Wohnen im schwarzen Mini
Einfamilienhaus nahe Stuttgart von f m b
Das „kleine Schwarze“ ist nicht nur ein seit mittlerweile über 90 Jahren beliebtes, zeitloses Damenkleidungsstück – in einem „kleinen Schwarzen“ kann man jetzt auch wohnen. Den entsprechenden Prototyp in Form eines Einfamilienhauses realisierten die Stuttgarter f m b architekten am Rande von Merklingen in Weil der Stadt. Das neue Zuhause für eine Familie mit zwei Kindern besticht durch seine klare Form, kompakte Bauweise und last not least durch die monochrome Farbgebung in Umbragrau.
Die strenge kubische Form des Baukörpers und der je nach Lichteinfall fast schwarz wirkende, glatte Kunstharzputz machen das Haus zum Monolithen par excellence. Diese Wirkung wird noch verstärkt durch die langen schmalen und präzise angeordneten Fenster und Türen. Sie sitzen bündig im Mauerwerk und öffnen nach außen, um den Innenraum zu vergrößern. Aus wirtschaftlichen Gründen beschränkt sich die Konstruktion des Hauses auf die streng im Mauerwerksmaß geplanten Außenwände aus 36,5 Zentimeter dicken Hochlochziegeln. Lediglich Teile der mittleren Flurwand im Erdgeschoss sind tragend, alle anderen Innenwände wurden als Trockenbau ausgeführt. Auch auf einen Keller musste mit Blick auf die Kosten und den eher schwierigen Baugrund verzichtet werden – ein Grund mehr, das minimalistische Prinzip der Architektur auch auf den Umfang des Hausrates zu übertragen.
Da nach Landesbauordnung nur ein Vollgeschoss auf dem Bauplatz erlaubt war, teilten die Architekten den quadratischen Grundriss in vier gleiche Quadrate und ließen genau eines davon im Obergeschoss weg. So entstand eine geradezu perfekte, zum unverbauten Landschaftsschutzgebiet hin ausgerichtete Terrasse – ein Zimmer unter freiem Himmel sozusagen, das insbesondere als geschützte räumliche Erweiterung der beiden angrenzenden Kinderzimmer dienen kann. Das Erdgeschoss wird zur Hälfte von einem barrierefreiem „Universalzimmer“ eingenommen, das als offene Küche, Ess- und Wohnzimmer dient und über mehrere Türen direkt mit dem Garten verbunden ist. Durch sichtbar belassene Ortbetondecken, raumhohe Einbauschrankzonen und Türen aus Eichenholz mit Oberlichtern wird die reduzierte, funktionale Ästhetik der äußeren Gestaltung im Innenbereich fortgeführt.
Das beschränkte Budget der Familie hat schlussendlich der architektonischen Qualität ihres neuen Heimes keinen Abbruch getan – im Gegenteil: Es hebt sich nicht nur aufgrund seiner Farbe sehr deutlich von der restlichen Bebauung im Viertel ab. Wird das „kleine Schwarze“ nach seinem Erfolg in der Modebranche nun also auch seinen Siegeszug in der Architektur antreten? (da)
Fotos: f m b architekten / Andreas-Thomas Mayer
Ich würde sogar noch weiter gehen:
In gewisser Weise ist das keine Architektur mehr, sondern eher ein Kunstwerk!
Es führt uns nämlich durch seine formale Überhöhung und Reduktion genau diesen Mangel an Kontext und miserabler Siedlungspolitik vor Augen.
Ob bewusst oder unbewusst - Dieses Projekt liefert zu genau diesem Dilemma einen bemerkenswerten Beitrag!
Als "kubistisches Symbol" verdeutlicht es den Anachronismus einer gescheiterten Moderne.
Ob das die Bewohner allerdings auch so sehen ist fraglich.
Wenn man sich nun den Kontext anschaut, dann wird klar, dass hier ein Einfamilienhausgebiet als Un-Ort geschaffen wurde, ein Ort ohne Eigenschaften, keine Topographie, kein alter Baumbestand, nur Straßen, Parzellen und Häuser mit Garagen.
Es gibt nicht Spezifisches und wo nichts ist, da kann auch kein Bezug hergestellt werden.
Damit wirkt jedes Gebäude aufgesetzt und autistisch. In gewisser Weise ist hier keine Architektur entstanden, sondern ein Stereotyp.
Das kann man auf der website der Architekten einfach nachvollziehen, erscheint doch die Kubatur wie eine Referenz eines anderen Projektes.
Leute! Kommt mal runter! Das ist nur ein einfaches, ordentlich gemachtes Haus! Nicht mehr, und nicht weniger!
Schaut Euch doch mal um in deutschen Neubaugebieten... Architektenhäuser? Fehlanzeige!