Dietenbach kommt
Freiburger stimmen für neuen Stadtteil
Es ist eines der größten Wohnbauprojekte in Deutschland. Im Westen von Freiburg, zwischen dem Stadtteil Rieselfeld und dem Autobahnzubringer Mitte, plant die Stadt auf 110 Hektar 6500 Wohnungen für rund 15.000 Bewohner. Die Entwürfe dazu stammen von K9 Architekten (Freiburg), Latz+Partner (Kranzberg), StetePlanung (Darmstadt), endura kommunal und Stahl + Weiß (beide Freiburg). Doch Landwirte und Bürger hatten sich in der Bürgerinitiative „Rettet Dietenbach“ für den Erhalt des Geländes als Landwirtschaftsfläche, Kulturlandschaft und Naherholungsgebiet eingesetzt und Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt, der vergangenen Sonntag, am 24. Februar, stattfand.
Das Ergebnis: Freiburgs neuer Stadtteil Dietenbach kann gebaut werden. 60 Prozent waren für das geplante Quartier, 40 Prozent dagegen. Die Wahlbeteiligung unter den rund 170.000 Stimmberechtigten lag bei 49,6 Prozent, mindestens 20 Prozent waren nötig. Das Quorum wurde somit erreicht, und die Abstimmung ist bindend.
Mit ihrem Entwurf hatte das Architektenteam im Oktober 2018 den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen. Entsprechend des Plans sollen auf dem Gelände sechs Quartiere um zwei langgestreckte Grünzonen entlang zweier Bäche entstehen. Darin liegt jeweils ein Platz mit Läden und Cafés. Von den 6.500 anberaumten Wohnungen wird die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau 1.500 Wohnungen errichten, das Studentenwerk hat 700 Studierendenwohnungen angekündigt. Zudem sollen Baugruppen und Genossenschaften zum Zuge kommen. Eine 50-Prozent-Quote für geförderten Mietwohnungsbau ist vom Gemeinderat bereits beschlossen.
Zum Mobilitätskonzept gehören die vom Stadtteil Rieselfeld verlängerte Straßenbahn, Fuß- und Radwege sowie Quartiersgaragen mit Carsharingangeboten. Zudem sind Stadtteilzentren, ein „Haus des Glaubens“, Schulen, vier freistehende Kitas sowie zusätzlich 18 Kinderbetreuungseinrichtungen in den Erdgeschosszonen geplant. Die meisten Häuser sollen vier bis sechs Geschosse haben, fünf Hochhäuser mit bis zu 20 Geschossen sind an den Quartierseingängen angedacht. Ein Jahr werden die Architekten nun voraussichtlich am städtebaulichen Entwurf arbeiten, danach wird der B-Plan erstellt. Baubeginn der ersten Häuser könnte im Jahr 2024 sein.
Baden-Württemberg führte 1956 als erstes deutsches Bundesland die Möglichkeit von Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden ein. Für ein Bürgerbegehren in Baden-Würtemberg müssen Unterschriften von mindestens 7 Prozent aller stimmberechtigten Einwohner der Gemeinde gesammelt werden. In Freiburg sind das Freiburg ca. 12.000 Unterschriften. Ein Bürgerentscheid ist in Baden-Würtemberg erfolgreich, wenn mindestens 20 Prozent der zur Stimmabgabe bei der Kommunalwahl berechtigten Einwohner die gestellte Frage eindeutig mit Ja oder mit Nein beantwortet haben. Bis 2005 waren 30 Prozent nötig, bis 2015 lag der Prozentsatz noch bei 25.
In Freiburg fanden bisher fünf Bürgerentscheide statt. Im Jahr 2006 etwa stimmte die Mehrheit gegen den Verkauf städtischer Wohnungen. Und im Jahr 2015 sprachen sich die Freiburger für den Bau eines neuen Stadions für den SC Freiburg aus. (fm)
Und was die Sanierung der Altstädte angeht, sind wir in Deutschland mit u.a. der Städtebauförderung ziemlich gut dabei. Hier sind die Förderquoten und sonstigen Anreize so hoch, dass ein Auslassen der Sanierung dann meist am Unwillen der Gemeinde liegt.
Der Bedarf an Wohnraum pro Person mag in den letzten Jahrzehnten gestiegen sein, aber auch das liegt vor allen Dingen an den Möglichkeiten, die man dort hat, wo Bauflächen noch großzügig vorhanden sind - also in kleineren Städten und Gemeinden und im ländlichen Raum. Großstädte haben jedenfalls eine weitaus geringere Inanspruchnahme von Wohnraum pro Person als der Bundesdurchschnitt.
Und dass man in Jena studieren und Bahnfahren kann, ist schön für Jena - es macht die Stadt trotzdem nicht so attraktiv wie unsere großen Zentren (Hamburg, Frankfurt, München, Berlin etc.). Die Möglichkeiten in Letzteren sind einfach weitaus vielfältiger, besonders in beruflicher Hinsicht. Das wird man so schnell nicht ändern können - und wenn, dann muss sich Jena ändern, nicht Frankfurt...
So ein Unsinn. Der Zuzug in die kleinen Städte führt ebenfalls schon zu massiven Flächenversiegelungen, denn die meisten wollen auch dort in modernen Wohnungen/Häusern leben. Und das führt vor allem zu einem noch massiveren Ausbau der Infrastukturen, den größten Flächenfressern - denn letztere werden von den Zuzüglern benötigt, um die besser bezahlten Arbeitsplätze in den Metropolen anzufahren.
Merke: die Stadt der kurzen Wege ist die Zukunft!
Beste Grüße dennoch!
Und dann sollte man sich auch den Webauftritt der Gegner des Stadtviertels anschauen ... Nur so zum Ausgleich. Denn diese haben eines überhaupt nicht: Eine Antwort auf den massiven Wohnungsmangel in Freiburg. Man kann halt dummerweise keine Mauer um eine Dynamische Stadt bauen.
Kleine Anmerkung am Rande: insbesondere die Studierendenvertretung Freiburgs hat sich für den neuen Stadtteil ausgesprochen.