Ein Zimmer mehr oder weniger
Flexibles Wohnen in Barcelona
Wenn sich räumliche Bedürfnisse ändern, stehen Mieter in Städten mit angespannten Immobilienmärkten oft vor einem großen Problem. Aus Angst, keine neue Wohnung auf adäquatem Preisniveau zu finden, verharren Ältere in plötzlich viel zu groß gewordenen Apartments, während junge Familien versuchen, sich irgendwie in zwei Zimmern zu arrangieren. Wenn man bloß ein Zimmer abgeben oder dazu bekommen könnte... In Barcelona hat das ortsansässige Büro MAIO ein Mietshaus entworfen, indem genau dies dank flexibler Grundrisse potenziell möglich wird: Das Projekt umfasst, wie sein Name 110 Habitaciones schon sagt, 110 fast gleich große Räume, die zu verschiedenen Wohneinheiten kombiniert werden können.
MAIO greifen bei der Gestaltung der Fassade mit traditioneller Kalk-Gips-Putzoberfläche und vorgesetzten Balkonen sowie der inneren Anlage des Volumens die Bautypologie der unmittelbaren Umgebung auf – der Neubau steht im Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Stadtbezirk Eixample. Und der ist durch ein regelmäßiges Straßenraster und gleichförmige oktogonale Häuserblocks mit großen grünen Innenhöfen aus der Zeit des Modernisme, des katalanischen Jugendstils, geprägt. Die dortigen Gebäude zeichnen sich durch Wohnungen mit einander gleichgestellten Räumen und damit maximaler Nutzungsoffenheit sowie durch mondäne Vestibüle mit großzügigen Treppenaufgängen und Lichthöfen aus. Die Architekten übersetzen die klassische Form des Eingangsfoyers mittels geometrischer Figuren, edel wirkender Marmoroberflächen und knalliger Farbakzente in Pink und Gelb in eine zeitgemäße Designsprache.
Das Haus mit einer Gesamtfläche von 2.795 Quadratmetern verfügt über je 20 Räume auf fünf Geschossen, die gegenwärtig in jeweils vier identisch dimensionierte Wohnungen unterteilt sind – die eine Hälfte blickt zur Straße, die andere in den Hof, dazwischen liegt der innere Erschließungskern mit Treppenhaus und Lift. Im hinteren Teil des Erdgeschosses befinden sich darüber hinaus zwei Maisonettes. Im Laufe der Zeit könnten sich die Wohnungsgrößen nach und nach verändern, mit Grundrissplänen illustrieren die Architekten die Bandbreite der möglichen Variationen. Die Apartments kommen ohne Flure aus, man betritt sie über eine zentral gelegene Küche, von der aus alle anderen Zimmer zu erreichen sind. Schiebetüren, die in den Wänden verschwinden und interne Fenster schaffen eine enge Verbindung der einzelnen Räume. Die Bäder sind so positioniert, dass räumliche Adaptionen problemlos realisiert werden können. (da)
Fotos: José Hevia
Kitsch und Zeitgeist-Pop
Außerdem muss ich @Frank zustimmen, dass der Gestaltungsfehlgriff sich auch in den Grundrissen weiterzieht
- innenliegende Küchen sind wohl nicht sonderlich praktisch
- Durchgangszimmer sind optisch erstmal reizvoll, aber wer will das einem durch seinen privaten Rückzugsbereich jemand durchläuft. Privatheit ist bei der dargestellten Gestaltung grundsätzlich schwierig.
Allerdings zweifle ich solche Themen grundsätzlich an, wie hoch muss der Zufall sein, dass die Nachbarwohnung genau in dem Moment in dem der Nachbar ein Zimmer mehr braucht eins wenig braucht. Solche Konzepte sind für den Erstbezug sinnvoll aber später wird wohl die Anwendung äußerst selten sein.
Phantastische Erdgeschosszone mit einer phänomenalen Gestaltung und Materialität. Die Maisonett-Wohnungen sind der Hit.
Die Grundrisse ziemlich smart und wirklich flexibel.
Die Durchgangszimmer stören kaum; sieht man sich Japan an, stellt man zu weilen eine vollige Abwesenheit von abtrennbaren Zimmern fest (auch im Neubau).
Da würde ich auch hierzulande offener für andere raumkonzepte sein.
Bravo! an den Architekten und den Bauherren.