Neuauflage Rebstockbad
Geising + Böker planen in Frankfurt am Main
Mit Platz für bis zu 3.000 Badegäste ist das Rebstockbad das größte städtische Hallenbad in Frankfurt am Main. Es befindet sich auf dem gleichnamigen Gelände, einem ehemaligen Flughafen im Stadtteil Bockenheim in unmittelbarer Nähe zum Rebstockweiher. Gebaut wurde es zwischen 1979 und 1982 nach den Plänen des Architekten Dieter Glaser. Im Rahmen des städtischen Bäderkonzepts 2025, das eine Ertüchtigung der Bäderlandschaft der Mainmetropole vorsieht, soll das mehr als 35 Jahre alte Gebäude schon bald für einen Neubau weichen. Hierzu lobten die BäderBetriebe Frankfurt einen nicht offenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb aus. Unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Zvonko Turkali entschieden sich die Preisrichter*innen für den Entwurf des Büros Geising + Böker aus Hamburg, die jetzt auch den Bauauftrag erhalten haben. Mehr als auf die Ästhetik sei auf Effektivität und Effizienz geachtet worden, zitiert die FNP Sportdezernent Markus Frank.
Grund für den Abriss: Der Bau sei mit der Zeit in die Jahre gekommen, die FNP berichtet darüber hinaus von „veralteter Technik“. Laut FAZ sei diese immerhin noch intakt und die Betonbecken dicht, die Dachzeltkonstruktion jedoch wenig energieeffizient. Das neue Rebstockbad soll ressourcenschonende, ökologische und ökonomische Lösungen für Bau und Betrieb und gleichzeitig genügend Platz für sportliche Aktivitäten, Freizeitspaß ebenso wie für Wellness und Erholung bieten.
Der Komplex mit einer Bruttogrundfläche von etwa 18.700m² setzt sich aus mehreren amorphen Baukörpern zusammen, die in der Höhe gestaffelt sind. So soll er sich einerseits im Straßenraum behaupten können und andererseits eine Verbindung zur Parkanlage schaffen. Durch eine Begrünung der Fassadenbekleidung aus perforiertem Aluminium und die organischen Formen soll das Rebstockbad so wirken, als sei es aus dem Gelände gewachsen, erklären die Architekten.
Die Erschließung des Gebäudes erfolgt von Nordwesten über ein höher gelegenes Eingangsplateau. Hier befinden sich auch Gastronomie-, Personal- und Betriebsbereich. Darunter liegt die Badeebene, die Sport- und Freizeitaktivitäten unterbringt. Die Bereiche Sport und Spiel, Entspannung und Erlebnis sowie Spaß und Abenteuer sind zusammenhängend und doch so konzipiert, dass sie auch getrennt begangen werden können. Für Schulen und Vereine gibt es einen direkten Zugang auf der Badeebene. Auch das Fitnessstudio, das zum Sportbereich zählt, soll einen separaten Eingang erhalten.
Explizit vorgegeben wurden von der Bauherrenschaft die vier Elemente Luft, Wasser, Erde und Feuer als Themen für die vier unterschiedlichen Nutzungsbereiche. Diese werden vor allem in dem Farb- und Materialkonzept des Hamburger Architekturbüros sichtbar. So ist der Bereich Rutschen/Abenteuer (Element Luft) in verschiedenen Abstufungen von Pupurviolett ausgeführt. Das Erlebnisbad (Wasser) wiederum wird von 100 verschiedenen Tönungen des Ultramarinblaus dominiert und mit Grün und Orange akzentuiert. Der Sportbereich (Erde) verbindet smaragdgrüne Farbtöne mit erdigem Braun und hellblauen Nuancen. Bei der Gestaltung der Sauna (Feuer) lagen warme Gelb-, Orange- und Rottöne nahe. Bepflanzung und Materialien sollen das Farbkonzept unterstreichen. Im Saunagarten beispielsweise sind entsprechend vulkanische Gesteine und orange-gelbe Staudenbepflanzung vorgesehen.
Durch eine Terrassierung im Inneren der Halle entstehen Liegeflächen, künstliche Wasserfälle und -grotten sowie Kinderrutschen, die das Bad in eine Art menschengemachte Tropenoase verwandeln – zumindest erwecken die Visualisierungen einen solchen Eindruck. Zwischen dem Rebstockbad und dem Seeufer liegen die Freiflächen, zu denen Außenschwimmbecken, Spraypark, Kletterspielplatz und Beachvolleyballfeld zählen. Ein Kiosk mit Außenterrasse soll am Seeuferweg in den Wall integriert werden, um ein zusätzliches Angebot und eine Verbindung zwischen Parkanlage und Bad zu bewerkstelligen. In der Auslobung war eine Obergrenze für die Kostengruppen 300 und 400 von 48 Millionen Euro angesetzt. Eine Fertigstellung ist für August 2025 geplant. (tp)
statt einen gestalterisch-baulich plumperen, aber dafür teuren neubau zu planen, sollte man lieber die zweifellos vorhandenen qualitäten des altbaus wieder freilegen und diesen nach heutigen energetischen standards ertüchtigen. es ist unerträglich, dass überall abrisse+neubauten mit nachhaltigkeit begründet werden - das ist reine augenwischerei und in wirklichkeit nichts als konsumlust. wenn es wirklich um nachhaltigkeit ginge, würde man gut gemachte bestandskonstruktionen pflegen und behutsam reparieren. wir klotzen stattdessen überall die gleichen kisten hin, die in 20-30 jahren alle wieder hässlich finden und abreißen wollen - ein teufelskreis.
wer das sanieren will hat keine freude. dann lieber sauber zerlegen (wobei man ahnt was unter all den verkleidungen schlummert) und recyclen und was energieeffizientes bauen, was dann vielleicht aber auch paar jahre hält. hitze feuchte und chlor sind nunmal nicht sehr zuträglich für KEINEN baustoff, umso sorgfältiger muss geplant und gebaut werden.
Warum auch lernen, mit Bestand umzugehen. Ernsthaft jetzt: Wir ArchitektInnen sollten anfangen uns dafür zu schämen, Gebäude abzureissen, die brauchbar, umnutzbar etc. sind - selbst wenn Umbau, Sanierung etc. etwas mehr kostet als ein Neubau. Jetzt gehts halt ums Klima. Siehe Diskussion Schauspiel Frankfurt. Wir brauchen mehr Abbruchscham!
Deshalb wird ein 35 Jahre altes, offenbar im Rahmen seiner Möglichkeiten funktionierendes Gebäude abgebrochen und ein neues errichtet. Frankfurt scheint zu alten Tugenden zurück und jede Menge Geld gefunden zu haben. Um es nun auf Kosten der Allgemeinheit, der Umwelt, der nachfolgenden Generationen usw. zu verprassen. Da bin ich fast stolz auf meine alte Heimat Berlin, die für solche einen Schwachsinn schlicht kein Geld hat. Vorschlag: Den Bestand für 10 mio € ertüchtigen und die restlichen 38 mio € (also in Realität vermutlich eher 48 mio €) als Notopfer Berlin transferieren. Oder irgendwo anders in die Diaspora, die froh wäre, wenn sie überhaupt ein Bad sanieren könnten, sofern sie noch eines aus goldenen Wirtschaftswunderzeiten besessen und nicht schon abgerissen hat. Ich kann mich auch gleich mit dem Sachsenbad, einem der wenigen richtig guten Gebäuden der 20er Jahre in meiner neuen Heimat Dresden, bewerben, bevor die Stadt es endgültig zu Schanden leerstehen oder aber bis zur Unkenntnlichkeit verkaufen und umnutzen lässt. Danke.