Musizieren am Schlachthof
Hochschulbau von Enzmann Fischer und Büro Konstrukt in Kriens
Das ehemalige Schlachthofareal in Kriens liegt direkt an der Stadtgrenze zu Luzern und gilt als städtebauliches Entwicklungsgebiet. Seit 2008 wird ein Teil des ehemaligen Schlachthauses vom Verein „Südpol“ genutzt, der die Arbeit von professionellen Kulturschaffenden aus mehreren Sparten fördert. Die Räume basieren auf einem Subventionsvertrag mit der Stadt Luzern, auch das Luzerner Theater, die städtische Musikschule, die sogenannte Bürgermusik und das Jugendblasorchester sind auf dem Areal ansässig. Bereits letztes Jahr haben Enzmann Fischer (Zürich) und Büro Konstrukt (Luzern) hier ein Orchesterhaus für das Luzerner Symphonieorchester realisiert. Nun ist nach ihren, im Wettbewerb erfolgreichen Plänen auch ein Neubau für die Hochschule Luzern-Musik fertig geworden, der als dritter Baukörper den „Kampus Südpol“ zum Ensemble ergänzt. Als Bauherr tritt die Luzerner Pensionskasse (LUPK) auf, das Investitionsvolumen wird mit 81 Millionen Schweizer Franken angegeben.
Mit rund 9.000 Quadratmetern Nutzfläche bildet der Musikhochschulneubau das größte Volumen des Campus. Relief, Filtermauerwerk und Lisene sind die Hauptmerkmale seiner Klinkerfassade. Spannender wird es im Inneren: Eine Halle durchzieht das Gebäude von Ost nach West, erschließt fünf Geschosse und schafft Begegnungsräume. Ein schmaler Infrastrukturstreifen nimmt die Fluchtreppenhäuser, Liftanlagen und Nebenräume auf. Der brettgeschalte Sichtbeton, die Betonböden und die roh belassenen Holz-Zementplatten kontrastieren mit der Ausgestaltung des Kammermusiksaals, der BlackBox und des Jazzclubs. „Raum in Raum“- Konstruktionen erfüllen die bauakustischen Anforderungen. Lasiertes Holz, Akustikklinker und Holzwolleplatten kommen zum Einsatz.
Im südlichen Gebäudeteil befindet sich eine 1.400 Quadratmeter umfassende Bibliothek auf zwei Ebenen sowie Ensembleräume und Einzelunterrichtszimmer. Sichtbar verlegte Installationen, ein paar Topfpflanzen und Designermöbel sorgen für ein gemütliches Ambiente. Foyer und Gastronomie erweitern sich in den Außenraum. Entsprechend den Angaben der Architekten ist der Neubau entsprechend der Schweizer Energiesparverordnung „Minergie“-zertifiziert, die Betonkonstruktion fungiert als passiver thermischer Speicher. Die Böden sind mit Heizung und Kühlung aktiviert, die Primärenergieversorgung erfolgt über Grundwasser.
Ein letztes Überbleibsel des Schlachthofes ist indes noch da: Gegenüber der Hochschule Musik liegt das genossenschaftliche Metzger-Center Zentralschweiz. (tl)
Fotos: Anett Landsmann
das was wir sehen?
warum?
Es sind ja Räume für Entfaltung, die erobert, bespielt und benutzt werden wollen.
Und BTW, im Alltag sehen Gebäude - vor allem von innen - ziemlich anders aus als auf den Pressebildern der Architekten...
Einswerden von Innerem und Äußeren.
Aber echt mal ein schönes und auch von den Räumen her wetiges Projekt.
@peter: also ich hab an so einem unwirtlichen Ort gelernt und weil es so schlimm war auch noch ein paar Jährchen gelehrt. Ganz schreckliche Zeit an einem ganz schrecklichen Ort. /s
Im Ernst, das ist ein super Ort um sich zu entfalten. Passt nicht jedem, muss es auch nicht. Die Welt ist groß, es gibt viele (Hoch-)Schulen zur Auswahl. Ich für meinen Teil würde mich dort sicher wohl fühlen und es ist ein eigenständiger, starker Beitrag für diese Typologie.
Glückwunsch an die Kollegen.