Zwei hinterm Kotti
Geschäftshäuser von Baumhauer Architekten in Berlin
In Berlin-Kreuzberg wurde kürzlich wieder ein Gewerbehof erweitert. Dieses Mal handelt es sich um zwei Geschäftshäuser in den Adalbert-Höfen der GSG Berlin unmittelbar hinter dem Kottbusser Tor. Eines klebt sogar direkt am Rücken des Zentrums Kreuzberg (bis 2000 Neues Kreuzberger Zentrum) von Johannes Uhl und Werner Jokisch. Zwei Hausnummern trennen die beiden Neuzugänge Adil & Berta voneinander. Die Entwürfe für beide Bauten stammen vom Berliner Büro Baumhauer Architekten. Es sind schlichte Häuser, die sich ohne großes Aufheben in die Adalbertstraße und die Blockstruktur hinter dem Kotti einfügen.
Straßenseitig treten Adil & Berta ganz ähnlich in Erscheinung: Die großen Fensterformate der Lochfassade aus Sichtbeton variieren leicht, die Sockelzonen wurden mit geriffeltem Klinker verkleidet. Während sich die Hausnummer 8 komplett in Grau präsentiert und mit goldenen Fensterrahmen und Raffstores ausgestattet wurde, erhielt die rote Nummer 5 silberne Rahmenelemente und Jalousien. Die Tragkonstruktionen bestehen aus innen sichtbar belassenem Stahlbeton und geschlämmtem Kalksandstein für die Giebelwände.
Die Adalbert-Höfe gehören zu den etwa 40 Gewerbehöfen der GSG, die das seit 2007 privatisierte Unternehmen in Berlin betreibt. Erschlossen werden die beiden Neubauten vom Blockinneren der Höfe aus, für dessen Freiraumgestaltung hochC Landschaftsarchitekten (Berlin) verantwortlich zeichnen. Der rote Bau schließt mit seinem Seitenflügel an das bestehende Hinterhaus an und nutzt so dessen Treppenhaus. Der graue Bau soll in Zukunft noch eine Fassadenbegrünung erhalten. Im Gegensatz zum rauen Beton auf der Straßenseite wurden die Hoffassaden mit Kratzputz versehen. Zwei Brandwände des Bestands zieren nun Kunstwerke von Jim Avignon.
Baumhauer waren mit den Leistungsphasen 1 bis 5 beauftragt. LP 6–8 übernahmen Karsten Groot Architektur (Hamburg/Berlin) mit Bernd Schneider Ingenieure (Berlin). Insgesamt sind hier rund 3.500 Quadratmeter Bruttogrundfläche entstanden. Die 2.750 Quadratmeter vermietbare Fläche ist bereits komplett vergeben. Ins rote Haus ist der Spieleentwickler Klang Games eingezogen, im grauen fanden unter anderem eine Musikagentur und ein Yogastudio neue Räumlichkeiten. Karsten Groot gaben die Netto-Baukosten inklusive Außenanlagen mit elf Millionen Euro an.
In letzter Zeit mussten mehrere Kunst- und Kulturinstitutionen Kreuzberg verlassen, weil ihre Mietverträge nicht verlängert wurden. Davon betroffen waren etwa die nGbK und eine Künstler*innengemeinschaft nebenan in der Adalbertstraße 9. Zwischenzeitlich entstanden in den vergangenen Jahren reihenweise neue Büro- und Gewerbebauten im Stadtteil – unter anderem auch für die GSG. Dabei setzten die Architekt*innen gerne auf Betonkonstruktionen. Karsten Groot etwa stockten für das Unternehmen die Aqua-Höfe zum Teil mit Beton auf. Und Thomas Hillig Architekten ergänzten die Prinzessinnen-Höfe um ein Betonregal mit Sägezahn-Fassade. (mh)
Fotos: Jan Bittter
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...was für eine Diskussion zwei wirklich harmlose Häuschen auslösen können...das sollte man mal wissenschaftlich untersuchen und begleiten lassen.... falls es noch weiter geht....
Wir als Architekten sind am Ende auch nur Dienstleister, der Bauherr bestimmt die Aufgabe. Wer es sich leisten kann Projekte aus solch ehrenhaften Gründen abzulehnen und trotzdem Löhne, Büromieten, etc. zu zahlen hat wohl großes Glück ...