Pragmatismus der Vorstadt
Gemeindezentrum bei Toulouse
Französische Vorstädte sind nicht für ihre Schönheit bekannt, so auch nicht Plaisance-du-Touch am Rande von Toulouse. Beim Entwurf des dortigen neuen Gemeindezentrums hielten sich Puig Pujol Associés (Toulouse) darum gar nicht erst mit Sentimentalitäten auf. Anstatt mit einer formalen Geste für scheinbare Urbanität zu sorgen, schauten sie sich für ihr radikal-funktionales Gebäude lieber ein paar Tricks bei den Gewerbebauten der Umgebung ab.
Da passt es, dass nicht nur Umgebung und Programm des Espace Monestié extrem heterogen sind, sondern auch zwei Bestandsgebäude integriert werden sollten. Eine Sporthalle und ein kleines Kino gab es nämlich schon, ergänzt wurden eine Theater- und Konzerthalle, eine Probebühne, ein Jugendzentrum mit Ateliers, ein Café und Restaurant sowie ein Festsaal, der auch für kleine Messen und Ausstellungen genutzt werden kann.
Diese Vielfalt, die von morgens bis abends ganz unterschiedliche Besucher zusammenbringt, wollten die Architekten auch räumlich verdichten. Ihr Gemeindezentrum ist um einen L-förmigen Hof herum organisiert, der, Tür an Tür, alle Gebäudeteile erschließt und so zufällige Begegnungen begünstigt. Der Hof ist mit einem leichten Glasdach vor der Witterung geschützt, öffnet sich aber auf voller Breite in zwei Richtungen, so dass ein geborgener Platz entsteht, der trotz des Maßstabs der umgebenden Parkplatzlandschaft als einladende Geste funktioniert.
Auch konstruktiv orientiert sich das Gebäude an der Nachbarschaft: Größtenteils kommen industrielle Fertigteile zum Einsatz, und die Fassade, die sowohl Bestands- wie Neubauten umfasst, besteht aus leichtem Wellblech. Ein Billboard vervollständigt das Projekt, das damit sowohl an das autoverrückte Amerika der fünfziger Jahre erinnert als auch zeigt, wie unter schwierigen städtebaulichen Bedingungen und unter effizientem Einsatz der Mittel ein Hauch von innerstädtischer Intensität erzeugt werden kann. (sb)
Fotos: Philippe Ruault
Der Bau sieht einfach billig aus. Hier fehlt jegliche städtebauliche Qualität. Wahrscheinlich war einfach nicht mehr Geld da.
Zusätzlich ist zu kritisieren, dass die Wege im Umfeld dieser überdimensionierten Baracke so lang sind, dass man wieder nur das Auto nutzen kann.
Und nein, lieber User "Peter" - das wird garantiert nicht die Zukunft der europäischen Architektur. Solche Banal-Kästen, die maximal als Lagerhallen durchgehen können, möchte ich in Deutschlands Städten nicht sehen müssen.
@Andrea Palladio, viel Erfolg dabei
Die Details sind grausam, die Oberflächen wirken schon jetzt schäbig (Türen Bild 9, Möbel und Täfer in Bild 11) und man möchte sich gar nicht ausdenken, wie das ganze in wenigen Jahren aussehen mag.
Dazu ist der Ausdruck im Ganzen hart und steril. Dies mag bei einer hochwertigen Ausführung vertretbar sein (denn dann altert das Ganze wenig entsprechend); hier aber ist die romantische Ruine wohl Teil des Entwurfskonzeptes.
das Ensemble auf Bild 1/34:
Ein wunderschöner weißer Wagen (Peugeot 404), ebenso zeitlos wie zeitzeugend vor der schönen Architekturkulisse ...
hier scheint die hohe kunst geglückt, einfaches bauen mit ästhetik und heutigen bauvorschriften und vor allem mit den realitäten des lebens zu verquicken. mir persönlich fehlt noch etwas wärme, die z.b. durch etwas grün im freibereich hätte hergestellt werden können. aber im ganzen eine sehr respektable, sympathische arbeit!
hier liegt die zukunft der europäischen architektur, nicht in elbphilharmonien und berflughäfen!