Nullemission am Nollendorfplatz
HENN gewinnen in Berlin
Am Berliner Nollendorfplatz ist der Glanz alter Zeiten nur noch mit Mühe zu erahnen. Die Anlage geht auf Peter Joseph Lenné zurück, aber nach starker Kriegszerstörung und „verkehrsgerechtem“ Wiederaufbau hat der ehemalige Schmuckplatz heute wenig Charme. Außer der Kuppel des U-Bahnhofs strahlt nur das Metropol, 1906 als „Neues Schauspielhaus“ von Albert Fröhlich im Büro Boswau & Knauer errichtet, unverwüstlich Glamour in den Stadtraum aus. Gleich daneben fällt das Niveau schlagartig ab, dort steht seit langem eine zweigeschossige Spielhalle.
Für dieses knapp 1.500 Quadratmeter große Grundstück hat der Immobilienentwickler Bauwens gemeinsam mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg ein Gutachterverfahren durchgeführt, um den besten Entwurf für ein Nullemissionsgebäude mit Büronutzung und etwa 6.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche zu finden. Eingeladen zur Teilnahme waren neben dem am Ende siegreichen Büro HENN die Berliner Kolleg*innen von GRAFT, Ortner & Ortner Baukunst und Grossmann Schmitz-Engels sowie ACME aus London.
Erklärtes Ziel der Auslober war es, die prominente Baulücke nicht nur städtebaulich und architektonisch angemessen zu füllen, sondern auch ein Projekt zu realisieren, das im Hinblick auf Nachhaltigkeit sowohl bei der Errichtung als auch im Betrieb neue Maßstäbe setzen und Vorbildcharakter über die Bezirksgrenzen hinaus verkörpern soll. Entsprechend begeistert äußert sich das Auswahlgremium, dem neben Vertreter*innen des Unternehmens und des Bezirks Fachleute aus den Bereichen Stadtplanung und Denkmalpflege angehörten, über den HENN-Entwurf: Er stelle sich zurückhaltend aber gleichzeitig selbstbewusst neben das ehemalige Schauspielhaus und könne durch den Einsatz von Photovoltaik, Geothermie, recyceltem Metall und einer Holzstützenkonstruktion das ambitionierte Ziel eines Nullemissionsgebäude erfüllen.
Insbesondere über die Fassade sucht HENN den Schulterschluss mit dem Bestand: Bodentiefe, konkav gebogene Fenster – hier sollen Holzrahmen mit einer aus recyceltem Kupfer erzeugten Bronzeverkleidung zum Einsatz kommen – greifen die Schwünge aus der Nachbarfassade auf und führen sie in neuer Form fort. Erd- und Dachgeschoss schwingen zugunsten eines akzentuierten Eingangsbereichs beziehungsweise eines Dachgartens ebenfalls nach innen.
Acme suchten und fanden dagegen in den Roaring Twenties ihren Anknüpfungspunkt für ihre ausdrucksstarke Fassade. Mit Bezug auf die avantgardistische Theaterarbeit, die Erwin Piscator damals nebenan umsetzte, wollten sie ein „urbanes Bühnenbild“ in die Straßenfassade zeichnen. Mit diesem Entwurf lieferten sie sich mit HENN ein Kopf-an-Kopf-Rennen in zwei Überarbeitungsrunden, die anderen drei Arbeiten waren zuvor ausgeschieden. (kv)
Das überzeugt mich in keiner Weise. Auch vom Verfahren her finde ich das nicht in Ordnung. Wenn der Nollendorfplatz umgestaltet werden soll, dann als Ganzes unnd nach einem Wettbewrb mit Bürgerbeteiligung.
lassen wir die Kirche im Dorf. Das sind Abstandsflächenoptimierte Baumassen (die acme überschreitet?), und der Rest ist eine Fassade und Grundrisse. Das kann man jetzt Schischi nennen oder nicht - ein Gutactherverfahren mit 5 Teilnehmern finde ich da nicht unangemessen. Welche Qualitäten (schön? authentisch? offen? aneignungsmöglich?) der Nollendorfplatz haben soll ist mir völlig fremd @jan. Das ist sicher kein Meilenstein der Architekturgeschichte, aber er schafft neue Flächen in einer Stadt die sie zwingend braucht und verbessert den Status quo. Dafür ertrage ich Nachhaltigkeitsgeschwurbel.
Das ist Blödsinn. Vielleicht sollten die Real Estate-Entwickler(innen) erst mal aufhören, noch brauchbare Gebäude abzureissen, bevor sie Quatsch erzählen. Natürlich ist es von grösster Bedeutung, klimaschonende Bauweisen zu erforschen. Aber jetzt von Nullemission zu sprechen ist Euphemismus.
sowas schreibt jetzt die stadt vor vermute ich, die tun halt was für die umwelt! das ist ein schischi-fassadenwettbewerb, da hätte es pro entwurf nur eine photoshop-seite gebraucht....