Schmuckkästchen in Essen-Werden
Folkwang-Bibliothek von Max Dudler eingeweiht
Herbst in Essen-Werden. Auf dem Campus der Folkwang-Universität der Künste wurde Ende September die neue Bibliothek von dem Berliner Büro Max Dudler Architekten, das 2007 den dazu ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte, eingeweiht und in Betrieb genommen. Neben den Folkwang-Beständen sind hier die ehemalige musikwissenschaftliche Bibliothek der Ruhr-Universität Bochum und die früheren Bestände der Musikpädagogik der Universität Duisburg-Essen untergebracht: Ein Haus für 200.000 Bücher, Zeitschriften, Noten, Ton- und Bildtonträger.
Das Grundstück des neuen Bibliotheksgebäudes liegt im Spannungsfeld der geometrischen Ordnung der barocken Abteianlage St. Ludgerus und gerät an ihren Rändern in Konflikt mit einer abschüssigen Topographie. Auf dem Sockel einer vorhandenen Stützmauer aus Bruchsteinen steht ein prismatischer Baukörper, der sich im Süden am Verlauf der Straße orientiert. In Anlehnung an die städtebauliche Figur des 19. Jahrhunderts entspricht das neue Gebäudevolumen zum Ehrenhof in seinen Abmessungen dem gegenüberliegenden Preußenflügel und ersetzt damit den verlorenen Lazarettbau.
Das neue Haus orientiert sich laut den Architekten an dem Bild eines „Schmuckkästchens“: Eine opake Hülle schützt den wertvollen Kern. Die Funktionsbereiche gruppieren sich in Schichten um den Lesesaal im Zentrum des Hauses. In strenger Ordnung sind um ihn herum die Bücherregale angeordnet, die, der Funktion einer Bibliothek entsprechend, dem gesamten Gebäude Maß und Struktur geben.
Vom Ehrenhof erfolgt der Hauptzugang zur Bibliothek über eine Freitreppe, die in typologischer Annäherung an die Eingänge der anderen Gebäude am Hof gestaltet wurde. Der Zugang vom Klemensborn aus dient als Notausgang. Ausleihe, Medienzellen, Verwaltung und Garderobe befinden sich im Erdgeschoss, der Lesesaal im ersten Obergeschoss. Die kompakten Archivbereiche der Bibliothek sind im Souterrain untergebracht.
Besonders ist die transluzente Glasfassade des Baus. „Jede Scheibe der Glasfassade zeigt eine großformatige Nahaufnahme eines Steinbruchs. Der unbehauene, plastische Stein ist auf den Fotografien im Originalmaßstab wiedergegeben“, erläutern die Architekten, die die Fassadegestaltung in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Stefan Müller entwickelt haben. Dessen Fotoarbeiten wurden mit einem Spezialverfahren direkt auf die Verglasung aufgebracht. Wie bei der Scagliola-Technik der Renaissance, dem Stuckmarmor, wird die Illusion eines Materials erzeugt. Durch diese transluzente Hülle bricht der Baukörper spielerisch die Grenzen zwischen innen und außen auf. Die Gänge an der Außenfassade sind in ein gefiltertes, weiches Licht getaucht.
Die Gesamtkosten des Neubaus betrugen 7,4 Millionen Euro. Finanziert wurde die Folkwang-Bibliothek mit 2.450.000 Euro durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und 4.950.000 Euro durch das Land NRW.
Fotos: Stefan Müller, Berlin
Das Innere des Kastens ist bekannt. Es steht schon in Münster, die große Tante in Berlin. Der Architekt kann eigentlich nichts für diese Fehlentscheidung einer Jury, die wohl gerne die Münsteraner Bibliothek noch mal in Essen gesehen hat. Der Architekt schlägt eben den Typ vor, den er mal entwickelt hat. Für den Städtebau hat sich der Architekt selbst gelobt. Er hat nachvollzogen, was dort vor der Kriegszerstörung einmal stand: die verlängerten Hofarme einer barocken Residenz eines Fürstabtes. Heute reicht der Standort nicht mehr aus, weil diese Residenz inzwischen eine Universität des Tanzes und der Musik geworden ist. In der Geschichte sind nicht immer die besten Entscheidungen getroffen worden. Der Architekt hat nicht die G e l e n k funktion dieses Ortes zu den seitlich gelegenen Gebäuden des Musikkammersaals, des ICEM, der Aula, des Tanzhauses, der Mensa erkannt. Der Architekt ist in der Historie gefangen geblieben. Im war die historische, aus der Proportion geratene Raumfigur ohne alle Not wichtiger, als der inhaltliche Zusammenhalt: disziplinär und inhaltlich. Die Jury ist auch hier gefolgt. Schade.
Herr Weigand schreibt in seinem Kommentar von der an Form armen Architektur mit banaler Wirkung. Ich denke, er hat recht. Als vorsichtiges Fazit möchte ich formulieren, dass dies kein gelungener Entwurf ist.
Ein überzeugendes Gebäude schaffen und dann in Essen ein Kind gebären lassen... Ich war gestern noch im Grimm-Zentrum in Berlin, von daher kann ich mir die Reise nach Essen schenken. Ich muss nur auf eine Wandecke starren und mich nach Essen denken, dann kann ich auch hier bleiben. Aber immerhin, das Geld welches man an der Terrassierung eingespart hat wurde für eine neue Fassade aufgewandt.
Steinbedruckte Glasfassade--noch mehr Strenge, bloß nicht rausgucken können und das um jeden Preis. Beim Original in New Haven macht es einfach Sinn und ist Konzept durch und durch. Sorry, aber ich finde es ist mal wieder so eine typische "Architekten erziehen den Nutzer"-Kiste.