Am Synagogenplatz
Grundstein für Gemeindezentrum in Mainz
Wer im Bauwesen arbeitet weiß, dass die Architektur eine langsam fortschreitende Kunst ist und dass es bei Bauprojekten durchaus zu jahrelangen Verzögerungen kommen kann. So auch bei der Erweiterung des jüdischen Gemeindezentrums und einem Neubau der Synagoge in Mainz: Den Wettbewerb hatte das Kölner Büro von Manuel Herz für sich entscheiden können (siehe die schon leicht ergraute BauNetz-Meldung vom 28. Juni 1999), dessen „Architektur des Nachdenkens“ von der Jury um Peter Kulka damals mit deutlichen Worten gelobt worden war.
Wegen der ungeklärten Finanzierung war das Projekt nach der Wettbewerbsentscheidung allerdings zunächst nicht weiter vorangetrieben worden – mehrfach stand es kurz vor seinem endgültigen Aus, obwohl die Gesamtkosten für Erweiterung und Neubau mit gerade einmal 10,5 Millionen Euro angegeben werden. Allerdings musste die Jüdische Gemeinde für den Neubau erst das Grundstück kaufen, auf dem bis 1939 die alte Synagoge aus dem Jahr 1853 gestanden hatte. Neben der finanziellen Debatte war aber auch eine Diskussion über die Adresse entbrannt: Ob der Gemeinde zugemutet werden kann, künftig an der „Hindenburgstraße“ zu residieren?
Inzwischen ist der Platz in „Synagogenplatz“ umbenannt, der Stadtrat hat seinen Zuschuss auf fünf Millionen Euro erhöht, und das Bürohaus, das auf dem 3.800 Quadratmeter grossen Grundstück stand, ist abgerissen worden. So konnte am gestrigen Sonntag, 23. November 2008, also endlich der Grundstein für den mutigen Entwurf gelegt werden.
Manuel Herz schreibt uns dazu: „Nach so vielen Jahren, die auch manchmal von einer Unsicherheit begleitet waren, ob das Projekt überhaupt ausgeführt werden würde, bin ich jetzt sehr glücklich, dass dieser Grundstein gelegt werden konnte. Nach über 70 Jahren erhält somit Mainz, eine der insbesondere im Mittelalter wichtigsten Städte für das Judentum, ein neues Gemeindezentrum. Der Entwurf knüpft an die Rolle der Stadt als Zentrum der Talmud-Forschung und Schriftlehre an, und setzt das Thema ‚Schrift‘ und ‚Schreiben‘ architektonisch um.“ Genauer gesagt basiert der Entwurf auf einer räumlichen Umsetzung des Segenswortes „Keduschah“, das der Aneinanderreihung von Synagoge, Foyer, Festsaal und Schule eine recht expressiv wirkenden, skulpturale Form verleiht.
Wir wünschen dem Projekt, dass die Realisierung nun tatsächlich bis 2010 umgesetzt werden kann.
Die jüdische Gemeinde in Mainz
die in dem modell erkennbaren räume beeindrucken nicht wirklich. dann sollte man doch lieber bei kisten mit guten details und verwendbaren räumen bleiben, bevor ich so einen aufwand betreibe ein bild zu erzeugen, aber unpassende architektur abzuliefern. vielleicht sollte man nach so vielen jahren des liegen gebliebenen projektes noch mal alles von grund auf überdenken. wenn es damals zeitgemäß war (was ich bezweifle), ist es das heute nach 10 jahren bestimmt nicht mehr. zumal muss mindestens die neue EnEV berücksichtigt werden. so hoffe ich für worms - eine stadt, die im mittelalter auch eine bedeutende stadt für das judentum war - dass sie nicht irgendwann einmal ein solches "zeichen" bekommt. ps.: das einzig interessante an dem rendering (bild4) ist die VW-limo.
Ich mag Architektur, die nicht gefällig daher kommt und an der man wieder und wieder neue Facetten entdecken kann. Ein sehr gelungener Entwurf, der Feinsinnigkeit mit Selbstbewusstsein auf ästhetische Weise verbindet. Endlich mal wieder anspruchsvolle und intelligente Architektur. Glückwunsch!
Probier es doch mal aus: Stell´ dich mal an das Plakat zum Bauplatz (mit dem Rendering) und frag´doch mal die Menschen, die vorbei gehen. "Jetzt schnell, sagen Sie mal, gefällt Ihnen das?" Lass´ sie nicht mehr als 2 Sekunden überlegen ..... Ich bin nicht der Meinung, dass die Mainzer sagen werden, das dieses Gebäude, an diesem Standort, ein Gewinnn für Mainz ist. Anders vielleicht, wenn es mit einer offenen Seite zum Rhein stehen würde? Und noch was: 95% Prozent der Menschen werden dieses Gebäude nur von Aussen betrachten können, sie werden nicht dazu kommen den Innenraum zu bewerten, den das Aussen wiederspiegelt, Konzeption und umbauter Raum (wir schaffen Räume, mit Häusern als Beiprodukt!) hin oder her. Entsteht dort ein "Mitspieler" in der Stadt, oder ein "Rüpel", der mit seinen Ecken und Kanten seinen Raum bis an die Häuser der Umgebung schlägt? "Bauen am Ort! Bauen in der Stadt!"
Wenn der Gestaltungwunsch jede Frage nach Inhalt oder Aesthetik obsolet werden laesst, dann ist das finale Stadium des Formalismus erreicht. Und dann werden wir nur noch Rekonstruktionen bauen und das zu recht!