Wellen-Relief
Fassade von Hild und K in München
Aus der Ferne betrachtet ist es nur ein kleines Detail. In schmalen horizontalen Abschnitten wellt sich die helle Fassade zu einem feinen Relief. Die Nachbarhäuser sehen neben dem Wellen-Relief fast etwas steif aus. Die neue Hülle für das Wohnhaus mitten in München stammt von dem Münchner Büro Hild und K Architekten. Diese überraschen also wieder mit einer Neuinterpretation, anstatt die ursprünglich spätklassizistische Fassade detailliert zu rekonstruieren.
Das Mehrfamilienhaus steht am Anfang der Reichenbachstraße nur wenige Gehminuten vom beliebten Gärtnerplatz. Das Viertel, eine der bedeutendsten Stadterweiterungen aus dem 19. Jahrhundert, steht heute unter Ensembleschutz. Die Architekten beabsichtigen, mit der Sanierung des Hauses die Spannung zwischen historischem Erbe und aktueller Gegenwart heraus arbeiten: „Die dreiteilige Gliederung der Fassade greift ein seinerzeit gängiges Gestaltungsmittel, sogenannte Bossen, auf und verfremdet es zugleich: Durch unterschiedliche Höhe der einzelnen – hier in Putz ausgeführten – überstehenden Elemente entsteht ein wellenförmiges Relief. Diese Fassadenstruktur erzeugt ein je nach Sonnenstand und Blickwinkel differenziertes, eindrucksvolles Schattenspiel“, heißt es in der Erläuterung.
„Die ursprünglich antikisierende ‚Schwere‘ der Bossen gerät dadurch in einen reizvollen Gegensatz zur Beweglichkeit der Lichtstimmungen. Der spielerische Umgang mit kontrastierenden Gestaltungselementen und das prägende Wellenmotiv finden ihre Fortsetzung im ruhigen Innenhof. Organisch geformte, in den Etagen intelligent zueinander versetzte Balkonflächen laufen über die gesamte Gebäudebreite und erzeugen ein Wechselspiel aus Enge und Weite, Privatheit und Offenheit. Erschlossen werden sie durch raumhohe Fenstertüren, wodurch sich die Belichtungssituation der Wohnungen wesentlich verbessert.“
Die bestehende Raumeinteilung im Gebäudeinneren ist weitgehend erhalten geblieben. Die Belichtung wurde durch neue großzügige Durchgänge verbessert. Mit ihrem typischen Altbaucharme bieten die Wohnungen alles, was die Seele des modernen Münchners liebt: großzügige Räume mit hohen Decken, modern interpretierter Stuck an Decken und Wandflächen, Fischgrätenparkett und Doppelflügeltüren.
für mich ein schönes Beispiel für Bauen im Bestand. Mir sind die Wellen überhaupt nicht zu ironisch, ich finde es gut und eine ausgesprochen schöne Idee .
Ob es hier jetzt zu Wassernasen im Laufe der Jahre kommt, finde ich eine kleinliche Diskussion, wir schwatzen doch alle mal unseren Bauherren kleine Wagnisse auf...
Die Balkone an der Hofseite sind mir schon fast ein bischen zu verspielt. Das Schwarz ist mir hingegen ein wenig zu düster. Die Geländerstäbe so unterschiedlich anfertigen zu lassen, dass es zu diesen Wellen kommt ist extrem und vielleicht dem Material nicht angemessenes "Kunsthandwerk".
Die Fensterlaibungen an der Strassenfassade würden mir mit unterem Laibungsteil, also komplett umlaufender Laibung, besser gefallen.
Aber das sind alles nur kleine Kritikpunkte die ich persönlich so sehe.
Kein Grund für mich, das Projekt überhaupt zu kritisieren.
Für mich ist das immer noch gute "traditionelle" Architektur, soviel Freiheit muss sein.
Wenn man zB in Mailand ganze Strassenzüge historisierender Architektur des 19.Jh. ansieht, findet man dort auch oft sehr phantasievolle, ausgefallende Details oder Flächenbehandlungen. Was dann ja auch im 20.Jh in der Architektur von Muzio seine Fortsetzung findet, zB am Cá brutta`und anderen. Vielleicht hoch gegriffen, aber in so einer Tradition würde ich das sehen
Also Rauke, her mit dem Wein ;-)