Wohnen im Steglitzer Kreisel
Fuchshuber Architekten planen Hochhausumbau in Berlin
Berlin-Steglitz gilt nicht unbedingt als Trendbezirk der Hauptstadt. Dabei hat das Subzentrum im Südwesten der Stadt gerade im Bereich der Schlossstraße ein ungeheuer urbanes Potential. Die Schlossstraße ist die zweitumsatzstärkste Einkaufsmeile in Berlin. Die Kaufkraft aus den Villengebieten Dahlem und Zehlendorf wohnt gleich nebenan.
Auch architektonisch gibt es das eine oder andere zu entdecken. Zwei ehemalige Kinopaläste erzählen davon, dass Steglitz bereits in der Zwischenkriegszeit gebrummt hat. Und mit dem legendären Bierpinsel, dem Einkaufszentrum Forum Steglitz und dem ehemaligen Rathaus Steglitz, gibt es in der Schlossstraße drei Ikonen der West-Berliner Nachkriegsmoderne zu bestaunen.
Nach der Revitalisierung des Forum Steglitz’ vor einigen Jahren steht nun der Umbau des ehemaligen Bezirksamts an – und zwar zu einem Wohnhochhaus mit 330 Eigentumswohnungen, die zwischen 46 bis 230 Quadratmeter Wohnfläche haben werden. Die Preise reichen laut Webseite des Investors von 242.000 Euro bis 2,8 Millionen Euro. Verantwortlich für die Umbaupläne mit dem Namen ÜBerlin sind Fuchshuber Architekten aus Leipzig, die den 120 Meter hohen Verwaltungsbau im Auftrag der CG Gruppe überformen werden. 2021 soll das Haus bezugsfertig sein.
Der graue Charme des Hochhauses mit seinem etwas brachialen Sockelbereich, das den schönen Namen Steglitzer Kreisel trägt, wird bald Vergangenheit sein. Über die neue Fassade schreibt der Investor: „Die eher abweisende Gradlinigkeit des ursprünglichen Entwurfs als Bürohochhaus weicht einer hellen, transluzenten Fassadengestaltung mit großzügigen Glasflächen, Aluminiumpaneelen, auskragenden Loggien und Balkonen mit gläsernen Brüstungen.“
Der Steglitzer Kreisel ist eines von zwei aktuellen Projekten in Berlin, bei denen die CG Gruppe ein ehemaliges Bürohochhaus zum Wohnhochhaus umbaut. In Kreuzberg sind Eike Becker_Architekten mit Plänen für den Umbau des ehemaligen Postscheckamts am Halleschen Ufer zum XBerg Tower beauftragt. Das Objekt soll im Jahr 2022 bezugsfertig sein. (gh)
Aber leider darf die Stadt nicht als Entwickler auftreten (zumal sie pleite ist, was aber keine Ausrede ist bei dem Investorendruck der hier herrscht) und Querfinanzierungsmodelle scheinen nicht erlaubt. Wo es doch eigentlich so simpel wäre dem Investor zu zwingen eine günstigere Miete der unteren Geschosse durch die teuren oberen Eigentumswohnungen finanzieren zu lassen. Was wiederum für unsere Gesellschaft gut wäre um diese ewige sozial homogen Gebäuden zu heterogen Gesellschaften zu wandeln. Gesellschaftliche Integration hat auch was mit Architektur zu tun! Aber wahrscheinlich hängen solche Entscheidungen auch an individuellen politischen Kontakten und Interessen und nicht an gesellschaftlichen Interessen.
Schade, daß keine öffentliche Nutzung des Hochhauses vorgesehen ist. Auch äußerlich hatte das Gebäude seinen Reiz. Das Kudamm-Karree-Hochhaus sah ja bis in die 1990er-Jahre ähnlich aus, und wenn der Kreisel erst umgestaltet ist, bleiben nur noch das Europa-Center und das Postscheckamt als typische Beispiele des "International Style" (heißt der so, weil diese Gebäude auf der ganzen Welt gleich aussehen?) übrig mit ihrer strengen, dunklen Glasfassade. Und das Postscheckamt wird ja wahrscheinlich auch bald verhübscht.
Was die architektonische Erscheinung betrifft, haben die vorherigen Kommentare alles schon gesagt, ausser vielleicht, dass dieses Transluzenz-Gequatsche aus den ärmlichen Verkaufsbroschüren natürlich völlige Augenwischerei ist...