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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Estrada_Reichen_Malte_K_in_Wuerenlingen_6945450.html

20.08.2019

Kinder Kita Kfz

Estrada Reichen + Malte K in Würenlingen


Im Schweizer Ort Würenlingen im Kanton Aargau müssen wie vielerorts dringend Kindergartenplätze geschaffen werden. Nicht nur das: Auch mehr Autostellplätze werden gebraucht. Doch Platz ist knapp in Würenlingen. Und Kinder und Autos sollten ja eher voneinander ferngehalten werden. Der 2018 fertig gestellte Neubau der Arbeitsgemeinschaft Estrada Reichen Architekten + Malte K (beide Zürich) hat sich des Dilemmas angenommen und kombiniert nun Kindergarten und Tiefgarage in einem Bau.
 
Die komplexe Aufgabenstellung des Wettbewerbs, in dem sich Christoph Estrada Reichen und Malte Kloes mit ihrem Beitrag „Zelthaus“ gegen insgesamt 41 Büros durchsetzen konnten, inspirierte die beiden zu einer ungewöhnlichen Lösung. Um die gewünschte Anzahl Stellplätze unterzubringen, hätten die Stützen des Untergeschosses soweit optimiert werden müssen, dass sie die Lasten des 18 Meter breiten Erdgeschosses nicht mehr hätten tragen können. Kurzum entschieden sich die Architekten, den Kindergarten im Erdgeschoss mit einem Hallentragwerk zu überspannen.

Vorgespannte Ortbetonträger mit dazwischen gehängten ebenfalls in Ortbeton ausgeführten Dachflächen leiten die Vertikallast größenteils in die Außenwände der Tiefgarage. Das Tragwerk wird so zum konzeptuellen wie raumbildenden Element, die Abstände der Träger bestimmen die Organisation des Grundrisses. Stützenfrei konnten die größeren durch Schiebetüren verbundenen Spielflächen zwischen den Trägern geplant werden, drei funktionale Kompartiments unterhalb der Träger beherbergen Sanitärräume und Lagerflächen, zusätzlich gibt es kleine Rückzugsnischen im Dachraum. Auch das Material Holz als Kindergarten-Evergreener integrieren die Architekten in ihrem Projekt sinnvoll: Nichttragende Innenwände und der Ausbau sind aus Seekiefer gefertigt und grenzen sich damit von der dominanten Tragwerkstruktur ab. Mit kreisrunden Einschnitten in den Betonträgern und einem durchlaufenden Oberlichtband wird der tiefe Grundriss funktional und atmosphärisch belichtet.
 
Fast scheint es so, als hätten die Architekten ihre Konzentration ganz auf Tragwerk und Innenraum verlegt, dabei wurde der Wettbewerbsbeitrag ursprünglich besonders für seine städtebauliche Setzung sowie die Außenraum- und Fassadengestaltung gelobt. Letztere stammt von USUS Landschaftsarchitektur (Zürich). Das Walmdach fügt sich mit seiner Höhe und Gestaltung gut in die Würenlinger Umgebung ein, während die grob kannelierte Betonfassade dem Baukörper eine dezente Textur gibt. Besonders begrüßt wurde der aufwendig gestaltete Außenraum. Er wird nicht nur vom Kindergarten genutzt, sondern fungiert als eine Art Allmende, die allen Dorfbewohnern zugänglich ist. (kg)

Fotos: Lukas Murer


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