Außen metallisch, innen knallig
Grund- und Berufsschule in Wien von PPAG architects
In Wien herrscht „PFlichtschulERweiterungsDruck“. Mit dem danach benannten Bau- und Investitionsprogramm PFERD versucht die Stadt, den rasant gestiegenen Schulraumbedarf schnellstmöglich zu decken und setzt daher auf konstruktiv einfache Lösungen wie standardisierte Einheiten oder Massivholzbauweise. Die Grund- und Berufsschule Längenfeldgasse im südwestlich gelegenen und bereits dicht bebauten Wiener Bezirk Meidling ist ebenfalls Teil dieses Programms.
Auftragsgegenstand war die Erweiterung der bestehenden Berufsschule mit einem Neubau, der Platz für weitere 23 Klassen sowie eine Ganztagsgrundschule mit 17 Klassen bietet. Den hierzu ausgelobten Wettbewerb gewann 2016 das Wiener Büro PPAG architects. Dessen konstruktiv einfache Lösung: Ein Stahlbeton-Bau mit einer Bruttogrundfläche von 10.750 Quadratmetern und vorgefertigten Bauteilen für die Tragstruktur sowie vorgefertigten Leichtbau-Elementen an der Fassade. Die Fertigstellung erfolgte im August 2020 und damit ziemlich genau zwei Jahre nach Baubeginn. Das Projekt war für den Mies van der Rohe Award 2022 nominiert.
Im Sockel des Gebäudes sind die Räumlichkeiten der Sechs- bis Zehnjährigen untergebracht, während sich die 15- bis 19-jährigen Lehrlinge der Lebensmittel-, Touristik- und Zahntechnikbranche im nach oben verjüngenden, vertikalen Bauteil aufhalten. Die beiden Schulen werden über zwei separate Eingänge erschlossen. Dennoch ermöglichen gemeinschaftliche Freiräume altersübergreifende Begegnungen.
Durch das Stapeln der Berufsschulklassen in die Höhe sind nicht nur zahlreiche Terrassen auf unterschiedlichen Ebenen entstanden, sondern es konnte auch ein großer Teil des vorhandenen Freiraums bestehen bleiben, der von EGKK Landschaftsarchitektur (Wien) gestaltet wurde. Somit profitieren die Schulen nun von einem 2.100 Quadratmeter großen Garten, in dem auch Obst und Gemüse angebaut werden.
Dem Schulprogramm der Stadt Wien entsprechend kommt in der Grund- und Berufsschule Längenfeldgasse ein zeitgemäßes räumlich-pädagogisches Konzept zum Tragen. Die Grundschule besteht aus vier Clustern mit je vier bis fünf Bildungsräumen, die sich jeweils um eine Lernlandschaft anordnen. Für die Pädagog*innen gibt es Teambereiche im Clusterverband. Darüber hinaus verfügt jeder Bildungsraum über einen „Appendix“, wie die Architekt*innen eine kleine Rückzugsnische innerhalb des Raums bezeichnen. Das Clustersystem wird altersgerecht auch an der Berufsschule angewandt.
Die recht hohe Kubatur mit fünf Geschossen sowie die graue Wellblechfassade lassen auf den ersten Blick nicht wirklich auf die Nutzung des Gebäudes schließen. Lediglich die gelben Gerüste und die Rutschen geben einen Hinweis darauf, was sich im Inneren verbirgt. In Kombination mit den Treppenelementen, die als Spielgeräte ebenso wie als Tribüne für Vorträge genutzt werden, verleihen sie dem Schulbau den Charakter eines Spielturms. Im Gegensatz zur grauen Hülle der Schule erstrahlen die hellen Innenräume in bunten Farben, mal knallig, mal gedeckt, mal in Pastelltönen. (tp)
Fotos: Hertha Hurnaus
Dieses seltsam willkürliche wirkende Schachtelgewitter (hat sich so ergeben-Methode?) erzeugt bei mir eher Assoziationen an eine moderne JVA oder Lernfabrik, auch im Inneren, wer nicht pariert kommt ins offnene Gitter-Archiv.
...kommt keine richtige Freude auf. Ansonsten ein sehr gelungener Schulbau mit gutgestalteten frischen Innenräumen und einem sehr schönen Farbkonzept.
ps: redaktion, bitte solche kommentare wie oben in zukunft wieder direkt in die tonne, das braucht wirklich kein mensch und dient nicht dem diskurs