. überfällt den Besucher und Nutzer vor allem im Foyer eine gekonnt durchexerzierte Orgie in allen möglichen Grautönen. Ich will keine Farbexplosinen, aber einzig die Holzhandläufe als "Farb"akzent erzeugt für mein Empfinden eine triste und wenig anregende Athmosphäre. Daran ändern die vielleicht ein wenig bunter gekleideten Sudenten auch nur wenig. Das Gebäude atmet und belebt keinen innovativen und begeisternden Forschungs"esprit", es lädt nicht ein, schon gar nicht zum Verweilen (hier: nutzen über das notwendige Maß hinaus). Es steht letztlich nur für das kühle, efizient und straff durchorganisierte Durchschleusen gehetzter Bachelor/Master-Studenten. Identität? Von aussen vielleicht die Lamellenfassade als Erkennungsmerkmal, aber sonst? Es steht praktisch im Zentrum des Lichtwwiesen_Campus, dort aber eher als autarker auf sich bezogener Fremdkörper. Die Fotos schönen da (wie üblich) ein ganzes Stück. Da will man nicht, da muss man halt rein. Und das ist schade. Ich denke, da wäre wesentlich mehr drin gewesen, gerade auch konzeptionell. Dafür gibt es genügend andere Beispiele.
Schade, daß hier eine allein rationale Kiste wie so oft in Deutschland vorn lag bei der Entscheidung, ohne Außenbezug, auch auf den Fotos kann man wenig Bezüge zum Gesamtcampus herstellen: Hoffentlich funktioniert sie dann wenigstens perfekt, das erwartet man dann doch? Diese Kiste hier ist auf den Fotos eine ordentliche Kiste, da bin ich sicher, rational, verständlich, gute Details, konsequent..... aber hinfahren werde ich vermutlich nicht, man sieht und fühlt ja schon alles auf den Fotos.