Holz und Hightech in der Oberpfalz
Firmensitz von J. Mayer H. und Partner
Die Startupgarage ist integraler Bestandteil des Gründungsmythos vieler amerikanischer Technologieunternehmen. Das oberpfälzische Falkenberg, ein 1.000-Seelen-Gemeinde 60 Kilometer östlich von Bayreuth, fügt solchen Narrativen einen eigenen Akzent hinzu. Der dortige IT-Spezialist IGZ wurde einst in einer umgenutzten Scheune gegründet. Das passt insofern gut ins Bild, als dass die Verankerung im ländlichen Raum als wichtiges Element der Unternehmenskultur verstanden wird. Das im Herbst 2020 fertiggestellte neue Hauptgebäude von J. Mayer H. und Partner (Berlin) verbindet das Thema Bodenständigkeit mit den Anforderungen an eine zeitgenössische Arbeitsumgebung.
Der Neubau befindet sich am höchstgelegenen Punkt des Firmenareals, dessen Masterplan in den nächsten Jahren noch weitere Bauten vorsieht. Das nun fertiggestellte Projekt geht auf einen geladenen Wettbewerb aus dem Jahr 2018 zurück. Derzeit arbeiten rund 500 Mitarbeiter*innen für IGZ, einer Ingenieurgesellschaft, die sich mit Softwarelösungen für Produktion und Logistik beschäftigt. Die besondere Rolle, die solche großen Mittelständler hier und anderswo in Europa für abgelegenere Regionen spielen, kommt nicht nur in der finanziellen Förderung solcher baulichen Maßnahmen zum Ausdruck. Auch die Architektur mit ihrem signalhaften Charakter verkörpert dies. Die Gestaltung der Außenanlagen stammt von S H L Architekten und Stadtplaner aus dem benachbarten Weiden.
Die Architekt*innen konzipierten einen 120 Meter langen Stahlbetonskelettbau, dessen diagonale Tragstruktur für eine technisch-konstruktive Anmutung sorgt. Auch mit Assoziationen von brutalistischen Klassikern liegt man sicherlich nicht falsch. Ein nicht unwesentlicher Unterschied zu solchen Referenzen ist allerdings, dass vieles, was hier in der Fassade nach Beton aussieht, tatsächlich aus grau lasiertem Holz besteht. Der zurückhaltende Grundton wird im Inneren wiederum mit fein verarbeitetem Holz kontrastiert. Auch alle räumlichen Unterteilungen sind neben Glas aus Holz gefertigt. Über einem mehrgeschossigen offenen Eingangsbereich, der im Außenraum deutlich ablesbar ist, erfolgt der Zugang zum Gebäude. Das verfügt über eine Bruttogrundfläche von 8.000 Quadratmetern.
Dem Anspruch eines Softwareunternehmens an ständig wechselnde Projektkonstellationen wurde vor allem dadurch entsprochen, innerhalb der Grundstruktur für maximale Flexibilität zu sorgen. Aus dem Foyer geht es über eine dreieckige, mit Lichtbändern fast schon theatral inszenierte Treppe in die oberen Geschosse. Die sind als Multispace-Büro organisiert, was bedeutet, dass sich offenere und geschlossenere Bereiche abwechseln und das Mobiliar leicht angepasst werden kann. Angesichts der Eröffnung mitten im Corona-Herbst war letzterer Aspekt natürlich dienlich, lassen sich so doch die aktuellen Distanz- und Hygienevorschriften leicht umsetzen. (sb)
Fotos: David Franck
Viel schlimmer empfinde ich diese schwülstig und klobig proportionierte und mir sich kaum erschließende Designfassade. Weder in der materiellen Kombination noch in der gesamten Funktion. Aber ich bin ja auch "nur ein Architekt". Die recht gewöhnliche Gebäudestruktur lässt ja schöne Bezüge in die vorhandene Natur erhoffen - die dann aber durch diese fetten Streben und das unsinnige gezappel geraubt werden. Ich hoffe dem Bauherren bleibt ob der Materialkombination ein Desaster vergleichbaren Ausmasses wie das an der so berühmten Mensa Moltke erspart. Das 2007 eröffnete Nutellabrötchen steht nun seit gefühlt 3 Jahren eingehaust da und ist ein desaströser Sanierungsfall.
Geht auch mit Verspannungen, sowohl innen als auch außen. Das macht alles zum Innen. Da gehts eigentlich weiter für Mayer, Gruß an Andre Santer. Die Treppe hier kann sich winden wie sie will, sie greift doch meinen Raum nicht. Die gerundeten hölzernen Einbaumöbel sind Relikte dieser Möglichkeit, aber sie greifen ihn auch nicht mehr. Seit Hadid ist diese Entwicklung abgebrochen, wobei Mayers Raumstreben besser waren. Ganz hier, nicht nur schnell weg.
For me the failure to articulate, and thus communicate, its inherent material qualities is the biggest problem with this project. The lack of scaling is also an issue but the size - and I surely have no problem with bigness but this is simply out of control - would be much more forgivable if the natural qualities of the material weren't willingly and knowingly erased. The same mistake happened to "Epoxy Mensa" in Karlsruhe. I know many of the architect's projects but I can only name two that, in my eyes, deserve being labelled good architecture: his early work Scharnhauser Park and Metropol Parasol. Everything else is German Quietschekram of little international relevance.