Formal but fun
Grafton bauen LSE-Erweiterung
Die London School of Economics verfolgt bei ihren jüngsten Neubauten wie dem Saw Swee Hock Student Centre von O’Donnell + Tuomey Architects eine eigenwillige Strategie zwischen gediegener Materialität, expressiver Formensprache und offener Raumorganisation. Auch beim nächsten Neubau bleibt die LSE offenbar diesem Trend treu. Für das künftige Paul Marshall Building am Rande der Lincoln’s Inn Fields entschied sich die Jury für den Entwurf von Grafton Architects. Das Dubliner Büro von Yvonne Farrell und Shelley McNamara konnte sich gegen eine prominent besetzte Shortlist durchsetzen. Mit dabei waren AL_A, David Chipperfield Architects, Diller Scofidio + Renfro mit Penoyre & Prasad, Herzog & de Meuron und Niall McLaughlin Architects, die zusammen mit Scott Brownrigg antraten. Der Wettbewerb wurde in Zusammenarbeit mit der Competitions-Abteilung der RIBA durchgeführt.
Im Vergleich mit manch anderem Entwurf zeichnet sich das Projekt von Grafton durch seine strukturelle Klarheit aus. Ein Stützenwald sorgt für ein offenes Erdgeschoss und trägt die steil aufragenden Volumen darüber, die wiederum mit mehrgeschossig verglasten Galerien abschließen. Im Inneren schrauben sich Wendeltreppen in einem zerklüfteten Atrium bis in die obersten Etagen. Eine Sporthalle im Untergeschoss und mehrere begrünte Dachterrassen runden das Raumgebot ab. Der Entwurf wirkt souverän, ohne die schmale Gasse zum Stammhaus der LSE unnötig zu dominieren. Dies gelingt unter anderem durch die Strukturierung der Baumassen, die für Durchlässigkeit sorgt, die aber gleichzeitig den Anspruch an eine geschlossene Großform nicht aufgibt.
In einem hochschulweiten Stimmungsbild, für das alle Mitglieder der LSE teilnahmeberechtigt waren, kamen Grafton nach Diller Scofidio + Renfro übrigens nur auf den zweiten Platz. Es folgen Niall McLaughlin Architects, Herzog & de Meuron, AL_A und schließlich David Chipperfield Architects auf dem letzten Platz. Seinen Namen wird das Gebäude nach dem Hedgefonds-Manager Paul Marshall tragen, der mit einer Spende von 33 Millionen Pfund der LSE ein Institut für soziales Unternehmertum beschert hat. Neben dem Institut werden weitere Abteilungen der LSE in das geplante Gebäude einziehen. Damit steht es zugleich für die andauernden Bemühungen der Hochschule, ihre Räumlichkeiten auf wenige Gebäude zu reduzieren.
Der Jury-Vorsitzende Craig Calhoun – Soziologe und Präsident der LSE – fand für den Entwurf von Grafton gleichermaßen fröhliche wie lobende Worte: Dieser sei „formal but fun“ und entspreche der besonderen akademischen Reputation der Hochschule. Bis Anfang 2021 soll das Gebäude spätestens bezugsfertig sein. (sb)
Alle Entwürfe im Detail unter www.lse.ac.uk