Langhäuser und Schiefer
Grundschule bei Rouen von HEMAA Architectes
Das kleine normannische Dorf Heudebouville liegt rund 30 Kilometer südlich von Rouen im Tal der Seine. Hier realisierte das junge, erst 2018 gegründete Pariser Büro HEMAA Architectes die Schule Les Coteaux Fleuris. Im Februar wurde die Vor- und Grundschule am Rand der Gemeinde fertig. Für ihr erstes staatlich beauftragtes Projekt tat sich das junge Architektenduo Charles Hesters und Pierre Martin-Saint-Etienne mit dem familär verbundenen, etablierten Pariser Büro Hesters-Oyon zusammen.
Der Entwurf bezieht sich auf den architektonischen Kontext der Gegend, indem er die vernakuläre Form der flachen, traditionell von Bauern und Handwerkern bewohnten Langhäuser aufgreift. Zwischen und hinter den fünf „Langhäusern“ gibt es Spielhöfe, Freiflächen mit Obstbäumen und ein Sammelbecken für Regenwasser. Der flach gedeckte Haupteingang fungiert auch als Trennung zwischen Vor- und Grundschule, die jeweils einen individuellen Pausenhof haben.
Bei der Fassade setzten die Architekt*innen auf den regionaltypischen Schiefer. Die Holzkonstruktion wurde aus Brettschichtholz umgesetzt. Der Bau integriert sich also nicht nur typologisch, sondern auch über das Material in sein Umfeld. Auch die Zukunft des Ortes wurde „integriert“, denn die vorfabrizierte, modulare Struktur von Fassade und Dach erleichtert zukünftige Erweiterungen der Schule. So lassen sich beispielsweie Klassenräume hinzufügen oder die Mensa und die Höfe vergrößern.
Der Schulkomplex umfasst 1.500 Quadratmeter Fläche; die Kosten beliefen sich auf 4,5 Millionen Euro. Durch die verwendeten Materialien, die Integration einer Photovoltaikanlage und den Verzicht auf fossile Brennstoffe bei der Heizung gelang HEMAA ein geringer ökologischer Fußabdruck. An der Schnittstelle von Tradition und Gegenwart bringt der Entwurf somit auch Impulse nach Hedebouville, das Dorf zukünftig ein Stück weit neu zu denken. (iva)
Fotos: Sergio Grazia