Farbklecks in den Schweizer Alpen
Freibad-Restaurierung von akkurat
Das Freibad war – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des damaligen Hygienediskurses – eine klassische Bauaufgabe des Neuen Bauens. Modernen Architekten und Ingenieuren eröffnete sich ein ideales Experimentierfeld. Das zeigt nicht nur das bekannte Wannsee-Bad von Martin Wagner in Berlin, sondern auch das Gruebi-Bad von Beda Hefti in einem Schweizer Alpendorf, das sich mit seinen farbigen Pavillonbauten vor der Kulisse traditioneller Holzhäuser am Gebirgshang geradezu exotisch absetzt.
In den letzten Jahren jedoch verfiel die Anlage, die Hefti 1931 feinfühlig in die dramatische Topografie eingebettet hatte. Sie stand schließlich kurz vor der Schließung. 2016 entschied sich die Gemeinde Adelboden dann doch für eine denkmalgerechte Sanierung. Umgerechnet 2,6 Millionen Euro sah man dafür vor, beauftragt wurden akkurat bauatelier aus Thun. Nach einjähriger Planungs- und Recherchephase sowie einem weiteren Jahr für die Sanierung selbst, rückten die Architekten die Anlage wieder nahe an seinen ursprünglichen Zustand. Tatsächliche Kosten: umgerechnet 4,4 Millionen Euro.
Höhere Kosten, dafür aber besondere denkmalpflegerische Sorgfalt. Die Architekt*innen standen vor der schwierigen Aufgabe, die Anlage den aktuellen Anforderungen an Statik, Technik und Barrierefreiheit anzupassen und gleichzeitig die Formensprache der 1930er Jahre zu erhalten. Wichtigste Quelle für ihre Sanierung waren die noch vorhandenen Baupläne Heftis sowie historische Fotoaufnahmen. Selbst die ursprünglichen Farben von 1928 in Silikattechnik, die Ende des 19. Jahrhundert von Adolf Wilhelm Keim für Mineralfarben entwickelt wurde, konnten sie ausfinding machen.
Nach dem denkmalpflegerischen Leitsatz „Bewahren und Ergänzen“ stellten akkurat den Originalzustand wieder her, soweit dies technisch und materiell möglich war – bis hin zum mühevollen Abkratzen einer zwei Zentimeter dicken Kalkschicht an den Fliesen der Duschkabinen. An anderer Stelle wurde im Sinne des Originals ersetzt, wie etwa die angepassten Fensteröffnungen des Restaurants. Als Neuinterpretation der damaligen Schiebefenster lassen sie sich nun dank eines eigens entwickelten Mechanismus komplett hochstellen.
Beda Heftis Einbettung eines 50-Meter-Beckens in das steile Gelände war eine Meisterleistung, daher änderten akkurat das städtebauliche Gefüge des Gruebi-Freibads nur minimal. In den knapp 90 Jahren seiner Existenz etwa hatte sich ein Beckenende gegenüber dem anderen um 12 Zentimeter vertikal verschoben, was eine Ausnivellierung erforderlich machte. Das neue Becken verfügt nun über Verstärkung mit Kohlefaserlamellen und über einen Nichtschwimmerbereich.
Den Sprungturm reduzierten akkurat aus Sicherheitsgründen – da das Becken aus heutiger Sicht nicht tief genug ist – von fünf auf drei Meter. Gegen Norden erweiterten die Architekt*innen die Anlage um ein Beachvolleyballfeld, auch Liegewiese und Restaurantfläche wurden vergrößert. Denn neben Bewahren und Ergänzen bezogen akkurat noch ein anderes Motiv in ihre Sanierung mit ein: „Im Vordergrund steht heutzutage für viele Besucher nicht mehr wie in den 30er-Jahren die sportliche Ertüchtigung, sondern die Erholung, der Spaß und der Genuss. Darauf muss die Anlage ausgerichtet sein“, so die Architekt*innen. (sj)
Fotos: David Bühler
im Gegensatz zu den Dauer- und Vielkommemtatoren geben Sie sich die Mühe präziese, pointiert und fundiert zu schreiben. Danke dafür, auch wenn ich selten ihrer Meinung bin.
Ich darf dennoch annehmen, dass Sie den Zusammenhang von Vergangeheit und Gegenwart für sich erkannt haben und aus diesen Erkenntnissen die Zukunft für sich gestalten. Und von nichts anderem war (im Zusammenhang der auf die Architektur bestimmten Kommentare) die Rede ...Um zum Schluss zum Friede: die erste Arschbombe in diesem Freibad gebührt selbstverständlich Ihnen!
Ich muss Sie aus gegebenem Anlaß aber nochmal darauf hinweisen, dass Sie es waren und nicht ich, der die 'Vergangenheit' in die Argumentation eingeführt hat. Jetzt geht es ihnen auch noch um das Hier und Jetzt und dann auch noch um das, was zukünftig ist (oder sein kann) - na ja, sie müssen es wissen. Mein Geschmacksurteil: Mir gefällt das Bad, so ich es denn den Bildern nach beurteilen kann, ganz gut und ich bin recht zuversichtlich, dass sich eine Menge Nutzer*innen darüber freuen werden. Ihnen gefällt es halt nicht, sie halten es sogar für falsch weil sie der Meinung sind, dass es sich nicht mit dem Kontext verträgt (es heißt übrigens "komplementär"). Dass wird dennoch niemanden vom Baden abhalten. Nun denn: Jedem Böhnchen sein Tönchen. "Frau ixamotto" trifft es übrigens auch nicht so ganz, aber wenn Sie unbedingt wollen, leben Sie sich ruhig aus.
Ich darf jedoch noch einmal in Erinerung rufen: Die Farbe und der Kontext war der Anlass meines Kommentars; das m.M. nach falsche Verständis des denkmalpflegerischen Ansatzes, nicht die Römer, auch nicht die Griechen... Es geht ums Hier und ums Jetzt und darum was zukünftig ist. Sie werden es ja auch wissen als eine vermutlich im Bauwesen schaffende, dass unsere Arbeit ganz anders mit dem Faktor Zeit und dem Maßstab Raum korelliert als beispielsweise die Arbeit eines Bademeisters. Auch wenn ich es bereits sagte, wiederhole ich es gern: mir fehlt hier der Kontext - Denkmalpflege ja, aber nicht primär. Sofern Sie sich dazu äußern möchten, bin ich auf Ihre Ausführung zu Ihrem bereits erwähnten persönlichem Geschmacksurteil sehr gespannt.
Ich gehe davon aus, dass sie mit der Wahl ihrer Worte etwas Bestimmtes sagen und ein bestimmtes Urteil fällen. Und daran habe ich meine Zweifel geäußert, weil ich eine andere Ansicht vertrete. Eher in alltäglicher Vorgang in einem Diskussionsforum, als eine Mission.