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03.05.2023

Buchtipp: Stasi-Vergangenheit in Leipzig

Fotoband zum Matthäikirchhof


Der Matthäikirchhof in der Innenstadt Leipzigs ist ein historisch aufgeladener Erinnerungsort. Die namensgebende Kirche brannte im Zweiten Weltkrieg ab. In den Jahren 1979–85 entstand hier ein Gebäudekomplex, den sich die Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit und die Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei teilten. Zu dem Block, der festungsartig einen Innenhof umschließt, gehören neben den beiden DDR-Bauten die sogenannte „Runde Ecke“ – ein Bürogebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert in dem heute eine Gedenkstätte und das Stasi-Unterlagenarchiv untergebracht ist – sowie ein Anbau aus der Nachkriegszeit.

Nach mehreren Zwischennutzungen, hat die Stadt Leipzig heute lediglich noch einige Büroräume auf dem Areal. Die übrigen Flächen stehen weitgehend leer und sind vom Verfall gezeichnet. Nun soll der Komplex zu einem nutzungsgemischten, urbanen Quartier mit besonderen öffentlichen Funktionen entwickelt werden, schreibt die Stadt auf ihrer Webseite. Vorgesehen sind unter anderem der Neubau eines zentralen Archivs für die sächsischen Stasi-Unterlagen sowie ein Forum für Freiheit und Bürgerrechte.

Wie das Areal aussehen und wie mit den DDR-Bauten umgegangen werden soll, möchte man bald in einem städtebaulichen Wettbewerb entscheiden. Im Kontext dieser Debatten ist das Fotobuch Matthäikirchhof von Iona Dutz entstanden, das aktuelle Bilder des Bestands aus den Jahren 2020 bis 2022 zeigt. Neben den Fotografien bietet die Publikation Textbeiträge des Kunsthistorikers Arnold Bartetzky und der Kulturwissenschaftlerin Uta Bretschneider, der Künstlerin Anke Hannemann sowie des Historikers Anselm Hartinger.

Die Bilder und Texte beschreiben einen unwirtlichen und beklemmenden Ort, verweisen aber auch auf baukünstlerische Details wie die Betonelemente der Treppenhausfassaden als Varianten des Formsteinprogrammes der Künstler Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht oder die Natursteinfassade im Erdgeschoss. Das Buch macht Lust, sich mit dem Areal und der in den Gebäudemauern eingeschriebenen Geschichte auseinanderzusetzen. Es ist ein wichtiges Plädoyer für einen behutsamen Umgang auch mit historisch schwierigen Denkmälern der DDR-Architektur.

Text: Sophie Marthe

Matthäikirchhof
Iona Dutz
80 Seiten
sphere publishers, Leipzig 2023
ISBN 978-3-910737-00-6
28 Euro


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