Genossenschaftlich Wohnen im Hochhaus
Eike Becker_Architekten in Berlin-Gropiusstadt
Rund 190.000 der Wohnungen in Berlin gehören Wohnungsbaugenossenschaften. Angesichts der Wohnungskrise sollen und wollen diese nicht nur Bestandsbewahrerinnen sein, sondern auch bauen. Wie man es machen kann, zeigt der altehrwürdige Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin, der zusammen mit Eike Becker_Architekten ein Wohnhochhaus in Gropiusstadt realisiert hat.
Von Gregor Harbusch
Vor über 120 Jahren gründete sich der Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin (BWV). Heute besitzt die Genossenschaft knapp 8.000 Wohnungen und zählt 25.000 Mitglieder. In der Großwohnsiedlung Gropiusstadt im Süden Berlins baute die Genossenschaft Ende der 1960er Jahre 500 Wohnungen – und das obligatorische Parkhaus. Dieses war über die Jahrzehnte so marode geworden, dass es abgerissen werden musste.
An die Stelle des Parkhauses setzte der BWV nun ein Wohnhausensemble, bestehend aus einem zwanziggeschossigen Hochhaus, einem fünfgeschossigen Stadthaus und einem eingeschossigen Pavillon. Wegen der Relevanz des geplanten Neubaus entschied sich die Genossenschaft im Jahr 2016, einen einstufigen, nichtoffenen Wettbewerb nach RPW 2013 durchzuführen. Acht Büros wurden eingeladen. Eike Becker_Architekten (Berlin) und Schulz und Schulz (Leipzig) errangen je einen zweiten, Kleihues & Kleihues (Berlin) den dritten Preis. Eike Becker und sein Team wurden schließlich beauftragt.
Genau 100 Wohnungen sind im Turm, 16 weitere im Fünfgeschosser. Im Erdgeschoss des Turms findet man zwei Gewerbeflächen, eine davon dient als Café. Im Pavillon gibt es einen großzügigen und einladenden Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile und großzügigen Fensterfronten, die sich zum rückseitigen, aufwendig neu gestalteten Grünraum samt Spielplatz von Sinai Landschaftsarchitekten (Berlin) öffnen.
Raumhohe Fenster gibt es auch im gemeinsamen Foyer zwischen den beiden Wohnbauten sowie – und das überrascht auf sehr positive Weise – im Fahrradraum, der dadurch zu einem einladenden und freundlichen Ort wird, in dem man bei kalten Temperaturen gerne mal sein Rad repariert. Andererseits findet man unter dem Haus eine zweigeschossige Tiefgarage mit rund 200 Stellplätzen, die die Plätze des rückgebauten Vorgängers kompensiert. Die Verkehrswende ist hier – nur wenige hundert Meter von der Landesgrenze zu Brandenburg entfernt – noch weit weg, der PKW weiterhin Realität im Alltag der meisten Menschen.
Wer sich dem Projekt TLW – benannt nach der Adresse Theodor-Loos-Weg 51 – nähert, ist sofort positiv überrascht. Der Turm kontrastiert durchaus mit den behäbigen Bestandsbauten der Umgebung. Loggien an den Ecken, eine betont vertikale Gliederung durch Lamellen sowie eloxiertes Aluminium an den Fassaden lassen das Hochhaus angenehm schlank wirken und machen es zu einem zeitgemäßen Kontrapunkt. Gut, dass die während der Planungen diskutierte WDVS-Fassade schnell wieder verworfen wurde.
Typologisch ist das Haus eine Ausnahme im Kontext des genossenschaftlichen Bauens in Berlin, denn keine andere der circa 90 Berliner Wohnungsbaugenossenschaften hat sich in den letzten Jahren an ein Wohnhochhaus getraut. 45 Millionen Euro brutto kostete der Neubau inklusive Abriss des Parkhauses. Das war ein gutes Stück teurer als ursprünglich geplant, gibt Ina Silbe, Mitglied des Vorstands der BWV, zu. Angesichts der gedeckelten Mieten sei das Haus als Einzelobjekt letztlich unwirtschaftlich, betont Silbe und erklärt, dass die vor über 120 Jahren gegründete Genossenschaft aber finanziell so gut aufgestellt sei, dass sie sich ein solches Gebäude über Quersubventionierungen leisten könne.
Sowohl die Genossenschaft als auch die Architekt*innen betonen, wie wichtig der Austausch mit der Nachbarschaft war, die frühzeitig und umfangreich in die Planungen einbezogen wurden. Immerhin hat man es hier letztlich mit einer klassischen Nachverdichtung in einer locker strukturierten Wohnsiedlung der Nachkriegszeit zu tun. Die wenigsten Mieter*innen sind von solchen Projekten begeistert. Umso erfreulicher, dass es hier gelungen ist, und die neuen Gemeinschafts- und Grünflächen echte Mehrwerte auch für die Mieter*innen der Bestandsbauten bieten.
Fotos: Jan Bitter
...wieder zugemacht
was soll denn der investor da hinpflanzen damit die cappuchinomuddis sich wohl fühlen?
100 jährige Eichen?
und sind dir die spielgeräte nicht kreativ genug?
wart mal ein paar jahre, und das rockt da.
und zwar richtig.
glaub mir.
ich weiss vovon ich rede.
und wenn dir das zu langsam geht, fahr raus in dein wunderbares berliner umland mit deinen kids und zeig ihnen wie man ohne streichhölzer ein lagerfeuer macht.
oder so....
Richtige Setzung, markanter Hochpunkt, gute Proportionen, maßstäblicher Sockelbereich, geringer Flächenverbrauch, Verzicht auf WDVS-Fassade, plastische Fassadengliederung, brauchbare Grundrisse.
Ok, es wachsen hier keine Bäume auf den Balkonen und es gibt keine hängenden Gärten, aber wer fällt denn noch auf solches greenwashing rein?
Die Umgebung ist nun mal Realität, und ich empfinde das Bauwerk als adäquate und konsequente Lösung für die vorgefundene Situation. Ach ja, 116 Wohnungen wurden immerhin auch noch geschaffen...
Eines der problematischsten un am dichtesten bebauten Viertel in der BDR bekommt eine Nachverdichtung. In herkömmlicher Bauweise, mit einer Fassade Anno 2010 und einem Baukörpervolumen der späten 80er...
Es scheint als wäre die Zeit stehen geblieben und die alten Architekten von Gestern durften nochmal das machen, was die die 200er über für einen Schrott fabriziert haben.
Das einzig interessante sind doch die Grundrisse. Effizient und teilweise auch mal ein paar mehr Zimmer für etwas größere Familien.
Alles in allem kein Verbrechen, aber von der Lobpreisung doch weit entfernt.