Endlich Ruhe am Brühl
Grundsteinlegung in Leipzig
Der Brühl ist eine der ältesten und traditionsreichsten Straßen Leipzigs. Nun wurde an dieser wichtigen, innerstädtischen Stelle der Grundstein für das umstrittene Leipziger Einkaufszentrum Höfe am Brühl gelegt.
Bis zum zweiten Weltkrieg war der Brühl eine der wichtigsten Straßen der Stadt, befanden sich hier doch das Zentrum des weltweiten Pelz- und des internationalen Rauchwarenhandels. Die Straße bildete einen großen Teil dessen, was den Ruf Leipzigs als bedeutende Handelsmetropole ausmachte.
Während des Krieges stark zerstört, bebaute die DDR die Brache mit Wohnhochhausriegeln und dem Konsument-Kaufhaus mit der berühmten geschwungenen Aluminium-Fassade, der „Blechbüchse“.
Im Jahr 2007 wurden dann die vier Hochhausriegel abgerissen: Die Fassade der unter Denkmalschutz stehenden „Blechbüchse“ sollte nach den Plänen der Wettbewerbsgewinner Grüntuch Ernst (Berlin) in das zu bauende Einkaufszentrum „Brühl-Arcaden“ mit einbezogen werden (siehe dazu BauNetz-Meldung vom 7. November 2007).
Durch Finanzkrise und mehrere Investorenwechsel sowieso schon stark verzögert, geriet das gesamte Projekt durch den sogenannten „Fassadenstreit“ wiederum stark in Bedrängnis, als unter der Blechfassade eine gut erhaltende, gründerzeitliche Fassade zum Vorschein kam. Ein Kompromiss, den die Architekten visualisiert haben, könnte sein, zwischen der neuen alten Blechhülle eine 15 Meter breite Spalte der alten Sandsteinfassade unter einer Glasvitrine sichtbar zu machen. Eine endgültige Entscheidung über die Fassadenlösung steht noch aus.
Das neue Einkaufszentrum wird auf vier unterschiedliche Themenhöfe – Goethe-Hof, Plauenscher Hof, Drey-Schwanen-Hof und Lattermanns Hof – verteilt 130 Läden, 820 Parkplätzen und 40 bis 50 Wohnungen auf dem Dach enthalten. Im Herbst 2012 soll das Projekt fertiggestellt sein.
Welchen Wert hat eine hinter einem Riesenschaufenster konservierte Gründerzeitfassade? Hauptsache erhalten.
Ein respektvoller Umgang mit historischen Bauwerken ist ja prinzipiell erstrebenswert. Wenn deren Existenz aber keinerlei Sinn mehr macht, sollte man das akzeptieren und sich auch mal trennen können. Man muss nicht vor lauter Angst die Fehler der Moderne zu wiederholen, alles stehenlassen. Aber die Entscheidung steht ja hier noch aus.