Palladio im Sturm
Einfamilienhaus in Ostwestfalen
„Wann beginnt das Digitale in der Architektur?“, fragte kürzlich in einem dicken Essay-Band das Canadian Center of Architecture mit Blick auf die frühen Jahre des Entwerfens am Computer, das oft auch erstaunlich analog vonstatten ging. Dieses Einfamilienhaus im Ostwestfälischen lässt sich da passenderweise wie eine Meditation zum Thema lesen. Die Formfindung wäre vielleicht auch noch am Zeichenbrett zu bewerkstelligen gewesen, aber die noch junge Geschichte der digitalen Architektur ist trotzdem unverkennbar präsent.
Was ist hier geschehen? Die Büros One Fine Day (Düsseldorf) und architektur-werk-stadt Balhorn Wewer Karhoff (Paderborn) haben den Grundtypus des historischen Hallenhauses zunächst in eine Flügelanlage transformiert und diese schließlich mittels Software derart gedehnt und gedreht, bis inmitten einer lose besiedelten Auenlandschaft dieses so wunderbare wie wundersame Wohnhaus entstand. Einiges an Architekturtheorie ließen die Büros dabei in ihr Gebäude einfließen: Das Grundmodul des Hauses soll Palladios Neun-Quadrat-Raster nach Rudolf Wittkower entsprechen, wobei das Zentrum des Gebildes wie bei einem historischen westfälischen Hallenhaus als Gemeinschaftsraum ausgeformt ist. Von dieser Mitte aus entwickeln sich die Flügel der Anlage, was wirkt, als sei ein Sturm in die Mauern gefahren.
In Grundriss und Schnitt ist das soziale Zentrum des Hauses komplex gedacht, hier befinden sich die Küche und der gemeinsame Wohn- und Essbereich. Er reicht über zwei Etagen und ist mit großen Fenstern zum Garten geöffnet. Als geometrischer Schnittpunkt der ausschlagenden Flügel verfügt er außerdem über eine verwinkelte Dachstruktur, die dank scharfer Kanten im weißen Putz auch an der Decke zu erkennen ist. In den gebogenen Extremitäten sind wiederum die intimeren Bereiche des Wohnhauses untergebracht, was anhand von kleinen Fensteröffnungen auch auf der Fassade ablesbar ist.
So vielschichtig die Gebäudefigur, so einfach ihre Hülle: Gemäß örtlicher Bauart haben die Architekten das Einfamlienhaus aus Backstein errichten lassen und es – als Anspielung auf die weiße Moderne – schließlich weiß geschlämmt. Auch Fenster, Rahmungen, Geländer sind simpel gehalten. Lediglich das Dach offenbart mit seiner ungewöhnlichen Lamellenstruktur aus Zedernholz auch materiell die Vielschichtigkeit dieses schönen Baus. (sj)
Fotos: Christian Richters
zudem sind die materialien und das erscheinungsbild der hauses samt fassade viel biederer, als ein derart gewagter grundansatz erwarten (und hoffen) ließe.
Ich finde den Eingang lediglich etwas mau und zu klein und nicht einladend. Die Geländer sind ebenfalls aus dem Standard-Detailkatalog... aber auch nicht schlecht. Auch diese Kameras an der Fassade sind nicth gerade schön und wohl eher der Lage mitten in der Pampa geschuldet.
Was mir wiederum gefällt ist, dass hier die Baunetz Redaktion wieder Architektur im kleineren Stile in Deutschland zeigt. Ich würde mir mehr europäische Architektur aus öffentlichen und privaten Bauten in vergleichbaren Größen wünschen, damit man auch mal ein gutes Gefühl bekommt was unsere Nachbarn machen und auch in Deutschland geschaffen wird.