Cluster im Raster
Grundschule und Kita in Darmstadt von Waechter + Waechter
Bis zum Abzug der US-Streitkräfte 2008 gehörte die in den 1950er Jahren in Zeilenbauweise entstandene Siedlung Lincoln Family Housing im Süden Darmstadts mit knapp 600 Wohnungen sowie sozialen Einrichtungen zu den großen Wohnquartieren für stationierte US-Soldaten und ihre Familien in der Region. Ab 2014 wurden die 33 langen Gebäudezeilen saniert und das Areal der Lincoln-Siedlung zum neuen Quartier für 5.000 Bewohner*innen umgebaut und erweitert. Direkt am zentralen Platz entstand die 2021 fertiggestellte vierzügige Grundschule mit Doppelsporthalle und Kindertagesstätte für sechs Gruppen von Waechter + Waechter Architekten (Darmstadt). Der Entwurf, der beide Einrichtungen in einem Baukörper zusammenfügt, erhielt beim 2016 von der Stadt Darmstadt ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb den ersten Preis.
Der zweigeschossige Bau mit einer Bruttogrundfläche von 11.160 Quadratmetern entwickelt sich um unterschiedlich große, voll verglaste Innenhöfe und ist durch Einschnitte, Vor- und Rücksprünge, Terrassen und brückenartige Verbindungen gestalterisch differenziert. Die Erschließung der beiden voneinander getrennten Einrichtungen erfolgt von verschiedenen Seiten und betont deren Eigenständigkeit: Während der Kitaeingang mit Bring- und Holverkehr zur Straße orientiert ist, öffnet sich der Haupteingang der Grundschule zum Quartiersplatz. Daneben schließt sich – mit einem zusätzlichen Zugang vom Platz aus – die auch außerschulisch genutzte Turn- und Gymnastikhalle an.
Im Schulhaus sind die Funktionsbereiche und die nach Jahrgangsstufen zusammengelegten Unterrichtsräume in zusammenhängenden Clustern um die Lichthöfe herum angeordnet. Im Eingangscluster liegen Foyer und Mensa, daran anschließend Verwaltung und Lehrerzimmer, Werk- und Musikräume und der Sportbereich mit Umkleiden und Zweifeldsporthalle, sodass vielfältige Nutzungskombinationen auch für größere Schulveranstaltungen möglich sind. Breite Treppen führen ins Obergeschoss, wo alle Klassenräume – unterteilt in vier Lerncluster und gleichzeitig gemeinsam erschlossen durch eine sogenannte Schulstraße – liegen. Zwischen den flexibel zusammenschaltbaren Klassen- und Differenzierungsräumen besitzen die Cluster offene, zentral am Lichthof gelegene Lernlandschaften.
Die L-förmigen Gruppenräume der Kita sind – in zwei Altersgruppen unterteilt – um je einen eigenen Innenhof mit Außenspielflächen angeordnet. Wettergeschützte Verbindungen zur Schule ermöglichen die Mitbenutzung von Mensa und Sporträumen. Bei der Gestaltung der Fassaden aus wechselnden wandhohen Fensterelementen und Sichtmauerwerk aus unterschiedlich rotgetönten Ziegeln beziehen sich die Architekt*innen ausdrücklich auf die Darmstädter Schulbautradition. (uav)
Fotos: Brigida González
Exzellent und sauber durchdetailliert.
Gut ausgeführt.
Eine sehr deutsche Schule. Ohne Humor, ohne Herz - aber effizient.
Wie schade! So hätten wenigstens die Außenanlagen und auch der Innenhof so viele Chancen geboten.
Ja, das Märchen von den Kindern, die schon Farbe reinbringen. In den Innenhof aka Schaukasten aka Aquarium?
Da hat ein Hamsterkäfig mehr Aufenthaltsqualität.
...ich muss sagen, da sind nur exzellente beispiele die in letzter zeit gezeigt werden.
für mein empfinden eine top formen- und architektursprache sowie materialauswahl.
Wie kann eine Freianlage / Schulhof, ein von Menschen zu nutzender Raum, so maximalversiegelt und abweisend sein? Ein wenig Landschaft hätte der Strenge sehr gut getan. So wird sich leider eine unerträgliche sommerliche Hitze einstellen. Dazu kommen arg unmotiviert wirkende Hüpfpunkte.
Ich finde González ist eine sehr gute Fotografin und ich bin ein großer Fan von ihr.
Der Schulentwurf ist räumlich und in der Ausführung auch klasse.
Aber die beiden passen einfach nicht zusammen.
ich wünschte, wir hätten solche schulbauten in meiner gemeinde.