Sprechende Formen
Hochschulgebäude von J. MAYER H. in Düsseldorf
Auf Neudeutsch würde man sie als „geshaped“ bezeichnen, die kurvige Architektur von J. MAYER H.. Auch für die FOM-Hochschule in Düsseldorf, eine private Einrichtung, an der Berufstätige und Auszubildende parallel zu ihrem Beruf studieren können, hat das Büro wieder einen Baukörper mit zahlreichen geschwungenen Balkonen und raumgreifenden Auskragungen entworfen. Der Bau mit 6.000 m² Geschossfläche ist für 1500 Studenten ausgelegt.
Als gestalterischen Bezugspunkt für den Neubau des Hochschulstudienzentrums auf dem ehemaligen Güterbahnhofsareal in Düsseldorf Derendorf verweisen die Architekten auf den infrastrukturellen Kontext, die Bahntrasse, die Brücken, Rampen und Fußgängerverbindungen. Diese Bezüge seien in die Gebäudeform, in die Außentreppen, Balkone und Brücken übertragen worden. Zugleich gibt es eine funktionale Begründung: Die Außentreppen und Fluchtbalkone ergänzen die innenliegende Erschließung und ermöglichen zugleich die Entfluchtung der Hörsäle.
Hinter den dominanten Eindruck der formalen architektonischen Geste treten andere Entwurfsansätze Jürgen Mayer H.’s mitunter zurück, was schade ist, denn sie ziehen sich durch viele Projekte des Büros. So spielt etwa das Motiv des kommunikativen Raums eine wichtige Rolle. Schon bei frühen Projekten wie dem Stadthaus in Ostfildern war ein entscheidendes Gestaltungselement dessen räumliche Verzahnungen, die einen fließenden Kommunikationsraum kreieren sollten. Den Eindruck eines kommunikativen Raums erhält man auch beim Hochschulgebäude in Düsseldorf, etwa beim Blick auf das innenliegende Treppenhaus im Foyer mit seinen kreuzenden Läufen und Treppenpodesten. Auch der Anschluss des Gebäudes an eine vorhandene Brücke sucht eine Art kommunikative Verknüpfung mit dem Stadtraum.
Mitunter, etwa bei der Betrachtung des Fassadenkonzepts, entsteht der Eindruck, die entwurflichen Setzungen seien eher dekorativer Natur. Aber, wie Jürgen Mayer H. 2007 im Interview mit Rem Koolhaas und Hans Ulrich Obrist konterte, „Dekoration, die ist doch gar nicht so schlimm“. (kh)
Fotos: David Franck, Patricia Parinejad
Als Tiger gestartet ...
Wie das vorliegende Gebäude beweist, kann man die hohen Hürden, die man sich selber mit so einem Entwurf setzt, überwinden und ein selbst in seinen Details überzeugendes Gebäude erschaffen. Diese Räume machen einfach Spaß begangen und erlebt zu werden und haben dennoch die angemessene Nüchternheit einer Lehreinrichtung. Ein durch und durch gelungenes Gebäude, das aus dem Einheitsbrei heraussticht und sich schon alleine deswegen reflexartiger Häme und unsachlicher Kritik ausgesetzt sieht. JMH wird dies sicher ignorieren können, wenn er sieht, dass die Nutzer das Werk seines Büros annehmen und für seine besonderen Qualitäten wertschätzen.
cheers!
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