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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Geschlossene_Schule_fuer_Intensivtaeter_in_Marseille_5245365.html

15.11.2017

Kreuzgang statt Knast

Geschlossene Schule für Intensivtäter in Marseille


Nur ein Zaun umgibt den gedrungenen Bau aus hellem Naturstein, der am Rand einer kleinen Hochhaussiedlung nördlich der Innenstadt von Marseille steht. Die Anlage wirkt vielleicht etwas verschlossen und noch kahl, aber das mag auch an der fehlenden Vegetation liegen, die jedoch zumindest laut Plan noch angepflanzt werden soll. Nein, an eine Haftanstalt erinnert hier tatsächlich erst mal nichts. Und das ist ein großer Verdienst des Teams von COMBAS Architectes (Nîmes und Nizza), denn ja, es handelt sich hier um eine offizielle Institution des französischen Strafvollzugs.

Entstanden ist allerdings  keine gewöhnliche Haftanstalt, sondern ein sogenanntes Centre éducatif fermé für Jugendliche. Das ist eine geschlossene Bildungseinrichtung, in der Intensivtäter über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten mittels eines dichten Programms an Lern- und Kulturangeboten neue Perspektiven eröffnet bekommen sollen. Der Aufenthalt ist freiwillig, weshalb solche Zentren rechtlich gesehen als Wohnheime definiert sind. Die strikte Befolgung des vorgegebenen Programms wird aber vorausgesetzt – mit dem regulären Strafvollzug als einzige Alternative.

Als Konsequenz steht das Gebäude in einem ungewöhnlichen Spannungsverhältnis, denn einerseits geht es hier um Rehabilitation, wofür Offenheit und Vertrauen unerlässlich sind, und andererseits musste das Thema Sicherheit trotzdem Berücksichtigung finden. Als räumliches Vorbild diente den Architekten darum die disziplinierende Architektur alter Klöster, an deren Kreuzgängen sie sich auf abstrakte Weise orientieren. Nicht um einen zentralen Hof herum ist die Anlage organisiert, sondern in Form von ineinander verschachtelten, L-förmigen Trakten entlang eines offenen, noch zu begrünenden Freiraums. Im östlichen Abschnitt befinden sich die Einzelzimmer der bis zu 14 Bewohner, im mittleren Abschnitt liegen die Seminarräume, Aufenthaltsbereiche und das Esszimmer, der westliche Teil der Anlage ist der Verwaltung und dem Betreuerteam vorbehalten.

Robust sollte die Architektur dabei sein, ohne gleich an die ungelenke Ästhetik einer vandalismussicheren Gestaltung zu erinnern. Die Architekten orientierten sich stattdessen an der nahen mediterranen Küstenlandschaft mit ihren Karstfelsen: Ihr Gebäude sehen sie als monolithische Struktur, aus der sie die Innenräume in Beige und Grau gewissermaßen herausgemeißelt haben. (sb)

Fotos: Javier Callejas


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Kommentare:
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Das Gebäude gleiche einem Felsen, aus dem Höhlen herausgemießelt wurden, so die Architekten.

Das Gebäude gleiche einem Felsen, aus dem Höhlen herausgemießelt wurden, so die Architekten.

Blick auf den Mitteltrakt mit den Unterrichtszimmern.

Blick auf den Mitteltrakt mit den Unterrichtszimmern.

Der Zugangsbereich im nördlichen Teil des Grundstücks ist für die Jugendlichen nicht zugänglich.

Der Zugangsbereich im nördlichen Teil des Grundstücks ist für die Jugendlichen nicht zugänglich.

Zwischen Zimmertrakt und Mittelteil vermittelt eine zentrale Halle. Vorbild für diese Lösung seien die Kreuzgänge alter Klöster gewesen.

Zwischen Zimmertrakt und Mittelteil vermittelt eine zentrale Halle. Vorbild für diese Lösung seien die Kreuzgänge alter Klöster gewesen.

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