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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Haus_Erler_von_Meier_Unger_Architekten_7667338.html

17.08.2021

Fockendorfer Ziegelkonzert

Haus Erler von Meier Unger Architekten


Ein Wohnhaus mit Nebengebäude inmitten eines Dorfes zu entwerfen, so lautete die Aufgabe an das Leipziger Büro Meier Unger Architekten, als sie mit den Entwürfen für Haus Erler im knapp 800 Einwohner zählenden thüringischen Fockendorf begannen. In ihrem Text, den sie zum Projekt verfasst haben, beschreiben Jan Meier und Lena Unger, dass sie ihre entwerferische Motivation in regionalen Dorfplätzen, Hoftypologien und den örtlichen Wegen in die Landschaft gefunden hätten, in Dorfstrukturen, die ihrem Maßstab entsprechend eine interessante Ausbildung von Gemeinschaft und Öffentlichkeit und eine scheinbar zufällige Komposition von Nachbarschaften aufweisen.

Ihren Entwurf verstehen sie demnach nicht als Gebäude, sondern als vielseitig lesbares Ensemble aus räumlichen Situationen, das Qualitäten für Bewohner und Passanten bereithält. Wer die Fotos von Haus Erler betrachtet, kann dem durchaus folgen. Denn es gibt nicht die eine Ansicht, die alles erklärt. Immer steht eine Gebäudekante im Vordergrund, eine Stütze oder ein Fassadenpfeiler. Mal gehören sie zum Carport oder zum Werkstattgebäude, mal zum Hochbeet oder zum Wohnhaus selbst. Das macht neugierig und zeigt zugleich die Grenzen der fotografischen Architekturbetrachtung auf. Wer ein Gebäude erleben will, muss es begehen.

Bleibt Meier Ungers' Erzählung zu den Mauerwerksfassaden. In Zeiten perfekter Industrieprodukte sollten die Ziegel eine handgemachte Anmutung erhalten. Fündig wurden sie bei einer Ziegelmanufaktur in Nossen, die noch mit alten Maschinen fertigt und das Architektenpaar in den Produktionsprozess eingreifen ließ. Damit jeder einzelne Ziegel zum Einzelstück wurde, erhöhten sie den Wassergehalt der Rohmasse und machten die Steine formbarer und damit die Spuren der Herstellung stärker sichtbar. Sie ließen die Gummibänder der Förderanlage weniger reinigen, damit die Oberflächen zusätzliche Kerben und Abdrücke bekamen.

Auch die Fügung der Ziegel füllt einige Zeilen Text: Ein wilder Verband, gemauert mit den Lagerseiten als Sichtseite im Normalformat, bildete das Grundgerüst. Neben der Detaillierung von Relief, Stürzen und Kapitellen wollten sie die Dachränder subtiler ausbilden. Aus Kostengründen wurde der Ziegel als 7-Schlitz hergestellt, auf die Schlitzseite gedreht und je nach Situation als Halb- oder Vollstein analog der Fugen ausgemörtelt. Weil der Dachabschluss ebenfalls ein Ziegel sein sollte, wurde eine Hohlpfanne mit kleinen 3 x 3 cm Ziegelstücken aus den Resten der Verarbeitung verziert und als Fries gestaltet. Bleibt zu hoffen, dass auch die Bewohner*innen dies alles zu schätzen wissen. (fm)

Fotos: Philip Heckhausen


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