Konzeptkunst oder Scheußlichkeit?
Gespräch in München über Betonskulptur
Noch bis zum 30. September erinnert die Betonskulptur „Marcel Duchamp. Le mystère de Munich“ auf der Südwiese der Alten Pinakothek in München an Duchamps Aufenthalt in der Stadt vor 100 Jahren. Der Entwurf des Bildhauers und Medienforschers Rudolf Herz ist die Rekonstruktion der Wohnung in der Barer Straße 65, in der der französische Künstler im Sommer 1912 für drei Monate lebte und arbeitete. Sie ist ausgeführt in Stahlbeton im Maßstab 1:1 und um 90 Grad gekippt.
Duchamp bezeichnete München später als „Ort meiner völligen Befreiung“. Rudolf Herz schreibt: „Diese heute zerstörte Wohnung war mehr als eine Unterkunft, ich sehe in ihr die Wiege der Konzeptkunst.“
Was Konzeptkünstler sofort begreifen mögen, ist manchem Bürger ein Dorn im Auge. Schmierereien am Kunstwerk dokumentieren jedenfalls das Unverständnis manches Betrachters für diese „Scheußlichkeit“.
Somit stellt sich die Frage: „Was wird mit dem temporären Denkmal nach der dreimonatigen Ausstellungszeit am Architekturmuseum der TU München geschehen?“ So formuliert es jedenfalls die Architekturgalerie München in ihrer Einladung zu einem Gesprächsabend über die Zukunft der Skulptur am nächsten Dienstag. Es sprechen Rudolf Herz, Künstler, und Peter Ottmann, Architekt. Die Moderation hat Nicola Borgmann, Architekturgalerie München.
Termin: Dienstag, 31. Juli 2012, 20 Uhr
Ort: Südwiese der Alten Pinakothek bei der Skulptur, bei Regen im Vorhoelzer-Forum der TU München
so sehr ich Ihren Einwand in gewisser Weise auch nachvollziehen kann, so wenig kann ich ihm zustimmen. Natürlich bezahlt der Bürger direkt und indirekt die Projekte und Bauten der öffentlichen Hand. Ihm deswegen aber ein Mitspracherecht zuzustehen, halte ich für vollkommen falsch. Wohlverstanden: Meinungen hat und soll jeder dieser Bürger haben, nur können diese im Planungsprozess nicht berücksichtigt werden. Dies scheitert nicht nur an der tatsächlichen Unmöglichkeit eines solchen Prozesses (die wenigen Versuche der 70er Jahre beschränkten sich ausschliesslich auf Wohnungsbauten und können ausnahmslos als missglückt angesehen werden), sondern auch an der Sinnlosigkeit eines solchen Unterfangens. Architektonische Projekte sind, vereinfacht gesagt, Manifestationen von Ideen. Und Ideen sind immer Leistungen des Individuums. Die Masse kann sich an einer Idee begeistern, leider eher selten an einer guten und noch seltener an einer neuen. Deshalb muss es Aufgabe der Politik sein, sich für Ideen, von denen Sie überzeugt ist (oder sich von den entsprechenden Leuten hat überzeugen lassen), entsprechend zu kommunizieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass sehr viele Bauten, vor denen wir heute voller Bewunderung stehen, zum Zeitpunkt ihrer Entstehung hoch umstritten gewesen sind. Das Objekt, welches schon bei seiner Präsentation einhellige Zustimmung erntet ist selten. Ihm fehlen die Kanten, mit denen es aufstossen könnte. Und gerade das macht ein solches Projekt, zumindestens in meinen Augen, verdächtig.
Was soll die Aufregung ? Es handelt sich doch um ein temporäres Kunstwerk. Soweit ich weiss ist auch nicht im Gespräch es dauerhaft ans Isartor zu schrauben....
Der Hochgestellte Grundriss verstösst gegen die Sehgewohnheiten und regt die Leute zum Denken an, nicht zuletzt vielleicht über den eigenen Grundriss und wie er hier aussähe, so hochkant in die Stadt gestellt. Auch ohne die Duchamp-Geschichte dahinter. Was will man mehr ?
Es wäre schön, wenn daraus eine Art Wanderausstellung würde, man könnte Ihn temporär in allen Städten aufstellen...
Wenn der eine oder andere Bürger seinen
Wut-Burger dranwirft... damit muss man wohl leben.
Ob er auf Dauer irgendwo für Jahrzehnte und länger stehen sollte, daran hab ich allerdings meine Zweifel, ich sehe die Wirksamkeit eher kurzfristig.
Naja, wenn der Bürger das Gebäude oder die Kunst am bau bezahlen mus, dann will er nunmal mitreden. Wenn man dann mit dem Bürger so redet als wen ner eh nichts versteht dann muss man sich nicht wundern wenn man als arroganter Architekt bezeichnet wird.
Das ist auch der Unterschied zu Picasso und Van Gogh, wer das Bild nicht mag sieht es sich nicht an oder hängt es weg. Das ist bei Skulpturen im Stadtraum oder Gebäuden ja wohl schwer möglich. Die beiden Herren haben aus eigenem Antrieb geschaffen, beim Planer steht ein Auftrag dahinter, der dann i.d.R. 5 bis 6 stellige Kosten verursacht.
Also, ich find's gut :-)