Show aus Stahlbeton
Hadid-Bau in Montpellier eingeweiht
Heute wird in Montpellier ein neues Gebäude eingeweiht. Das Büro von Zaha Hadid Architects hat in einem Vorort der südfranzösischen Mittelmeerstadt eine Ikone hingestellt: „Pierres Vives“ (Lebendige Steine) heißt der 28.500 Quadratmeter große Komplex, der im Auftrag des Archives départementales de l'Hérault gebaut wurde. Es ist ein fünfgeschossiger Hybrid aus Bibliothek, Archiv und Sporteinrichtung – unter dem Dach befinden sich zusätzlich Büroräume für die Verwaltung, insgesamt 3.000 Tonnen Stahl und 20.000 Kubikmeter Beton wurden für die Ikone verbaut.
Mit seinen typischen Hadid-Formen löst der realisierte Bau die geschwungenen Versprechen der Renderings ein, alles scheint durchkomponiert und aufeinander abgestimmt. Der Entwurf sei inspiriert durch ein „Baum des Wissens“ genanntes Organisations-Diagramm, erklären die Architekten anhand eines Relief-Modells. Das Archiv soll dabei die solide Basis, den „Stamm“, bilden, gefolgt von der Bibliothek, die offener gehalten ist. Die Sporteinrichtungen mit den Büros sind im oberen Teil des Gebäudes angelegt – hier verzweigt sich der „Stamm“. Im Zentrum des Gebäudes fließen alle Funktionen zusammen, in einem an der Westfassade heraus geschobenem Gebäudeteil befinden sich ein Auditorium und Besprechungsräume.
Alles fließt: die Fensterbänder, die Aufzüge und die Decken. Natürlich ist das reine Show und alles nicht aus Gründen der Statik so gebaut, wie es aussieht. Der Bauherr wollte für sein rund 60 Kilometer langes Archiv keine Betonkiste, sondern eine architektonische Geste – und hat deshalb Zaha Hadid beauftragt. Man will dazu beitragen, dem Nordwesten von Montpellier eine neue Identität zu verleihen, die ausstrahlt. Die vielen toten Leerräume, die durch solche Formenspiele entstehen, sind also vermutlich eingeplant. Vive Hadid – wenn Architektur zur Marke wird.
Fotos: Zaha Hadid Architects
ich möchte gern ein paar bilder von den schalungen sehen. hier wurde soviel stahlt verbaut, dass beton nichts anderes mehr ist als farbe auf der wand. aus dem stahl hätten auch ein paar pfannen gemacht werden können, damit ein paar menschen am anderen ende der welt ein gefäß zum kochen haben. nix da! frau hadid muss ihr ego in die welt betonieren. was ist architektur?
in München's herrlicher Villa Stuck gesehen -
welche welten trennen diese beiden architekt(ur)en !
Großartig an den Renderings, dass auch Glas Masse hat - dass da nicht versucht wird, "Leichtigkeit" und "größtmögliche Transparenz" zu erzeugen, sondern, dass Glas mit entsprechendem "Lichtschutzfaktor" eben auch dunkel und schwer - und erst nachts, wenn innen das Licht angeknipst ist wirklich transparent wirkt.
Das ist so häufig immer noch ein Ärgernis und - wird dann in der gebauten Realität entsprechend fatal - schwere und klobige Glaskörper, die da alles andere als transparent und schwebend daherkommen - wie etwa die Kranhäuser in Köln, über die ich mich jedesmal, wenn ich da langfahre ärgere.
Schön, dass solche Häuser auch gebaut werden. Leider konnte man wenig vom Städtebau sehen - wie das Gebäude sich kontextuell einfügt. Aber - vielleicht, wenn's komplett fertig ist.
Schön das die meisten Bauwerke von Frau Hadid nicht in Deutschland stehen?