Keramikkleid für die Mikrostrukturphysik
Forschungsbau in Halle (Saale) von Burckhardt Architektur
Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften gehört zu den wichtigsten Institutionen in Deutschland für die Grundlagenforschung in nahezu allen Bereichen. Sie ging 1948 aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hervor, ihr Stammsitz ist bis heute Berlin. 1992 gründete sie ihren ersten Campus in einem der fünf neuen Bundesländer in Halle (Saale); er liegt in einem ehemaligen Weinberg nordöstlich von Halle-Neustadt am linken Saale-Ufer.
Das Institut in Halle ist der Mikrostrukturphysik gewidmet. Dazu gehört unter anderem die Erforschung und Entwicklung von Spintronik-Materialien, neuromorphen Bauteilen und die Nanophotonik. 2020 fiel die Entscheidung für einen rund 70 Millionen Euro teuren Neubau als Ergänzung des Campus‘. Dieser bietet auf knapp 12.000 Quadratmetern Nutzungsfläche Büros und Laborplätze sowie einen besonders großen Reinraum. Der Entwurf stammt von Burckhardt Architektur (Basel/Berlin/Bern u.a.).
Um den Neubau in die hügelige Topografie und zwischen die alten Bäume einzupassen, gliedert er sich in drei Teile mit unterschiedlichen Höhen. Mittig steht das Bürogebäude, vor dem ein kleiner Stadtplatz angelegt wurde. Der Trakt im Norden enthält die Labore, der im Süden den Reinraum mit allen Zugangsschleusen, die dafür sorgen, dass die Experimente in nahezu staub- und keimfreier Luft durchgeführt werden können.
Sämtliche Fassaden bestehen aus blaugrün glasierten Keramikelementen über einem Sichtbetonsockel. An den horizontalen Fensterbändern zeigen sich die Unterschiede der inneren Raumaufteilung, während das glänzende Keramik-Kleid die Zusammengehörigkeit der Gebäude betont, so die Architekt*innen. Die schimmernde Hülle reflektiert das wechselnde Tageslicht und passt zur kleinteiligen, grünen Nachbarschaft auf dem ehemaligen Weinberg, dessen Hügel nach Osten bis zum Ufer der Wilden Saale an der Peißnitzinsel abfallen. (fh)
- Architektur:
- Burckhardt Architektur
- Projektteam:
- Jörg Wich (Gesamtverantwortlicher), Moritz Wrner, Gunnar Rekersdrees und Golnar Isrusch (Projektleitung), Michael Funke, Robert Eisenmann, Claudai Wehber, Faiz Al Kurdi, Anja Retzlaff, Mohamed Aleinawi, Per Köngeter, Lukas Witalinski, Pablo Menendez
- Bauleitung:
- Michael Funke, Robert Eisenmann
- Landschaftsplanung:
- Claudia Scheffel, Leipzig
- Laborplanung und TGA:
- DERU Planungsgesellschaft, Dresden
- Tragwerk:
- ISP-Scholz Beratende Ingenieure, Leipzig
- Brandschutz:
- Brandschutzbüro Uhlenhut, Leipzig
- Bauherrschaft:
- Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, München
- Fläche:
- 11.971 m² Nutzungsfläche
Mehr zu keramischen Fassaden bei BauNetz Wissen




