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12.12.2019

Buchtipp: Weltbilder

History of Information Graphics


Wenn Worte und Zahlen nicht mehr helfen, die Dinge prägnant auf den Punkt zu bringen, dann muss es eben manchmal ein Bild sein. Und zwar nicht unbedingt ein Foto, sondern eine Informationsgrafik, in der komplexe Zusammenhänge visuell aufbereitet und dadurch auch Laien verständlich gemacht werden. Das klingt ein wenig trocken, ist aber insbesondere in der historischen Dimension ungemein beeindruckend, wie die History of Information Graphics auf 462 Seiten belegt. Das Buch im XL-Format aus dem Verlag Taschen ist – wie so vieles aus dem Kölner Haus – ein veritabler Klopper für den kleinen Geldbeutel. Unzählige Bilder, die Texte parallel in Englisch, Deutsch und Französisch – und das Ganze zum runden Preis von 50 Euro.

Die Welt war auch im Mittelalter schon komplex, weshalb die Menschen bereits vor über 1200 Jahren versucht haben, ihr Wissen in leicht verständliche Bilder zu übersetzen. Hier steigt das Buch ein, zeigt etwa den weltberühmten St. Galler Klosterplan von 819 und durchstreift von hier aus in acht Kapiteln die Themen und Jahrhunderte. Fast immer geht es dabei um die räumliche Dimension von Daten und funktionalen Zusammenhängen, wodurch das Buch Architektinnen und Planern einen ganz eigenen Zugang bietet.

Die grafischen Ergebnisse der vielfältigen Bemühungen faszinieren und inspirieren gleichermaßen, wobei auch versierte Grafikerinnen vor manchem Beispiel der Altvorderen den Hut ziehen werden. Die historische Tiefe macht das Buch spannend und unterscheidet es von den beiden Bänden Information Graphics und Understanding the World. Atlas of Infographics, die Autorin Sandra Rendgen und Editor Julius Wiedemann bereits gemeinsam publiziert haben.

Insbesondere Beispiele aus dem 19. Jahrhundert zeichnen sich durch immenses Detailreichtum und grafische Komplexität aus. In ihrer kleinteiligen Gelehrsamkeit spiegeln diese Diagramme, Karten und Grafiken nicht nur den Positivismus der damaligen Wissenschaftskultur, sondern markieren eine Art Extrempunkt, von dem aus es dann im 20. Jahrhundert anschaulicher und experimentierfreudiger wurde. Dementsprechend haben Rendgen und Wiedemann das 19. Jahrhundert nicht nur auf das Cover des Buches gepackt, sondern ihm auch mehr Platz gewährt als etwa dem 20. Jahrhundert.

Man darf sich nicht darüber ärgern, dass fast alle Beispiele allein durch mehr oder weniger ausführliche Bildunterschriften erläutert werden. Selbstverständlich könnte man unendlich viel über die Autoren und Zeichner der Karten erzählen, über ihre Auftraggeber und ihre Herkunft. Man könnte über Auslassungen, Ideologie und Politik sprechen, über Veröffentlichungskontexte und Sehgewohnheiten. Doch wer den Taschen Verlag kennt, weiß, dass diese Themen in den bildgewaltigen Büchern nur knapp angesprochen werden. History of Information Graphics will trotz seriöser Texte nicht als tiefschürfende Abhandlung gelesen werden, sondern ist schlicht und ergreifend ein niedrigschwelliger und packender Einstieg in die faszinierende Geschichte der visuellen Wissensproduktion. (gh)

History of Information Graphics

Sandra Rendgen und Julius Wiedemann
Englisch / Deutsch / Französisch
462 Seiten
Taschen Verlag, Köln 2019
ISBN 978-3-8365-6767-1
50 Euro


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Charles-Joseph Minards Karten von 1869 visualisieren die sinkende Anzahl an Soldaten während Hannibals Alpenüberquerung und Napoleons Zug nach Moskau und verdeutlichen auf grafisch-quantitative Weise die Brutalität des Krieges.

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Irritierend kleinteilig stellt sich der Versuch der Pädagogin Emma Willard dar, die  Mitte des 19. Jahrhunderts die Geschichte der Menschheit als Tempel zu visualisieren versuchte.

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Das Kapitel zum 20. Jahrhundert zeigt unter anderem illuminierte Schautafeln für den Schulunterricht und einen Bildstadtplan der New Yorker Weltausstellung 1964 aus dem deutschen Verlag Bollmann.

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