Heimelige Plattformlandschaft
Einfamilienhaus von noma architekten bei Stuttgart
Der Ballungsraum Stuttgart ist geprägt durch ausgedehnte Wohnsiedlungen. In einer solchen gewachsenen Siedlung hat das Büro noma architekten, das von Nora Woborny und Maik Schöffel in Bietigheim-Bissingen geführt wird, ein Einfamilienhaus entworfen, das nicht nur mit dem Tagesablauf des Familienlebens harmonisieren sollte: Die Planer*innen hatten den Anspruch, dass es darüber hinaus so heimelig aussehen sollte, „als ob es von einem Kind gemalt worden wäre.“
Und in der Tat sind so einige alte Bekannte aus dem Potpourri der klassischen Bauelemente im Entwurf von Haus J vertreten – Satteldach, klassische Kubatur, Garage zur Strasse hin. Im sogenannten Haupthaus, bestehend aus einem einschaligen, ungefüllten Ziegelmauerwerk mit 42,5 Zentimeter Wandstärke, sind die zweckgebundenen Räumlichkeiten, also Schlafen, Bad und die Kinderzimmer untergebracht. Aufgrund der Höhenvorgaben der lokalen Bauordnung konnte laut den Architekten mit dem 45 Grad geneigten Satteldach die beste Flächennutzung generiert werden. Entstanden sind auf dem 617 Quadratmeter großen Grundstück 228 Quadratmeter Nutzfläche.
Zur Straße hin präsentiert sich das Gebäude zurückhaltend – das Satteldach nimmt Bezug auf die Nachbarhäuser. Mit dem vorgelagerten Volumen, das durch eine umlaufende Lichtfuge vom Hauptteil abgetrennt ist, wird die klassische Form schliesslich aufgebrochen. Der in Stahlbeton ausgeführte Bauteil ist komplett in Aluminiumrauten gekleidet, die sich schuppenartig über Wand und Dach ziehen. Im Inneren liegt über mehrere Etagen eine Treppen-, ja Plattformlandschaft aus Sichtbeton. Sie erschließt nicht nur die einzelnen Etagen, vielmehr ist sie so großzügig dimensioniert, dass sie – durch die Lichtfuge beleuchtet – zum Herzstück des Hauses wird: Die Arbeitsplatte der Küche geht in den Spielbereich der Kinder über, hier lässt es sich in Ruhe kochen, während man die Kinder im Blick hat. Eine Ebene darunter, mit Zugang zum Garten liegt der Ess- und Wohnbereich hinter der bis in den Dachspitz vollverglasten Fassade.
Die verschiedenen Raumhöhen lassen hier unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten entstehen, so hat der Essbereich die doppelte Raumhöhe hat, während Sofa und Sitzgruppe in einer gemütlichen Nische unterhalb der Spielebene für die Kinder Platz finden. Vom Zwischenpodest auf Höhe der Spielebene erreicht man das Obergeschoss über eine freistehende Stahltreppe. Die Lichtfuge aus Polycarbonat-Stegplatten streut das Tageslicht im Inneren und zeichnet sich bei Dämmerung leuchtend nach außen ab. Das schafft Wiedererkennungswert, auch bei den Kindern. (tl)
Fotos: Oliver Rieger
Hier geht es nicht um gönnen oder nicht gönnen. Das Projekt präsentiert sich hier auf einer kritischen Plattform der Fachwelt. Also muss es sich auch mit der Meinung der Fachwelt auseinandersetzen können. Sie schreiben ja selbst: "sondern wie sich das Projekt architektonisch darstellt und städtebaulich einfügt..." Genau das wird hier ja gemacht. So wird es im Studium schon gemacht und gelernt, die Entwürfe vor versammelter Mannschaft diskutiert. Der "Ton" einiger Kommentatoren sei einmal dahingestellt. Dem jungen Büro sei es gegönnt und es ist sicher auf einem guten eingeschlagenen Weg. Hier im Baunetz muss man das aushalten können.
"Mich stimmt es allerdings traurig, dass einem ambitionierten, jungen Architekturbüro eine Publikation ihres ersten realisierten Gebäudes scheinbar nicht gegönnt wird. " diese Frage gebe ich weiter ans @baunetz: werden Ihnen solche Gebäude angetragen ? Und wie sind die Auswahlkriterien ?