Jenseits des Mainstreams
Großer BDA-Preis 2023 für Inken Baller & Hinrich Baller
Die Berliner Architektin Inken Baller und der Berliner Architekt Hinrich Baller erhalten den Großen BDA-Preis 2023 für ihr gemeinsames Werk. Von 1966 bis 1989 realisierten sie eine Vielzahl an Projekten – vor allem im Kontext des sozialen Wohnungsbaus – die bis heute das Stadtbild (West-)Berlins prägen. Ihre Bauten heben sich durch eine auffällige Formensprache und technisch innovative Lösungen ab. 1968 gehörte Hinrich Baller zu den Machern der berühmten Berliner „Diagnose“-Ausstellung. In der Baunetzwoche#408 spricht er über seinen kritischen Blick auf das damalige Architekturgeschehen.
Die Jury unter dem Vorsitz der BDA-Präsidentin Susanne Wartzeck würdigt das Werk der beiden Architekt*innen als „eigenständige und ökologisch geprägte Entwurfshaltung, die unter den Bedingungen des sozialen Wohnungsbaus zu erstaunlichen Lösungen jenseits des Mainstreams führte. Durch konsequente Optimierung konstruktiver Mittel konnten Flächengewinne erzielt werden, die zu einer erhöhten Qualität der Wohnungsgrundrisse und -zuschnitte im gegebenen Kostenrahmen führten.“ Der Jury gehörten außerdem Medine Altiok, Maren Harnack, Gregor Sunder-Plassmann sowie Georg Vrachliotis an.
Alle drei Jahre verliehen, ist der Große BDA-Preis die wichtigste personenbezogene Ehrung des BDA. Ausgezeichnet werden bedeutende Leistungen oder ein außergewöhnliches Werk von Architekt*innen und Stadtplaner*innen – sowohl aus dem In- wie dem Ausland. Mit dem Preis wurden bereits Hans Scharoun, Ludwig Mies van der Rohe oder Günter Behnisch ausgezeichnet. Zuletzt erhielten die Auszeichnung 2020 Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal für ihr Lebenswerk.
Der Große BDA-Preis 2023 wird am 15. September um 19 Uhr im Museum für Angewandte Kunst MAKK in Köln öffentlich verliehen. (sbm)
Im vergangenen Jahr widmete sich das Deutsche Architektur Zentrum DAZ in Berlin dem Werk der beiden Architekt*innen – im Rahmen der Ausstellung „Visiting Inken Baller und Hinrich Baller. Berlin, 1966-1989“. Zuletzt war sie auch in der Freien Akademie der Künste in Hamburg zu sehen.
"Der Große BDA-Preis würdigt bedeutende Leistungen oder ein außergewöhnliches Werkverzeichnis einer Architekten / eines Architekten oder einer Stadtplanerin / eines Stadtplaners." Nichtsdestotrotz in meinen Augen eine reichlich späte Preisverleihung. Bei Günter Behnisch 1972, Thomas Herzog 1993 oder Volker Staab 2011 hat es der BDA geschafft, deutlich näher am Entstehen des prägenden Werkes zu sein. Ich bezweifle, dass es ohne die Retrospektive im DAZ letztes Jahr zu dieser Benennung gekommen wäre.
in dieser hinsicht kommt die preisverleihung an inken und hinrich baller genau zum richtigen zeitpunkt. inzwischen kann deren arbeit aus der historischen distanz heraus noch einmal präziser beurteilt werden. gleichzeitig wird sie, auch das läßt sich feststellen, im kontext einer wiederbeschäftigung mit der sog. postmoderne von einer jüngeren architekt*innen-generation rekontextualisiert. außerdem befinden sich ballers häuser nach wie vor voll im gebrauch, weisen aber nun erstmals "in die jahre " und weisen einen ersten größeren instandhaltungs- und erneuerungsbedarf auf. auch die damit verbundenen fragen können im rahmen einer breiteren würdigung wesentlich grundsätzlicher diskutiert und angegangen werden.
Wenn damals (durch Institutionen wie ebenjenem BDA) nicht der Mut aufgebracht wurde, solche Werke auszuzeichnen, dann sollte das heute als Dokumentation des damaligen Diskurses akzeptiert werden. Solche Entscheidungen _stehen_. Sie lassen sich schwerlich durch eine so deutlich _nachgeholte_ Auszeichnung kaschieren.
Wunderbar, dass nach der Ausstellung "Visiting..." dieses Werk - nach vielen Jahrzehnten - auch durch den Großen BDA Preis gewürdigt wird! Dank an die Jury und großen Glückwunsch an Inken und Hinrich Baller!